Schilcher-Strafprozesstag 2

Landsbergs Kämmerer wollte den Derivate-Exit

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Der zweite Prozesstag war der Tag der Bank. Von rechts: Professor Dr. Klaus Bernmann (Bochum), Angeklagter Frank H., Rechtsanwalt Dr. Stephan Bausch (Köln). Dahinter: Rechtsanwältin Dr. Silke Ackermann, Manfred Schilcher, Rechtsanwalt Joachim Feller.

Landsberg/Augsburg – Am zweiten Tag des Strafverfahrens gegen den ehemaligen Landsberger Kämmerer Manfred Schilcher sowie zwei Bankmitarbeiter bestätigte der Mitangeklagte Frank H. von der Hauck & Aufhäuser Finance Management, dass Schilcher im Jahr 2009 gegen Zahlung von drei Millionen Euro aus den Derivat-Geschäften aussteigen wollte. „Das wäre auch aus meiner Sicht das Vernünftigste gewesen“, sagte H.. Diesem Vorschlag sei die Stadt dann aber aus unklaren Gründen nicht gefolgt.

Wer ihm zuhörte, bekam zwar zunächst den Eindruck, die Beratungstochter der Bank sei ihren Aufgaben gar nicht gerecht geworden. H. sagte, er habe der Stadt keine Derivate empfohlen. Und auch den „Konnex“, also den Bezug von Derivaten auf Grundgeschäfte, habe er nicht geprüft. Doch schon nach wenigen Minuten plauderte der versierte Bankmanager munter über seine wirkliche Rolle beim Abschluss der Zinsabsicherungsgeschäfte. Und die war wohl nicht zu beanstanden. Dafür, dass er und Schilcher „Komplizen“ waren, lieferte H. jedenfalls keinen Anhaltspunkt.

Der Manager betonte, die Derivatabschlüsse seien aus seiner Sicht „im Rahmen des Zulässigen“ gewesen; lediglich ab 2010 sei der Konnex verloren gegangen, worauf er auch hingewiesen habe. Dessen Wiederherstellung wäre, so bestätigten die beiden Gutachter Willy Steck und Professor Marco Wilkens später unabhängig voneinander, gar nicht so schwer gewesen: Als er durch Auflösung eines Swaps verloren ging, hätte man einen neuen kaufen können.

Doch immer wieder wurde am Montag deutlich: Das Thema ist komplex. Selbst diejenigen, die sich ein halbes Leben mit dem Thema Derivate befassen, verheddern sich in Berechnungen und Methodenfragen. Und dabei handelte es sich noch nicht einmal um Produkte „aus der Tiefe des Giftschranks“, um das, was man sich „sonst noch so einfallen ließ“. H. betonte: Der Erlass des Innenministeriums „war keine ernsthafte Orientierungshilfe.“

Eine ausführliche Darstellung und Bewertung des aktuellen Stands des Strafprozesses finden Sie hier.

Werner Lauff

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