Wo Bauarbeiter rhythmisch trommeln

Den Abschluss seiner rund 20 Jahre währenden der Gesamtsanierung hat das Klinikum Landsberg am Freitag festlich begangen. Dazu waren neben Landrat Walter Eichner Bezirkstagspräsident Josef Mederer und Gerhard Knorr als Vertreter des Gesundheitsministeriums erschienen. Highlight der Einweihungsfeier aber war die Festrede von Heribert Prantl. Dem Innenpolitikchef der Süddeutschen Zeitung gelang es, mit seinem einstündigen Vortrag das Publikum ebenso zu beeindrucken wie nachdenklich zu stimmen.

Prantl schlug weite Bögen von der Geschichte zur Gegenwart, von der Sage zur Realität. Eindringlich warnte er vor einer Medizin, die allein die Gewinnerzielung zur Handlungsmaxime macht und Hochbetagte als Patienten dritter Klasse betrachtet. „Pflege und Krankheit sind nicht renditefähig“, so Prantl. Schon der mythische König Midas, der alles, was er berührte, zu Gold machte, wäre an dieser Gabe fast verhungert und verdurstet. „Man kann also am eigenen wirtschaftlichen Erfolg auch krepieren“, so Prantl. „Zuerst krepieren aber die anderen, die Entlassenen, die Kunden, die Patienten.“ Der promovierte Jurist, der erst nach einer Karriere als Anwalt, Richter und Staatsanwalt zum Journalismus kam, ging auch mit den „Krankheitserfindern“ ins Gericht, „der modernen Befindlichkeitsindustrie, die jede Abweichung von der Norm zur Krankheit erklärt“ und gut daran verdient. Er warnte vor einem weiteren Abbau des Sozialstaates und vor einem man­- gelnden Sich-Kümmern im Gesundheitswesen, wo Konkurrenz herrsche anstelle von guter Kooperation. „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dieser Satz muss sich vor allem im Krankenhaus bewähren“, betonte Prantl unter viel Beifall. Ministerialdirigent Gerhard Knorr lobte das Klinikum als nunmehr „baulich und technisch hervorragend aufgestellt“. Grundversorgungshäuser wie das Landsberger bil­deten das Rückgrat des Gesundheitswesens. Knorr wies auf die starke Stellung kommunaler Häuser in Bayern hin, die 60 Prozent aller Kliniken im Freistaat ausmachen und 75 Prozent der Bettenkapazität vorhalten. Für die Zukunft sieht Knorr einen Ärztemangel voraus, in den Krankenhäusern ebenso wie in strukturschwachen ländlichen Gegenden. Abgeschreckt vom Bürokratismus, gingen zu wenige Staatsexamenskandidaten in den medizinischen Bereich. „Sie werden lieber Unternehmensberater oder gehen in die Pharmaindustrie.“ Auch die Tatsache, dass mittlerweile 60 Pro­zent der Medizinstudenten Frauen sind, zwingt zum Umdenken, unter anderem zur Schaffung von mehr Teilzeitstellen. Bezirkstagspräsident Mederer würdigte vor allem den Einzug der psychiatrischen Lech-Mangfall-Klinik in das Landsberger Kranken­hausgebäude, ein wichtiger Schritt der Dezentralisierung der Psychiatrien. Augenzwinkernd verglich Mederer das Klinikum mit einer anderen Anlaufstelle für Seelennöte, dem Regensburger Dom – „auch eine Dauerbaustelle“. Von der hiesigen Dauerbaustelle wusste Landrat Walter Eichner, langjähriger Chef des Klinikums, ein Lied zu singen, aber auch davon, dass die Patientenzahlen darunter nicht gelitten haben. „Andere Häuser haben bei vergleichbaren Sanierungsarbeiten viele Patienten verloren, und die Träger mussten Millionen zum laufenden Betrieb beisteuern Bei uns in Landsberg blieb der kommunale Steuerzahler verschont.“ Es sei dem Klinikum sogar gelungen, 1,7 Millionen Euro aus Eigenmitteln zur Sanierung beizusteuern. 16 Millionen finanzierte der Landkreis, vier Millionen der Bezirk. Den größten Brocken der Maßnahme, nämlich 56 Millionen Euro, trug der Freistaat. Das Thema „Bauarbeiten“ wurde auch in der originellen musikalischen Umrahmung der Feier aufgegriffen. Drumatic, eine vierköpfige Showtruppe der Landsberger music school, sorgte mit einer mitreißenden Schlagzeug-Performance auf Fässern und Leitern für Stimmung. Die symbolische Schlüsselübergabe an Klinikumsvorstand Christof Maaßen über­- nahm Architekt Henning Lensch, die kirchliche Segnung des Gebäudes führten Domkapitular Prälat Josef Heigl und Kirchenrat Peter Bertram aus.

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