Bauer quält seine Kühe – Vorbestrafter Landwirt zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt

Geknickte Schwänze, aufgescheuerte Haut, verletzte Augen – weil etliche Milchkühe eines Bauernhofs in einem Nachbardorf der Lechstadt unter all diesen Dingen zu leiden hatten, ist der betreffende Landwirt letzte Woche zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Amtsrichterin Sabine Grub sah den Tatbestand der Tierquälerei als erwiesen an. Erschwerend kam hinzu, dass der Landwirt wegen desselben Vorwurfs vor vier Jahren bereits einen Strafbefehl erhalten hatte.

Im Jahr 2004 waren bei tierärztlichen Kontrollen im Betrieb des Angeklagten 44 Tiere mit erheblichen Verletzungen aufgefallen. Spätestens nachdem er dafür im Februar 2005 per Strafbefehl geahndet worden war, hätte der 45-Jährige nach Überzeugung von Staatsanwältin Cornelia Böttcher die Haltungsbedingungen seiner Kühe ändern müssen. Doch im vergangenen Jahr wurden vom Amtstierarzt wieder bei 20 Tieren Verletzungen festgestellt: eitrige Wunden, weil die Haut durch zu straffe Anbindestricke aufgescheuert war, Augenverletzungen, die sich die Tiere an den Anbindehaken zugezogen hatten, und geknickte Schwänze, die wohl daher rührten, dass die auf Gitterrosten eng nebeneinander stehenden Kühe sich gegenseitig auf den Schwanz getreten waren. Die Schmerzen, die den Tieren dadurch entstanden, verglich Amtstierarzt Dr. Peter Scheibl mit einem verrenkten Finger. „Das ist schon erheblich“, erklärte der Veterinär, der im Stall des Angeklagten außerdem eine unzureichende Wasserversorgung festgestellt hatte. Durch die Tränken seien nur ein bis zwei Liter pro Minute gelaufen, notwendig wären zehn. Der Stall selbst sei Standard, allerdings „Standard von vor 30 Jahren“, beschrieb Scheibl. Laut Landwirtschaftsamt Fürstenfeldbruck werden 80 Prozent aller Milchkühe in Schwaben so gehalten wie auf dem Hof des 45-Jährigen. Was die Häufigkeit der Verletzungen betrifft, falle besagter Betrieb jedoch deutlich aus dem Rahmen. Zu den Vorwürfen befragt, erklärte der sichtlich mitgenommene Angeklagte, ihm seien die Gebrechen seiner Tiere nicht aufgefallen. „Vielleicht war ich überarbeitet und habe nicht richtig aufgepasst.“ Die Wasserversorgung habe er inzwischen verbessert und schadhafte Gummimatten ersetzt. Größere bauliche Veränderungen könne er nicht vornehmen, weil der Betrieb ohnehin verschuldet sei. „Ich habe eine Verantwortung meinen Tieren, aber auch meiner Familie gegenüber“, betonte der dreifache Vater. Verteidiger Hans Haussmann erklärte, sein Mandant werde die Milchviehhaltung wahrscheinlich aufgeben. Er plädierte dafür, den Landwirt lediglich wegen einer Ordnungswidrigkeit zu belangen und nicht wegen Tierquälerei. Man könne dem Bauern keinen Vorsatz anlasten, sondern höchstens Nachlässigkeit. Uneinsichtiger Landwirt Richterin Grub sah das ganz anders. Am Tatbestand der Tierquälerei gebe es nichts zu rütteln, und der Vorsatz sei ganz klar gegeben, da der Angeklagte ja spätestens seit dem Strafbefehl von den Mängeln gewusst habe. „An seiner Einstellung hat sich aber nichts geändert, und dass er offensichtlich mit der Situation völlig überfordert ist, ist keine Rechtfertigung“, so Grub. Mit sechs Monaten, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, blieb sie einen Monat unter dem Antrag der Staatsanwältin. Außerdem muss der 45-Jährige noch 800 Euro an den Tierschutzverein Landsberg zahlen.

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