Viel Geld für den Straßenausbau

Anlieger in Alarmstimmung

+
Zahlreiche Flickstellen gibt es im Straßenbelag der Altöttinger Straße: Die Anlieger sollen nun über eine Million Euro für die Erneuerung der Straße zahlen.

Landsberg – Bei den Anwohnern der Altöttinger Straße herrscht Alarmstimmung: Nachdem die Stadtwerke Kanalsanierungen vornehmen, will die Stadt nun auch die Straße erneuern. Allein dafür belaufen sich die Kosten auf mindestens 1,6 Millionen Euro; zwei Drittel davon zahlen die Anlieger. Mit denen ist aber über Ausmaß und Verteilung der Lasten noch gar nicht gesprochen worden. Der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss des Stadtrats sah das Problem, winkte das Vorhaben aber trotzdem durch.

„Die Altöttinger Straße wurde letztmalig in den Jahren zwischen 1956 und 1974 ausgebaut. Die Fahrbahn weist eine Asphaltstärke von acht bis neun, der Gehweg von drei Zentimetern auf. Beide Bereiche entsprechen somit in keiner Weise mehr den heute gültigen Anforderungen an eine Erschließungsstraße. In weiten Teilen fehlen außerdem Entwässerungsrinnen entlang der Bordsteine. Dazu leidet die Straße unter vielfältigen Schäden wie Netzrissen, Setzungen, Spurrillen, zerstörten Bordsteinen, Schlaglöchern oder gekippten Leistensteinen. Ferner weist die Fahrbahn ausgeprägte Unebenheiten in Längs- und Querrichtung auf und die Homogenität der Fahrbahnoberfläche ist durch zahlreiche Flickstellen, bedingt durch frühere Ausbesserungen und Spartenverlegungen, erheblich gestört.“ So begründet die Stadtverwaltung die Notwendigkeit, die Altöttinger Straße komplett zu erneuern.

Nicht beschlussreif

Dass ein solches Mammutprojekt mit massiven Kostenbelastungen für die Anlieger problematisch ist, erkannten in der Sitzung am vergangenen Mittwoch wohl alle Mitglieder des Bauausschusses. Die meisten plädierten daher dafür, zunächst die Betroffenen zu informieren und einzubeziehen. „Die Anlieger werden mit Gebühren belastet, die sie umhauen“, konstatierte Reinhard Skobrinsky (BAL); die Bürger hätten vor Baubeginn das Recht, die Kosten zu erfahren. „Wissen die Anwohner, was auf sie zukommt?“ fragte auch Ludwig Kaiser (SPD). Berthold Lesch (CSU) forderte „Wir sollten jetzt mal Transparenz praktizieren!“ Auch er selbst fühlte sich schlecht informiert – der zuständige Sachbearbeiter war abwesend, Vertreter Christian Neumann erklärte sich bei einigen Fragen für überfordert und die Stadtwerke waren nicht präsent. Auch Christoph Jell (UBV) erklärte: „Das ist für mich gar nicht beschlussreif! Ich kann das nicht beschließen!“ Hans-Jürgen Schulmeister (Landsberger Mitte) pflichtete ihm bei: „Mir geht es ähnlich wie Jell.“

Trotzdem hielt die Skepsis der Stadträte nicht lange an. Oberbürgermeister Mathias Neuner behauptete, wohl im Hinblick auf eine Unterrichtung der Stadtwerke zur Kanalsanierung: „Wir haben schon eine Anliegerversammlung gemacht. Viel transparenter geht‘s nicht“. Und auch Ludwig Kaiser war plötzlich der Meinung, man könne doch nicht alle Anwohner befragen. Im Ergebnis stimmte der Ausschuss dem Vorhaben, das bereits im Mai beginnen soll, nahezu einstimmig zu. Lediglich Reinhard Skobrinsky blieb bei seiner Ablehnung. Allein die Frage, ob im nördlichen Teil ein verkehrsberuhigter Bereich entstehen soll (den Moritz Hartmann von den Grünen forderte), ist noch offen.

Skobrinsky begründete seine Ablehnung auch damit, dass viele Schäden von den Anliegern gar nicht zu vertreten seien. Die Straße würde von Altstadtbesuchern genutzt, um Parkgebühren zu sparen. Das fand Einzelhändler Medardus Wallner (UBV) völlig in Ordnung: „Es sind die einzigen Straßen, wo man in Landsberg umsonst parken kann. Diejenigen, die in der Altstadt arbeiten, müssen gratis parken können.“ Ein Angebot der Geschäftsinhaber, sich im Gegenzug an den Sanierungskosten der Altöttinger Straße zu beteiligen, blieb allerdings aus. Skobrinsky erklärte, nach seiner Besichtigung vor Ort sei die Straße gar nicht in einem so schlechten Zustand. „Muss denn auch der Gehweg sein?“ fragte Schulmeister.

Protest erst später

Während die Anlieger aus den Bereichen Iglinger Straße und Ahornallee unter den Zuschauern zahlreich vertreten waren (siehe gesonderter Bericht), war das Thema in der Altöttinger Straße noch nicht richtig angekommen. Heftiger Protest setzte erst am Tag nach der Sitzung ein. Die meisten baten um weitere Informationen zu dem Vorhaben. Welche Kosten tragen die Stadtwerke, deren Kanalsanierung ja ursächlich ist? Wieso sollen Anwohner Laternen bezahlen, wenn sie wegen der Umstellung auf LED ohnehin ausgetauscht werden? Wurden mehrere Angebote für die Baumaßnahme eingeholt und wer ist der günstigste Bieter? Ob diese Fragen allerdings vor der Einleitung weiterer Schritte beantwortet werden, ist fraglich. Mathias Neuner: „Wir haben nun mal eine Straßenausbaubeitragssatzung. Und die muss für alle Landsberger Bürger gelten. Eine Ungleichbehandlung ist keine Option.“

Werner Lauff

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Rational-Gründer Siegfried Meister ist heute verstorben
Rational-Gründer Siegfried Meister ist heute verstorben
Töpfermarkt am Limit
Töpfermarkt am Limit
Acht Verletzte, 80.000 Euro Schaden
Acht Verletzte, 80.000 Euro Schaden

Kommentare