Das Ziel heißt "Nachverdichten"

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Wenn Mensch und auch Tier ganz nah zusammenrücken...

Landsberg – Der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss des Stadtrats hat den Baulinienplan „Westliches Baugebiet Teil 1“ aufgehoben. In der Praxis hatte er keine große Rolle mehr gespielt. Damit wird in einem riesigen 52 Hektar umfassenden zentralen Gebiet Landsbergs das Baugesetzbuch unmittelbar anwendbar. Die Aufräumarbeit hat allerdings eine Nebenwirkung: Dem Wunsch „Nachverdichtung“ steht nun kaum noch etwas im Weg.

Es geht um das Gebiet zwischen der Holzhauser Straße im Norden und der Trautweinstraße im Süden; im Osten erfolgt die Grenzziehung durch die Johann-Arnold-Straße, westliche Eckpunkte bilden die Bürgermeister-Dr. Hartmann-Straße und die Schwedenstraße.

Ein Baulinienplan legt fest, welche Teile eines Grundstücks bebaut werden dürfen. Meist gibt es gestalterische Gründe dafür, etwa eine Fluchtlinie, die entlang einer Straße geschaffen werden soll. Im konkreten Fall stammte der Bebauungsplan aus dem Jahr 1953, also der „Siedlungszeit“. Seitdem „haben sich sowohl die Bauwünsche der Grundstückseigentümer, die städtebaulichen Ziele der Stadt Landsberg als auch die der Landesplanung verändert“, heißt es in der Vorlage der Stadtverwaltung.

Eigentlich also eine klare Sache, zumal 90 Prozent des Gebiets inzwischen bebaut ist, wie Dieter Völkel (SPD) betonte, und „vom Bebauungsplan eigentlich permanent abgewichen wurde“, wie Jonas Pioch (Landsberger Mitte) berichtete. Dass der Ausschuss überhaupt lange diskutierte, lag an UBV-Rat Wolfgang Neumeier. Zwar hatte das Gremium die Aufhebung bereits im März beschlossen; in der jetzigen Sitzung sollten lediglich die nach der öffentlichen Auslegung eingegangenen Einwände zur Kenntnis genommen werden. Dennoch beantragte Neumeier eine erneute Anhörung der Öffentlichkeit, weil die amtliche Mitteilung in einer örtlichen Tageszeitung zu „dürftig“ gewesen sei. Diesem Wunsch wollte sich aber kein anderes Ausschussmitglied anschließen. Neumeier stimmte später als Einziger gegen die Aufhebung des Plans.

Nun gilt für diesen großen Teil der Stadt Landsberg die Generalklausel des Baugesetzbuchs: „Innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile ist ein Vorhaben zulässig, wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist. Die Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse müssen gewahrt bleiben; das Ortsbild darf nicht beeinträchtigt werden.“

Konkret beutet das auch: Wenn diese Vorschrift eingehalten ist, darf in dem betreffenden Gebiet künftig ver­dichtet werden. Daraus macht die Stadt auch gar keinen Hehl: „ Um dem Ziel der Nachverdichtung und somit der höheren Auslastung von Grund und Boden gerecht werden zu können, soll der Baulinienplan aufgehoben und so durch nicht mehr benötigte Grünflächen dem Wohnungsbau zugeführt werden“, heißt es in der Vorlage.

Einen Vorgeschmack auf die Diskussionen, die nun im Einzelfall einsetzen werden, bekam der Ausschuss bereits. Nach der öffentlichen Auslegung des Plans ließ eine Anwohnerin via Anwalt mitteilen, Nachverdichtung führe zumindest in ihrer Umgebung „zu unzumutbaren Auswirkungen“. Werde verdichtet, leide der Wohnfriede. Zudem schrumpfe der soziale Abstand. „Dies ist nach allgemeiner Erfahrung eine typische Situation, aus der sich Nachbarschaftskonflikte ergeben.“ Der Ausschuss nahm dies zur Kenntnis, lehnte den Wunsch, den Bebauungsplan bestehen zu lassen, aber ab. Innerhalb des ehemaligen Plangebiets ist die Jagd auf große Grundstücke, auf denen ein zweites Haus Platz finden könnte, somit eröffnet.

Werner Lauff

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