Fliegende Fäuste in Landsberg

Bauhofmitarbeiter verteidigt Stadteigentum mit der Faust

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Um ein Landsberger Rechtsabbiegeschild entbrannte sich ein Streit, in dessen Verlauf ein Bauhofmitarbeiter die Fäuste sprechen ließ.

Landsberg – Auseinandersetzungen unter Alkoholeinfluss können ganz verschiedene – und manchmal sehr banale – Auslöser haben. Bei dem Vorfall, der jüngst vor dem Amtsgericht Landsberg verhandelt wurde, hatte der Angeklagte aber ein durchaus löbliches Motiv. Der 50-jährige Landsberger wollte städtisches Eigentum schützen.

Ein Mitarbeiter des Bauhofs beobachtete spätabends am Lumpigen Donnerstag, wie ein angetrunkener Faschingsgast an der Ecke Augsburger/Iglinger Straße ein Verkehrszeichen beschädigte. Anschließend soll der 28-Jährige aus Andechs noch versucht haben, durch Hochspringen an ein Straßenschild zu gelangen.

„Das war eine nicht vorbildliche Aktion“, räumte der Landwirt jetzt im Zeugenstand ein. Er war an jenem Tag mit einem Spezl zum Faschingsumzug nach Landsberg gekommen. Anschließend hatten beide im Festzelt auf der Waitzinger Wiese gefeiert und sich gegen 21.30 Uhr auf den Weg zu einer Tankstelle an der Augsburger Straße gemacht, um sich dort abholen zu lassen.

Der 50-jährige Angeklagte hatte sich ebenfalls im Faschingsgetümmel amüsiert – zuerst im Stadttheater, dann in der Gaststätte des Sportzentrums. Zehn Bier und ein paar Schnäpse hatte er intus, als er – zu Fuß auf dem Heimweg – den 28-Jährigen bemerkte, der den Rechtsabbiege-Pfeil an der Einmündung Iglinger Straße verbog. Das fand der Bauhof-Mitarbeiter alles andere als witzig. Er sprach den Andechser an – schnell war man mitten in einem Wortgefecht und gegenseitigen Beschimpfungen. Im Eifer des Gefechts versetzte der 50-Jährige dem anderen zwei Faustschläge ins Gesicht. Der trug eine aufgeplatzte Lippe und blaue Flecken sowie eine Schürfwunde am Unterarm davon, weil er in Folge des zweiten Schlages stolperte und zu Boden stürzte.

Vor Gericht entschuldigte sich der Landsberger für die Schläge. Er habe einen Aussetzer gehabt. „So eine Situation darf in meinem Alter eigentlich nicht passieren.“ Per Strafbefehl war der 50-Jährige zu einer Geldstrafe in Höhe von 80 Tagessätzen à 40 Euro (3.200 Euro) verurteilt worden – dagegen hatte er Einspruch eingelegt.

In der Verhandlung stellte sich allerdings heraus, dass die Tagessatz-Höhe (sie hängt ab vom Einkommen) zu niedrig angesetzt worden war. Richter Michael Eberle hätte die Strafe zwar auf 60 Tagessätze reduziert, doch in der Summe hätte sich kaum ein Unterschied ergeben. So zog der Angeklagte seinen Einspruch zurück und akzeptierte den ursprünglichen Strafbefehl.

Sein Kontrahent hat den Schaden an dem Rechtsabbiegepfeil übrigens längst bezahlt. Verbogen ist das Schild allerdings immer noch.
Ulrike Osman

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