"Bäumchen" auf dem Prüfstand – Fürs Gutachten Waldverjüngung 40000 Bäumchen untersucht

Im Waldboden stecken in gerader Linie im Abstand von 50 Metern orange-weiße Markierungen. In ihrem Umkreis werden junge Bäume mit Wäscheklammern versehen und anschließend genau begutachtet, gemessen und vor allem auf Verbissschäden durch Rehe kontrolliert. Rund 40000 Jungbäume nehmen die Förster des Amtes für Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck in den kommenden Wochen auf diese Weise unter die Lupe. Die Ergebnisse fließen ein in das bayernweite „Gutachten zur Situation der Waldverjüngung".

Das Gutachten wird seit 1986 alle drei Jahre erstellt und gibt Aufschluss über den Zustand der nachwachsenden Bäume in den bayerischen Wäldern. Allein im Landkreis Landsberg werden 200 Probebestände kontrolliert, und zwar nach einem genau vorgegebenen Schema. Je nach Größe des Waldstücks betrachten die Förster jeweils 15 junge Bäumchen an 30 bis 40 Aufnahmepunkten. Nach der Auswertung der Aufnahmen erhalten die Waldbesitzer im Sommer die Ergebnisse für ihre Bestände und haben Gelegenheit zu einer schriftlichen Stellungnahme. Im September wird das Gutachten erstellt und an die unteren Jagdbehörden versandt. Diese erarbeiten daraufhin neue Empfehlungen für die Abschussplanung in den einzelnen Wäldern. „Haben Sie Vertrauen zu diesem Verfahren", fordert Forstamtsleiter Hans-Jürgen Gulder beim Ortstermin im Wald bei Entraching die Vertreter der Waldbesitzervereinigung und verschiedener Jagdorganisationen auf. „Hier wird sauber gearbeitet." Förster Ludwig Pertl betont, dass die Aufnahmetrupps von den schematisch vorgegebenen Kontrollpunkten nicht abweichen dürfen, selbst wenn zehn Meter weiter der Jungbaumbestand gesünder aussieht als an der Markierung. Weiserzäune: Wild fernhalten Um festzustellen, wie sich nachwachsende Bäumchen mit und ohne Verbiss entwickeln, empfiehlt Gulder die Aufstellung von Weiserzäunen, für die sein Amt in den kommenden Monaten verstärkt werben will. Die Zäune sind klein und preisgünstig, aber vollkommen ausreichend, um Wild fernzuhalten. Gedeihen die Pflanzen innerhalb der eingezäunten Fläche besser als außerhalb, habe man den Beweis für den von Rehen verursachten Schaden, so Gulder. Auf diese Weise lasse sich die Diskussion um Waldverjüngung, Abschuss und Tierschutz versachlichen. „Wir müssen den Waldumbau in Zeiten des Klimawandels beschleunigen", so Gulder eindringlich. „Hier sind die Jäger verstärkt gefordert." Ziel sei der Erhalt beziehungsweise die Schaffung von stabilen, standortgemäßen und klimatoleranten Wäldern, die ihre wichtigen Funktionen auch weiterhin zuverlässig erfüllen können.

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