Barrierefreiheit am Kauferinger Bahnhof

Auf dem Abstellgleis?

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Es ist ein alltägliches Bild am Kauferinger Bahnhof: Für Rollstuhlfahrer ist spätestens an der Treppe Schluss. Aber auch Eltern mit Kinderwagen oder ältere Menschen mit Koffern bekommen hier Probleme. Unser Foto entstand bei einer Aktion der SPD für den barrierefreien Bahnhof.

Kaufering – Es war eine denkwürdige Sitzung des Marktgemeinderates und so manches Ratsmitglied fragte sich, ob es dem Gremium an diesem Abend gelungen ist, den Traum eines barrierefreien Bahnhof zumindest für lange Zeit auf das Abstellgleis zu schieben. Über das Ziel einer schnellen Umsetzung der Barrierefreiheit war man sich in der jüngsten Sitzung noch einig. Als es ins Detail ging, war es mit der Einigkeit aber schnell vorbei.

Die Diskussion fand vor leeren Zuschauerstühlen statt, denn der Tagesordnungspunkt war kurzerhand aus dem nichtöffentlichen Bereich in den öffentlichen Bereich gehievt worden. Auch die zuvor anwesenden Mitglieder des Seniorenbeirates, die sich mit dem Thema Barrierefreiheit beschäftigt hatten, waren schon nach Hause gegangen.

Im Kern ging es um die Frage, ob die Marktgemeinde eine bezuschusste Rampe auf der Nordseite auf eigene Kosten baut, wie es in dem Zuwendungsbescheid der Regierung von Oberbayern aus dem Jahr 2008 festgehalten ist oder ob man sich auf den Standpunkt zurückzieht, die Bahn sei alleine für die Barrierefreiheit zuständig und solle stattdessen nicht nur an den Gleisen 2 und 3 sowie 4 und 5 auch am Bahnhofseingang (Gleis 1) einen Aufzug statt einer Rampe einbauen.

Das Problem sei, so erklärte der mit dem Projekt beauftragte Verwaltungsmitarbeiter Andreas Giampa, dass die Förderzusage der Regierung von Oberbayern für die Rampe am 1. Juli auslaufe. Eine Verlängerung sei ausgeschlossen, betonte Giampa. Steige Kaufering jetzt aus, müsse das ganze Verfahren einschließlich der Verhandlungen mit der Bahn und der Regierung von Oberbayern neu aufgerollt werden. Der barrierefreie Bahnhof würde dann in weite Ferne rücken.

Kauferings Bürgermeister ­Erich Püttner erklärte, „die Förderung haben wir in der Kiste, nun müssen wir nur noch den Deckel zumachen. Dann könnten wir ab 2018 mit der Umsetzung beginnen“.

Doch zwölf der 21 anwesenden Marktgemeinderäte weigerten sich den Deckel zuzumachen und folgten dem Antrag von Thomas Wißmann (SPD), das Thema von der Tagesordnung zu nehmen und mit der Bahn neu zu verhandeln. Ob das allerdings in der kurzen Zeit gelingt, sei fraglich, konterte Rathauschef Erich Püttner. Er verwies darauf, dass es bis zu sechs Monate dauern könne, um überhaupt einen Termin mit der Bahn zu bekommen.

Ein entsetzter Manfred Nieß von der CSU kommentierte, „dies ist der schlechteste Beschluss, seit ich im Gemeinderat bin“. (Anm. der Redaktion: Manfred Nieß ist seit 27 Jahren im Marktgemeinderat). Sascha Kenzler (UBV) fühlte sich bemüht, den Schaden zu begrenzen und bat darum, den Tagesordnungspunkt in der nächsten Sitzung wieder aufzunehmen.

„Der barrierefreie Bahnhof ist eine Grundforderung der Kauferinger Bürger“, stellte Bürgermeister Erich Püttner klar und ergänzte, „wir waren noch nie so nahe dran wie jetzt“. Püttners Vision geht dahin, nicht nur auf der Nordseite eine Rampe zu bauen sondern auch auf der Südseite zum Gewerbegebiet hin. Eine Rampe auf der Südseite ist allerdings bisher nicht in den Planungen enthalten.

Die Rampe auf der Nordseite ist vor allem aus zwei Gründen umstritten. Einmal geht es um die Kostenträgerschaft. Die Grünen betonten mehr oder weniger übereinstimmend, dies sei allein Aufgabe der Bahn, den Bahnhof barrierefrei zu gestalten. Zum anderen führten einige Marktgemeinderäte die Nachteile einer Rampe auf. Dazu gehörten die Winterproblematik, die durch Radfahrer ausgehenden Gefahren und die Zerstörung der Grünfläche gegenüber dem Hotel Rid.

Zu den Befürwortern einer Rampenlösung erklärte sich nicht nur Manfred Huber (Kauferinger Mitte). Eine Rampe ist für ihn leistungsfähiger. Dazu komme noch das Ausfallrisiko eines Fahrstuhles.

Meinrad Mayrock (CSU) dagegen befand, dass man mit Aufzügen günstiger dran sei. Die Kapazität eines Aufzuges reiche auch aus, sagte Mayrock. Notfalls könne Kaufering auch für einen Aufzug an Gleis 1 gegenüber der Bahn in Vorleistung gehen, sagte Mayrock. Diese müsse man mit der Bahn besprechen.

Siegfried Spörer

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