Bauern als Stromerzeuger der Zukunft

Vom Nahrungsmittelproduzenten zum Energieerzeuger: Viele Landwirte beschäftigen sich heute mit der Frage, ob sie die Investition in erneuerbare Energien wagen sollen. Grund genug für den Kreisbauernverband und die Volks- und Raiffeisenbanken im Landkreis, zu diesem Thema einen Informationsabend zu veranstalten. Dabei wurden sowohl die technischen Möglichkeiten und Voraussetzungen der Bio-Energiegewinnung als auch Finanzierungsangebote vorge­stellt. Fazit: Die Marktchancen und Zukunftsperspektiven der Bio-Energie sind enorm.

„Die Frage, ob wir auf diesem Weg unser Einkommen verbessern können, brennt uns auf den Nägeln“, unterstrich BBV-Kreis­obmann Leonhard Welzmiller vor den rund 160 Landwirten, die sich im Gasthof Probst in Weil eingefunden hatten. „Denn auf dem Nahrungsmittelsektor ist kurzfristig keine Verbesserung zu erwarten.“ Obwohl die Landwirte das öffentliche Leben auf dem Dorf entscheidend mitprägen, die Kulturlandschaft pflegen und zum Ortsbild gehören, sei kaum jemand bereit, für Lebensmittel höhere Preise zu zahlen, betonte auch Klaus Schmalholz, Kreisverbandsvorsitzender der Volks- und Raiffeisenbanken. Deshalb würden viele Bauern die Herausforderung annehmen, in Zukunftsprojekte auf dem Energiesektor einzusteigen. Hier gibt es vielfältige Möglichkeiten, wie Dr. Andreas Lemmer von der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie der Universität Hohenheim ausführte. Biomasse wie Getreide, Holz, Stroh und Heu lässt sich mit Hilfe verschiedener Verfahren in Brennstoff umwandeln, wobei 2,5 Kilo Trockenmasse einen Liter Heizöl ersetzen. Bio­ethanol, aus Stroh und Holzabfällen gewonnener Alkohol, eignet sich als Treibstoff. Die höchste Leistungsfähigkeit bescheinigte Lemmer dem Biogas, das besonders effizient ist, den geringsten Einsatz fossiler Energien erfordert und die beste Verwertung von Flächen bietet. In einer Biogasanlage werden für die Strom- und Wärmeerzeugung organische Substanzen wie Gülle, Festmist, Silomais, Getreide oder Grassilage vergoren. Möglich ist auch die Aufbereitung zu Erdgasqualität und die Nutzung als Treibstoff. Die Einspeisevergütung, die das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) garantiert, ist zwar im vergangenen Jahr leicht gesunken, wurde aber wiederum auf 20 Jahre festgeschrieben. Sie liegt, je nach Anlagengröße, zwischen 15 und 22 Cent netto pro Kilowattstunde, so Lemmer. Die Kosten für die Errichtung einer Biogasanlage sind allerdings erheblich. „Eine 100-KW-Anlage erfordert Investitionen von rund 640000 Euro, bei einer 190-KW-Anlage sind es rund 960000 Euro“, führte der Experte aus. Das A und O des Erfolgs sei eine sorgfältige Planung des Projekts von der Anlagentechnik über den Sub­strat­anbau bis hin zur Vermark­- tung. Ebenso wichtig sind eine vorausschauende Kalkulation und eine solide Finanzierung. Hier empfehle sich eine Kombination verschiedener Instrumente, erklärte Stefan Nepp, Geschäftskundenberater der Landsberg-Ammersee Bank. Auch Landrat Walter Eichner sieht in den erneuerbaren Energien große Zukunftschancen. Er mache sich zusammen mit seinen Mitarbeitern schon auf eine „Flut von Bauanträgen für Biogasanlagen“ gefasst.

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