"Eine durchsichtige Mogelpackung"?

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Weiterhin Gegenstand hitziger Diskussionen: Das Baugebiet „Am Lech“.

Unterdießen/Dornstetten – Deutlich reduziert wird der Umgriff des Baugebiets, das die Gemeinde Unterdießen an der Straße Am Lech in Dorn­stetten ausweisen möchte. Waren es im Vorentwurf 3,1 Hektar, so sind es nach der Änderung 1,4 Hektar. Die Zahl der Grundstücke verringert sich von 21 auf 14. Mehr als drei Stunden befasste sich der Gemeinderat mit allen Einwänden zur Änderung des Flächennutzungsplan bzw. des Bebauungsplanes.

Doch die Gemeinde muss liefern. Notwendig ist für das Vorhaben noch ein Bodengrundgutachten mit Sickertest. Dies ist vor allem wegen des hohen Grundwassers und eventueller Auswirkungen auf die nahe Fischzucht am Lech erforderlich. Damit wird demnächst ein Fachbüro beauftragt, erklärt Gerhard Schmid, der Geschäftsstellenleiter bei der VG Fuchstal.

Wie Beruhigungspille

So mancher Anwohner aus Dornstetten empfindet das Vorgehen des Bürgermeisters und des Gemeinderates samt der langatmigen Sitzung im Februar wie eine Beruhigungspille. Man habe den Umgriff des Bebauungsplanes deutlich verkleinert, um ein „verträgliches Wachstum zu gewährleisten“, sagte Bürgermeister Alexander Enthofer.

Gar „merkwürdig“ findet hingegen der frühere Bürgermeister Dietmar Loose das aktuelle Abstimmungsverhalten einiger Gemeinderäte. Die Grundstückseigentümerin sei sowohl bei seiner Amtsvorgängerin Monika Groner als auch zu Beginn seiner Amtszeit (2008 bis 2014) an die Gemeinde herangetreten und habe Verkaufsabsicht bekundet. Beide Male sei ein Erwerb durch die Gemeinde abgelehnt worden. Nun seien einige Räte, die damals dagegen waren, plötzlich für das Baugebiet Am Lech, gibt Loose auf Nachfrage des KREISBOTEN zu bedenken. Der ehemalige Rathauschef verweist auf die Problematik des Landschaftsschutzgebietes an der Lechterrasse.

"Durchsichtig"

Die Reduzierung auf zwei Drittel der Bauplätze sei eine „durchsichtige Mogelpackung“, kommentierte Gerald Büchelmaier aus Dornstetten. Es sei deswegen nicht ausgeschlossen, dass später sehr wohl ein zweiter Bauabschnitt im Norden dazukomme. Dies sei ein Versuch, „uns hinters Licht zu führen. Aber wir sind hellwach“, gibt Büchelmaier zu verstehen, der Anwohner Am Lech ist und zusammen mit mehreren Bewohnern der nur 100 Einwohner zählenden Ortschaft gegen das Ansinnen der Gemeinde mobil gemacht hat. Die Dornstettener seien jetzt „noch mehr motiviert, der Gemeinde auf die Finger zu schauen“, ergänzt Büchelmaier. „Unser Kampf geht weiter.“

Ein wesentliches Kriterium sind laut Büchelmaier die Argumente zum Naturschutz und zur Stellungnahme des LBV (Landesbund für Vogelschutz), der das Vorhaben aus dem Blickwinkel des Natur- und Artenschutzes als „äußerst fraglich“ einschätzt. Diese Bewertungen seien jedoch vom beauftragten Gutachter auf lapidare Weise zurückgewiesen worden, kritisierte Egon Eibl, der einzige Gemeinderat aus Dornstetten, in der Sitzung des Unterdießener Gemeinderates. Die Bürger aus der Ortschaft seien zwar eingebunden worden. Doch deren Anliegen seien größtenteils nicht berücksichtigt worden, fügte Eibl hinzu, der als einziger im Gremium bei den meisten Abwägungen mit Nein votierte.

Zu einer lautstarken Kontroverse kam es, als Eibl erneut das Thema ansprach, dass mit dem fachlichen Gutachten zum Naturschutz ein Mitarbeiter aus dem gleichen Büro für Ortsplanung, Stadtentwicklung und Architektur (OPLA) aus Augsburg beauftragt wurde, das den Bebauungsplan erstellt. Bürgermeister Alexander Enthofer entgegnete mit barschem Ton, selbst die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt sei mit dieser Konstellation einverstanden.

Sabrina Kaeschner und Miriam Voit vom Büro OPLA aus Augsburg erklärten dazu, dass Diplombiologe Hermann Stickroth zwar mit OPLA zusammenarbeite, aber ein eigenständiges Büro für Natur und Ökologie führe. Kritiker verweisen freilich darauf: Auf der Internetseite von OPLA ist Stickroth unter dem Begriff „Büro/Team“ als Mitarbeiter aufgeführt. Diese Darstellung auf er Homepage führe zu Missverständnissen; man werde den Eintrag noch ändern, ergänzte Sabrina Kaeschner auf Nachfrage des KREISBOTEN.

Die Abwägungen

Bei den Abwägungen im Gemeinderat – das Thema Baugebiet zog sich über drei Stunden hin – kamen noch viel mehr Punkte zur Sprache. Stichwörter für Einwendungen waren die mangelnde Infrastruktur (Stichwort Einkaufen), die Zunahme des Pkw-Verkehrs (Rathauschef Enthofer: „Es entsteht hier kein Feriendorf mit außerordentlichem Freizeitrummel“), der Denkmalschutz (Sichtachse zur Kirche St. Gangwolf), die Dachgestaltung (pro und kontra Pultdächer), die Grundstücksgröße (von 600 bis 800 Quadratmeter) und vieles andere mehr.

Gerhard Schmid von der VG Fuchstal wertete im Nachhinein den Verlauf der Sitzung als „zivilisiert“. Bürgermeister Enthofer hatte eingangs darauf verwiesen, dass es für Zuhörer im Gemeinderat kein Rederecht gebe. Unmutsäußerungen sollten sie bitte „runterschlucken“.

Den Mund aufmachen können Dornstettener wie alle anderen erwachsenen Bewohner aus der Gemeinde, wenn am Montag, 27. März, um 20 Uhr die Bürgerversammlung in der Mehrzweckhalle stattfindet. Es ist davon auszugehen, dass dabei das Wohngebiet Am Lech wieder zum Thema wird.

jj

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