Trotz Dürreperiode: Bauern erwarten gute Ernt

Wenn's auf der Bundesstraße 17 wieder mal nach Knoblauch duftet

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Tolle Knolle: Ludwig Holzapfel ist erfolgreich mit der Vermarktung seines Knoblauchs – frisch oder getrocknet.

Ellighofen – Was auf Gut Geratshof im Landsberger Stadtteil Ellighofen das wichtigste landwirtschaftliche Erzeugnis ist, riecht man sofort – selbst bei der Autofahrt auf der nahe gelegenen B17. Über dem gesamten Gelände liegt ein aromatischer Knoblauchduft. In den vergangenen sieben Jahren habe sich die Gewürzpflanze zum wichtigsten Standbein seines Betriebs gemausert, erzählt Inhaber Ludwig Holzapfel. Der 39-jährige Agraringenieur war heuer Gastgeber für die Erntepressefahrt des Bayerischen Bauernverbands (BBV) im Landkreis Landsberg.

Der Knoblauch gedeiht auf 16 der 140 Hektar Gesamtbetriebsfläche. Wenn Holzapfel eine der frischen, herrlich prallen Knollen aus dem Boden zieht, wird der Unterschied zur getrockneten Billig-Importware aus China sofort offensichtlich. Die Ellig­hofener Ernte wird täglich frisch abgeholt und liegt bereits am nächsten Tag in regionalen Super­märkten. Holzapfel achtet auf plastikfreie Verpackung und auf die Wiederverwendung seiner Transportsteigen.

Ein Bilderbuchbeispiel also für regionale Vermarktung. Für Kreisbauernobmann Johann Drexl geht Gut Geratshof mit einem nicht alltäglichen Produkt wie dem Knoblauch genau den richtigen Weg. Denn: „Allein mit Getreideanbau ist es nicht mehr getan.“ Auch die Vertreter der Politik – CSU-Bundestags­abgeordneter Michael Kießling und die Landtagsabgeordneten Gabriele Triebel (Grüne) sowie Alex Dorow (CSU) – zeigten sich angetan. Allerdings: Während Kießling nicht glaubt, dass das Umdenken weg von Billigpreisen bei der Masse der Verbraucher zügig passieren wird, zeigten Triebel und Dorow sich überzeugt, dass Qualität sich durchsetzen wird, gerade in der jüngeren Generation.

Durchschnittlich

Allgemein sehen die Ernteaussichten für dieses Jahr offenbar recht gut aus, da die Niederschläge im Mai und Juni die extreme Trockenheit des Frühjahrs kompensiert haben. „Hafer, Dinkel und Roggen stehen nicht schlecht da“, sagt Drexl. Er rechne mit einer durchschnittlichen Ernte. Beim Weizen müsse man abwarten, wie die Erträge ausfallen. Wer mit der Düngung zu spät, sprich in der Trockenphase, dran war, hat unter Umständen ein Problem.

Auf Gut Geratshof düngt man den auf 43 Hektar wachsenden Brauweizen kaum, da der größte Teil der Anbaufläche im Wasserschutzgebiet liegt. Auch auf Herbizide verzichtet Ludwig Holzapfel möglichst, um Auswirkungen auf die Nachfolgekulturen – Knoblauch und Raps – zu vermeiden. Die diesjährige Rapsernte werde wohl eher unterdurchschnittlich ausfallen, schätzt der Agraringenieur. Im feuchten Winter habe sich die Pflanze zwar gut entwickelt, doch die Trockenheit im Frühjahr bremste das Wachstum.

77 Zentimeter am 7.7.

Dafür liegt der Mais im Plan – einer Bauernregel zufolge soll er am 7.7. mindestens 77 Zentimeter hoch sein. „Das hat er geschafft“, weiß Drexl. Grundsätzlich aber sieht der Kreisbauernobmann den Klimawandel mit seinen Extremwetterlagen und Temperaturschwankungen als wachsende Herausforderung für die Landwirtschaft.

Auch Corona hat sich ausgewirkt – Zuwächse verzeichneten die Direktvermarkter, anderswo gab es Einbrüche. „Bei den Pommes-frites-Kartoffeln ging gar nichts mehr“, berichtet Drexl. Schuld waren die vielen abgesagten Volksfeste.
Ulrike Osman

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