Der Regen kam zu spät

+
Fachmännische Blicke: Landwirt Robert Behl (links) und Kreisbauernobmann Leonhard Welzmiller (rechts) bei der diesjährigen Erntepressefahrt.

Landkreis – Die Bauern erwarten heuer eine gute, wenn auch nicht überdurchschnittliche Ernte. Das wurde bei der traditionellen Erntepressefahrt deutlich, die am vergangenen Donnerstag nach Dettenschwang auf den Milchviehbetrieb von Robert und Kreisbäuerin Rita Behl führte. Vereinzelt habe das Getreide durch die anhaltende Trockenheit im Frühsommer gelitten, berichtete Kreisbauernobmann Leonhard Welzmiller. Gut stehe dafür der Mais da, ebenso wie Hackfrüchte und Futterpflanzen.

Der südliche Landkreis ist kein klassisches Ackerbaugebiet. Doch betreibe man mittlerweile dank Dünger und Pflanzenschutz auch hier erfolgreich Getreideanbau, machte Welzmiller deutlich. Die Familie Behl beweist das auf 35 Hektar Ackerland, auf denen Mais, Sommergerste und Triticale wachsen. 

Für den Mais sei der Regen im Juli genau zur richtigen Zeit gekommen, so Welzmiller. Hier erwarte man bessere Erträge als im Vorjahr. Gelitten habe dagegen in einigen Regionen der Weizen. „Ganz massiv ist es auf dem Lechfeld, da ist der Weizen teilweise braun.“ Daran hätten auch die jüngsten Niederschläge nichts mehr ändern können. „Der Regen kam zu spät.“ Froh sind die Bauern in der Region aber darüber, dass es in diesem Jahr noch keine Hagelschäden gegeben hat. 

Ein ungelöstes Problem sind die Schäden durch Wildschweine. Robert Behl hat bereits eines seiner Maisfelder eingezäunt. Das kostet pro Hektar Fläche 180 Euro im Jahr und macht Arbeit, denn damit der Stromzaun seinen Zweck erfüllen kann, muss er laufend von Bewuchs freigehalten werden. Doch Behl ist zufrieden mit dem Resultat: Obwohl das Maisfeld am Waldrand liegt, halten sich die Wildschweine fern. „Wenn jeder seine Felder einzäunt, wird der Effekt aber nachlassen“, vermutet der Landwirt. 

Blendend entwickelt 

Am schlimmsten seien die Schäden, die durch Umwühlen des Grünlandes entstünden. Dadurch werde in einem großen Bereich das Futter für die Milchkühe verunreinigt. „Das ist ein Riesenproblem, und es ist keine Besserung in Sicht“, so Behl. Aufgrund der massiv gestiegenen Anzahl der Tiere ist ihnen mit Bejagung nicht mehr beizukommen. „Früher war Jagen eine Freizeitbeschäftigung, heute ist es Arbeit.“ Oft warten die Jäger vergebens – was zu einer durchschnittlichen Ansitzdauer von 50 bis 80 Stunden führt, bevor ein einziges Wildschwein erlegt ist. 

Aufgrund der Höhenlage im südlichen Landkreis drohen dem Getreide auch Schäden durch Spätfröste sowie Pilzkrankheiten, bedingt durch die höheren Niederschläge. Recht gut steht heuer dennoch die Gerste da, die Behl als Brau- oder Futtergerste vermarkten wird. „Blendend“ präsentiert sich laut Leonhard Welzmiller die Triticale, eine Kreuzung aus Roggen und Weizen, die ausschließlich als Futtergetreide verwendet wird.

Ulrike Osman

Meistgelesen

Eine Leiche muss her!
Eine Leiche muss her!
Ein Weißbier mit Obama
Ein Weißbier mit Obama
Humpelstilzchen klaut Rotcapis Koffer
Humpelstilzchen klaut Rotcapis Koffer
"Coole Gedanken" für Gut Mittelstetten
"Coole Gedanken" für Gut Mittelstetten

Kommentare