Barrierefreiheit ist das Ziel

Ein schwieriges Pflaster ist die Landsberger Innenstadt für Rollstuhlfahrer. Häufig stoßen sie an ihre Grenzen – bei vielen Bordsteinkanten, schmalen Gehwegen oder sie müssen mit huckeligem Kopfsteinpflaster kämpfen. Einem „normaler“ Fußgänger sind diese Barrieren meist nicht bewusst. Damit es barrierefrei zugeht, dafür setzt sich der Behindertenbeirat für den Landkreis Landsberg ein. Beim Aktionstag zur Gleichstellung behinderter Menschen am Dienstag haben sich die Aktiven in der Landsberger Fußgängerzone präsentiert. Dabei forderten sie unter dem Motto „Teilhabe jetzt! Eine Gesellschaft für alle!“, Menschen mit Behinderung nicht nur zu integrieren, sondern eine „Inklusion“ zu erreichen – eine Gesellschaft, in der die Gruppe der Behinderten miteingeschlossen ist und nicht mehr getrennt von anderen existiert.

Seit 1992 gibt es den Behindertenbeirat im Landkreis. In ihm arbeiten Vertreter aller Institutionen, die in der Behindertenarbeit tätig sind, zusammen. In vielen Regionen sei man da noch nicht so weit, erklärte Geschäftsführer Hans-Peter Bichler. Die Zusammenarbeit mit Landkreisverwaltung und den Kommunen funktioniere gut. Und beim Aktionstag mit Infostand in der Innenstadt wurde das augenscheinlich – Landrat Walter Eichner (CSU), Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) und mehrere Stadträte hörten zu, was Bichler zu sagen hatte – zum Beispiel über die UN-Konvention zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderung, die Ende März in Deutschland in Kraft getreten ist. Darin sei festgeschrieben, behinderte Menschen als vollwertige Bürger anzuerkennen, ihr Recht auf Arbeit und auf ein selbstbestimmtes Leben und die Verpflichtung zur Barrierefreiheit, zitierte Bichler aus dem Konventionstext. Barrierefrei meint dabei nicht nur, dass Hindernisse wie Stufen oder zu enge Türen verschwinden sollen, sondern auch Hindernisse wie eine zu komplizierte Sprache. Für eine "leichtere" Sprache Am Informationsstand in der Fuß-gängerzone gab es daher für Passanten die Gelegenheit, selbst aktiv zu werden. Mitarbeiter der Lebenshilfe forderten dazu auf, sich für eine Petition an den Bundestag für leichte, verständliche Sprache einzusetzen. Wie es bei uns im Landkreis aussieht, welche Projekte bereits unternommen worden sind, um Menschen mit Behinderung das all- tägliche Leben zu erleichtern, gab es auf Schautafeln zu sehen. Mit der Unterstützung von Bürgermeister Josef Loy wurde zum Beispiel an der Kirche in Eresing ein barrierefreier Zugang geschaffen. Menschen, die mit Rollstuhl oder Rollator unterwegs sind, gelangen nun über eine Rampe in das Kirchengebäude. Barrieren für sehbinderte Menschen wurden ebenfalls schon beiseite geräumt: Die Internetseite des Landkreises können sich Blinde mit einem speziellen „Gerät“ problemlos „vorlesen“ und auch die Seite www.landsberg.de ist barrierefrei aufgebaut. Trotz positiver Beispiele muss noch mehr getan werden, denn der „Bedarf“ steigt. „Seit 1996 hat sich die Zahl der Menschen mit Behinderung im Landkreis Landsberg um mehr als 1800 Personen auf etwa 9000 erhöht.“, informierte Bichler. Besonders mangele es an barrierefreiem Wohnraum in der Region, erklärte er weiter und Landrat Eichner sowie Oberbürgermeister Lehmann stimmten ihm zu. Für den Landrat war der Aktionstag auch ein Tag zum Mahnen. Er würdigte die Arbeit des Behindertenbeirates und der kommunalen Behindertenbeauftragten Barbara Juchem. Erfreulich sei es auch, dass bereits viele Gemeinden einen Behindertenbeauftragten hätten. OB Lehmann schloss sich Eichner an und versicherte auch, dass die barrierefreie Toilette im Rathaus sobald der Rathausumbau fertiggestellt sei, zur Verfügung stünde. Für die noch zu planende Umgestaltung des Hauptplatzes erhoffe er sich auch Unterstützung vom Behindertenbeirat. „Uns sind die Probleme von Menschen mit Behinderung bewusst – beispielsweise durch die Bodenbeläge auf dem Hauptplatz.“ In Planungen miteinbeziehen Für das Interesse an der Aktion des Behindertenbeirates dankte auch CSU-Stadträtin Barbara Juchem, die als Behindertenbeauftragte für den Landkreis tätig ist. Juchem hatte erst kürzlich ihren Tätigkeitsbericht dem Kreistag vorgelegt. Dabei sprach sie sich besonders dafür aus, bei Bauvorhaben, in die Planungen miteinbezo- gen zu werden. Denn: „ Es ist wesentlich einfacher, die Barrierefreiheit bei der Planung zu berücksichtigen als später teure Nachbesse- rungen zu machen.“ Größere Projekte, bei denen sich Juchem als Behindertenbeauftragte beteiligen konnte, waren zum Beispiel der Neubau eines Haus- und Außenbahnsteiges beim Bahnhof in Dießen und in Kaufering der Neubau einer Geh- und Radwegeverbindung mit Unterführung, die die Realschule und das Sportzentrum verbindet. In Kürze soll das Projekt „Tourismus für alle“, eine Datenbank mit Gasthöfen und Hotels, vom Tourismusverband Ammersee-Lech und Herzogsägmühle realisiert werden. Menschen mit Behinderung sollen sich dann online informieren können, welche Lokale und Unterbringungsmöglichkeiten, so gestaltet sind, dass sie diese problemlos besuchen können. Juchem, die auch Mitglied des Fachbereichs Tourismus der Vereinigung der Behindertenbeauftragten in Bayern ist, erklärte, dass es in Landsberg noch zu wenig touristische Angebote für Menschen mit Behinderung gibt. Sie stellte die Idee vor, einen Tastweg am Lech anzulegen, bei dem plastische Darstellungen heimische Fischarten erfühlt werden.

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