Im s'Maximilianeum:

Im Landsberger Theatergarten vom Zwiefachen zum Blues

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Stimmungsvoller Theatergarten Landsberg: Otto Göttler an der Ziach (rechts) ist der Urvater des Bairisch Diatonischen Jodelwahnsinns. Geli Huber und Tobi Andrelang sind erst seit zwei Jahren mit im Boot.

Landsberg – Volksmusik soll dem Zeitgeist aufs Maul und dem Publikum in die Augen schauen. Kritisch und lebensnah, das ist Otto Göttlers Devise, der er mit seiner Formation Bairisch Diatonischen Jodelwahnsinn huldigt. Da darf es schon mal um Banken, Plastiktüten oder auch Trump gehen – zu bairischer Volksmusik mit Ausflügen in Dixie, Blues, in den Fast-schon-Rap und ins Liedermachergenre. Eine Mischung, die die Gäste im Theatergarten zu schätzen wussten: beim ersten Konzert der Kleinkunstbühne s’Maximilia­neums seit dem Lockdown.

Sie seien gerade auf dem Arbeitsamt gewesen, „und da hieß es, Landsberg braucht Musikanten“, scherzt Göttler. Auch die drei Musiker des Jodelwahnsinns waren während der letzten Monate gezwungenermaßen arbeitslos. Die drei, das sind neben ‚Ziach-Göttler‘ noch Geli Huber an Harfe und Hackbrett und Kontrabassist Tobi Andrelang, so seit 2018 zusammen. Wobei es den Jodelwahnsinn schon seit 1986 gibt.

Damals gründete der Ur-Giesinger die Formation und trat mit seinen politisch-kritischen Texten auch mal bei Anti-­WAA-Demos auf. 1991 gabelte Göttler Monika Drasch auf, zudem den Musiklehrer Josef Brustmann – ein Trio, das über zehn Jahre zusammenhielt. Ab 2002 gab es den Jodelwahnsinn nicht mehr – bis sich Göttler 2014 wieder auf die Kombination aus bairischer Musik, Politik und sattdrallem Leben einließ.

Göttler übernimmt den Mammutpart des Gesangs, begleitet sich mit dem Akkordeon. Und greift ab und zu zur Mini-Akustik­gitrarre, um Dixie oder den „Untergiesinger Grantler-Blues“ ins Boot zu holen. Soll‘s ganz romantisch werden, gar fast kitschig, holt er die singende Säge und den Obi-Fuchsschwanz aus dem Kasten. Geli Huber, mit der Göttler als Duo auch „unverschämte Wirtshausmusik“ präsentiert, verleiht mit ihrer Harfe der Musik die weichen Töne, gibt ihr mit dem Hackbrett das Urbairische. Und Tobi Andrelang zupft den Herzschlag, streicht im Liedhaften – oder demonstriert seine Fingerfertigkeit beim kroatischen Volkslied im Schnelltempo.

Singen können alle drei. Was sie im Dreigesang bei einem Lied über die Vergänglichkeit aufs Beste beweisen. Der Text stammt vom 2007 gestorbenen Münchener Autor Werner Schlierf. Und dreht sich um den Tod und dessen Nichtigkeit – zumindest in seiner Bedeutung für die Welt: „Nach mir wird’s noch viele geben, die das Leben sakrisch freut.“ Denn die Welt wird sich weiterdrehen. Eine bittere Weisheit, die durch das Dur, in dem das Lied endet, versüßt wird.

Es ist genau diese Mischung aus Nachdenklichkeit und purer Lebensfreude, die die Musik des Jodelwahnsinns ausmacht. Da kann es derb bairisch werden, bevor der Schmelz von Göttlers Concertina mit Harfe und gestrichenem Bass wortlos das Theaterrund erfüllt – nicht, ohne zwischendrin noch kritisch die Energiewende, den „schwarzbraunen Michael“ – ein 30 Jahre alter Text, „der leider immer noch gilt“ – oder auch den Münchner im SUV auf der Alm abzukanzeln. Ein leichter Abend bei lauen Temperaturen – und trotz aller Kritik an Politik, Gesellschaft und Wirtschaft durch und durch lebensbejahend.

Das s‘Maximilaneum macht jetzt Sommerpause. Und hofft, traditionell am 3. Oktober zu Kabarett im Theatersaal laden zu können. Karten für „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“ von Werner Koczwara gibt’s allerdings erst vier Wochen vorher.
Susanne Greiner

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