Von wegen Barrierefreiheit

Am Bahnhof endet die Mobilität

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Während für Kurt Höller (links) mit seinem schweren Rollstuhl an der Bahnhofstreppe Schluss war, konnte die junge Mutter mit Kinderwagen die Hilfe des Landtagsabgeordneten Herbert Kränzlein (rechts) in Anspruch nehmen.

Kaufering – Der Bahnhof der Marktgemeinde ist für viele Menschen schlichtweg ein einziges Hindernis. Er ist neben Utting einer von zwei Bahnhöfen im Landkreis, die nicht barrierefrei ausgebaut sind. Grund genug für die Kauferinger SPD, politisch aktiv zu werden: Protest- und Unterschriftenaktion vor Ort.

So sammelte SPD-Marktgemeinderat Thomas Salzberger am Donnerstag Unterschriften für einen schnellen barrierefreien Ausbau. Verstärkung erhielt er durch den SPD-Land- tagsabgeordneten Dr. Herbert Kränzlein, der sich vor Ort informierte und prompt helfen musste, einer jungen Mutter den Kinderwagen die Bahnhofstreppen hinunter zu tragen.

In knapp eineinhalb Stunden sammelte Salzberger 273 Unterschriften. Für ihn ist die Aktion damit aber nicht zu Ende. Sowohl im Rathaus als auch in Geschäften in Kaufering sollen die Unterschriftslisten ausgelegt werden.

Bernd Höller kann von der fehlenden Barrierefreiheit ein Lied singen. Der Kauferinger ist auf den Rollstuhl angewiesen. Er besitzt zwar einen Elektro-Rollstuhl und ist damit weitgehend von fremder Hilfe unabhängig. Wenn er aber mit dem Zug nach München oder Landsberg fahren muss, wird das zum Glücksspiel. Mit dem 170 Kilogramm schweren Gerät ist schon an der Bahnhofstreppe Schluss. „Damit kann ich Kaufering nicht verlassen“, sagte er dem KREISBOTEN.

Wenn Höller also mit dem Zug fahren will, muss er einen manuellen Rollstuhl nehmen. Dazu braucht er aber eine Begleitperson, die ihn schiebt. Ohne die Hilfe der Bahnmitarbeiter geht gar nichts. Der Rollstuhl muss in den Zug gehoben werden, und am Zielort ist der Kauferinger ebenfalls auf die Hilfe des Bahnpersonals angewiesen. Die unterschiedlichen Einstiegshöhen sind hier das Problem.

„Ein untragbarer Zustand“, findet Herbert Kränzlein. Der Landtagsabgeordnete macht sich stark für den barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe. Neben Kaufering ist im Landkreis auch der Bahnhof in Utting noch nicht ausgebaut. „Für keine der beiden Stationen gibt es derzeit ein konkretes Datum, bis zu dem sie ausgebaut sein sollen“, zeigte Kränzlein auf.

Es sind nicht nur Rollstuhlfahrer, die von dem Problem betroffen sind. Mütter mit Kinder- wagen, ältere Menschen mit Koffern aber auch Menschen, die auf Krücken oder einen Rollator angewiesen sind, leiden unter dieser Situation. Ein Beispiel dafür ist Helene Drexl aus Kaufering. Sie ist vor vielen Jahren in Bahnhofsnähe gezogen. „Wenn ich einmal nicht mehr Auto fahren will, kann ich den Zug nehmen“, war die Begründung für ihre Wohnortwahl. Inzwischen ist Helene Drexl 84 Jahre alt und ist mehr denn je auf das Auto angewiesen. Mit ihrem kaputten Knie bereiten ihr die Bahnhofstreppen in Kaufering ebenso Probleme wie der fehlende stufenfreie Einstieg in den Zug.

Unverständlich ist für Kränzlein, dass es noch kein Datum für den Umbau in Kaufering gibt. Immerhin hat die die Marktgemeinde einen Umsteigebahn für den Nah- und Fernverkehr. Deshalb wollen sich die Sozialdemokraten weiter verstärkt für den barrierefreien Bahnhof in Kaufering und Utting einsetzen, kündigte Kränzlein an.

Siegfried Spörer

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