Fernsehtipp

Steuergeldverschwendung beim Polizeiboothaus Holzhausen?

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Nostalgie pur am historischen Dampfersteg in Holzhausen, wenn der 110 Jahre alte Raddampfer „Dießen“ anlegt. Damit ist es wohl vorbei, wenn das geplante Polizeibootshaus (kleines Bild) gebaut wird. Das befürchten (v. links) Daniel Fusban von der Initiative „Dampfersteg Holzhausen“ sowie Wolf-Dietrich Lüps und Horst Pientka vom Verein „Unser Dorf“.

Utting/Holzhausen – Der Komödienstadel „Polizeibootshaus in Holzhausen“ kommt wieder ins Fernsehen. Nachdem der Bayerische Rundfunk in Sendungen von „Abendschau“ bis „Quer“ das Thema schon mehrmals kritisch aufgegriffen hat, widmet sich RTL am Mittwoch, 19. September, um 20.15 Uhr der Angelegenheit, die nicht nur die Uttinger und Holzhausener seit Jahren auf die Palme bringt.

In den Hauptrollen des TV-Beitrags: Das 16 Jahre alte Polizeiboot WSP7, der um 1900 gebaute historische Dampfersteg in Holzhausen, das geplante mindestens eine halbe Million Euro teure Polizeibootshaus, Schauspieler Hannes Jaenicke und Comedian Mario Barth. Er ist mit seiner investigativen Comedyshow „Mario Barth deckt auf“ in Sachen Behördenirrsinn und Steuergeldverschwendung diesmal im Einsatz am Ammersee. Ihm zur Seite steht der in Utting lebende Schauspieler Hannes Jaenicke, bekannter Umwelt- und Tierschutzaktivist.

Jaenicke erklärt den Zuschauern die unendliche Geschichte des Boothauses für das Ammersee-Polizeiboot WSP7, das während der Sommersaison am Dießener Dampfersteg einsatzbereit liegt und dann in der Stegener Werft überwintert. Auf der Suche nach einem geeigneten Standort für ein Bootshaus hat das Bayerische Innenministerium über Jahre hinweg sämtliche Möglichkeiten rund um den Ammersee geprüft, entschied sich dann letztendlich für Holzhausen als einzig optimalen Platz. Ausgerechnet als „Warze“ am historischen fast 100 Meter langen Dampfersteg in der Holzhausener Bucht.

Dagegen kämpfen seit Bekanntwerden der Pläne vehement die Bürgerinitiative „Dampfersteg Holzhausen“ und der Verein „Unser Dorf“. Mit zum Teil spektakulären Protestaktionen sorgten sie bayernweit für Aufsehen.

Sachliche Gegenargumente, die mehrheitlich ablehnende Haltung des Uttinger Gemeinderats gegenüber dem Projekt und sogar die Lobbyarbeit der regionalen Landtagsabgeordneten halfen nichts. Der Bau wurde beschlossen und konkretisiert. Als Baubeginn wurde bei einer Bürgerversammlung im BVS-Bildungszentrums der Juni 2017 genannt. Doch bis heute ruht still der See, denn Anlieger haben mit diversen Gutachten erfolgreich Einspruch wegen immissionsschutz- und naturschutzrechtlichen Bedenken eingelegt. Es geht dabei um die Vögel im Habitat und die geschützte Armleuchteralge im Uferbereich, um möglichen nächtlichen Motorenlärm sowie um den Kompressorkrach einer Winterenteisungsanlage.

Erst nach der Wahl?

Daniel Fusban, unermüdlicher Kämpfer der Initiative „Dampfersteg Holzhausen“, vermutet, dass es längst Gegengutachten der Regierung von Oberbayern gibt, die man aber wohlweislich bis nach den anstehenden Landtagswahlen zurück hält. Nach wie vor kann Fusban die Logik der Planer nicht nachvollziehen: Die Beamten der Wasserschutzpolizei gehören zur Polizeiinspektion Dießen. Bei einem Alarm müssen sie erst acht Kilo­meter auf der stark frequentierten Staatsstraße 2055 nach Holzhausen fahren, um dort mit dem Polizeiboot in See zu stechen. Zum jetzigen Liegeplatz am Dampfersteg in Dießen sind es nur wenige Minuten.

Dieser Standort war seitens der hohen Politik schon mal als endgültig und dauerhaft zugesagt worden. Erwin Huber als damaliger Leiter der Bayerischen Staatskanzlei schrieb im August 2005: „… hat Staatsminister Dr. Beckstein nach nochmaliger Prüfung der Angelegenheit entschieden, dass das Boot künftig auf Dauer einen Liegeplatz am Dampfersteg der Staatlichen Seenschifffahrt in Dießen erhalten soll.“ Versprochen und gebrochen?

Dass das inzwischen 16 Jahre alte Polizeiboot jetzt doch mit viel Steuergeldern ein Bootshaus in der landschaftsästhetischen und kulturhistorischen Holzhausener Bucht bekommen soll, wird von Mario Barth am Mittwoch kommender Woche auf RTL heftig infrage gestellt. Die Sendung „Mario Barth deckt auf“ wurde übrigens mit dem Deutschen Comedypreis und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. 

Dieter Roettig

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