In der Herzog-Ernst-Straße

Aufs richtige Pflaster kommt es jetzt an

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Das gleiche Pflaster wie auf dem Hauptplatz? Diese Gestaltungsfrage für die Herzog-Ernst-Straße soll der Stadtrat heute Abend beantworten.

Landsberg – Soll die Herzog-Ernst-Straße nach der Kanalsanierung das gleiche Pflaster wie der umgebaute Hauptplatz bekommen? Wenn es nach der Mehrheit des Bauausschusses geht, nicht. Allerdings konnte sich das Gre­mium auch auf keine andere Gestaltungsvariante einigen und blieb ohne Beschluss.

Jetzt geht das Thema in den Stadtrat – eigens dafür gab es heute eine geänderte Tagesordnung für die Sitzung am kommenden Mittwoch (ab 19 Uhr). Die Verwaltung sieht sich ob der Verzögerung plötzlich in erheblicher Terminnot.

Die Stadt hatte sich im Vorfeld offenbar schon recht weit aus dem Fenster gelehnt, wie jetzt im Ausschuss deutlich wurde. Die Ausschreibung für die Arbeiten (mit „Hauptplatz-Pflaster“) lag fertig vor und sollte in diesen Tagen herausgegeben werden, mit den Anliegern in der Herzog-Ernst-Straße habe man „einen festen Zeitplan“ vereinbart, der nicht eingehalten werden könne, wenn sich der Bauausschuss für eine andere Gestaltung entscheide, so Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU). „Dann müssen wir neue Steine aussuchen, neu planen und neu ausschreiben, dann wird es heuer nichts mit dem Pflastern“, warnte er.

Nichts beschlossen?

Wolfgang Neumeier (UBV) zeigte sich über diese Argumentation erstaunt: „Wer kann einen Zeitplan zusagen, wenn noch gar nichts beschlossen wurde?“ Wie die Mehrheit der Ausschussmitglieder sprach er sich offen dagegen aus, das Granitpflaster vom Hauptplatz weiterzuführen. Lediglich die CSU-Vertreter Berthold Lesch und Petra Kohler-Ettner argumentierten vehement für die von der Verwaltung vorgeschlagene Variante und fanden im Oberbürgermeister einen Mitstreiter. „Andere Städte richten einen optischen Verbund ein, wir machen’s jetzt dann genau anders herum“, argumentierte Neuner auf den Beitrag von Dieter Völkel (SPD), man solle sichtbar Hauptplatz und Herzog-Ernst-Straße trennen. Völkel: „Salzgasse, Gogglgasse und Klösterl haben wir ja auch nicht wie den Hauptplatz gepflastert."

Barrierefrei?

Danach kamen die verschiedensten Vorschläge auf den Tisch, unter anderem der, die „Reserve-Steine“ lieber in der Fußgängerzone zu verlegen, „dort könnte man sie sehr sinnvoll einsetzen“, meinte Jonas Pioch (LLM). Für Lesch war das nicht nachvollziehbar: „Dann wollen Sie die Herzog-Ernst-Straße alt machen und die Fußgängerzone neu, das verstehe ich nicht.“ Nach langer Diskussion und der Abstimmung über die Einzelanträge fand man sich allerdings in einer Sackgasse wieder. Dass die Straße nach den Arbeiten an Wasser und Kanal barrierefrei umgebaut werden soll, wollten fast alle – nur Reinhard Skobrinsky (BAL) votierte dagegen: „Wenn die Stadtwerke die Straße aufreißen, müssen sie sie genauso wieder herstellen und dann kostet uns das keinen Cent“.

Die bereits vorhandenen und im Frauenwald eingelagerten Steine (der KREISBOTE berichtete) kamen allerdings auch nicht zum Zug, der Bauausschuss lehnte diese Gestaltung mit 5:8 Stimmen ab. Der Antrag der UBV, das gleiche gesägte Pflaster wie in der Salz- gasse zu verwenden (Kosten für die Steine: 23000 Euro), fiel mit demselben Ergebnis durch. Völkels Vorschlag, die alten Steine wieder zu verwenden und die bisherigen Gehwege mit ähnlichem Material zu pflastern, bekam nur zwei Stimmen. „Jetzt weiß ich auch nicht, was wir tun sollen, Sie haben alles abgelehnt, wir haben keinen Beschluss“, so der sichtlich ratlose Oberbürgermeister. Mit einer Gegenstimme verschob der Ausschuss das Thema dann in den Stadtrat (heute Abend). „Vielleicht finden die Fraktionen ja bis dahin einen Kompromiss“, hoffte Dieter Völkel.

Mit Mittelstreifen?

Daran arbeitet man auch in der Verwaltung bereits, wie Stadtbaumeisterin Annegret Michler auf KREISBOTEN-Nachfrage sagt. „Ich könnte mir vorstellen, dass man in der Straßenmitte einen Streifen mit glattem Pflaster verlegt, um die Barrierefreiheit herzustellen und links und rechts davon die alten Steine wieder verwendet. Vielleicht ist das ja mehrheitsfähig.“ Die Diskussion im Ausschuss sieht die Beamtin pragmatisch: „Beide Lösungen sind fachlich und ästhetisch in Ordnung, das ist jetzt eine subjektive Entscheidung. Wenn man ein anderes Pflaster will, muss man natürlich bedenken, dass man neu planen muss.“ Ein Beinbruch wäre das wohl aber auch nicht, wie sie weiß. „Die Stadtwerke machen die Sanierung zwar auf jeden Fall in diesem Sommer, aber notfalls könnte man auch eine Deckschicht aufbringen und dann eben im nächsten Frühjahr pflastern. Das haben wir am Hauptplatz ja auch gemacht. Aber man hätte die Abstimmung vielleicht schon ein bisschen früher durchführen können.“

Weitreichende Zusagen

An der Barrierefreiheit führe allerdings kein Weg vorbei, wenn man die Zuschüsse aus den Städtebaumitteln erhalten wolle (60 Prozent der förderungsfähigen Baukosten). Für dieses Geld musste die Stadt sogar schon weitreichende Zusagen machen, die bislang vom Stadtrat noch gar nicht genehmigt sind. Die Stadtverwaltung hat in München Pläne eingereicht, in denen die Straße bis zur Schlossergasse und auch der gesamte Hellmair-Platz umgeplant sind, wie Annegret Michler bestätigt. „Man will dort keine Einzelmaßnahmen, sondern ein umfassendes Konzept sehen, das heißt aber nicht, dass wir das sofort umsetzen müssen, wir sind in Vorverhandlungen.“

Allerdings verlange die Behörde Stadtratsbeschlüsse zu solchen Plänen. Die aber gibt es in Landsberg bis jetzt nicht. „Wir müssen das so bald wie möglich einholen“, so Michler. „Die Tagesordnung für die Juli-Sitzung ist zwar schon wieder sehr voll, aber ich hätte das schon gerne noch vor der Sommerpause geklärt.“

Christoph Kruse

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