"Baumbilder" – ein Konzert für Linde, Esche...

Ankündigungen für kulturelle Ereignisse leben oft von der Übertreibung. Häufig werden die großartigen Versprechungen nicht erreicht. Im Programmheft zum „Zwischen- spiel“, einer Veranstaltungsreihe, die als Fortsetzung des vorjährigen, ungemein erfolgreichen Gitarrenfestivals für den Mai dieses Jahres konzipiert ist, spricht der Autor von einem „synästhetischen Konzert“, das die Uraufführung der Komposition „Baumbilder“ sein soll. Eine gewagte Formulierung. Doch selten hat dieser Ausdruck bei einer Veranstaltung der Lechstadt so genau das Wesentliche eines kulturellen Abends erfasst.

Ein Konzert für die Ohren und für die Augen, für die beiden, auf den ersten Blick, wichtigsten Sinne des Menschen, sollte es am vergangenen Freitagabend in der vollbesetzten Säulenhalle des Landsberger Stadttheaters werden. Das wurde es in der Tat. Der Münchner Komponist Enjott Schneider, Jahrgang 1950, der sich in seinen einführenden Worten zum eigenen Werk als Anhänger einer „fühlenden“ Biologie und „astrologischen Botanik“ entpuppte, gab eine Abbreviatur des Wesens und der kulturgeschichtlichen Bedeutung des Baumes, insbesondere bei den Kelten, die von den Römern mit dem Namen „Gallier“ bezeichnet wurden. Viele biologische Fakten in seinem Vortrag waren wohl selbst gut informierten Zuhörern nicht geläufig. „Bäume sind Symbole der Erinnerung, das gilt in allen Kulturen und Bäume haben biologisch gesehen das reichste Innenleben unter den Pflanzen darüber hinaus sind sie ein Zeitkalender für die Klimaforschung.“, sagte Schneider. Musik für dreizehn Bäume des keltischen Baumkalenders hat Enjott Schneider geschaffen. Die ging dann über Linde, Esche, Kiefer, Ahorn, Weide, Tanne, Ulme, Pappel, Apfelbaum, Eiche, Zypresse, Olivenbaum und Haselnuss. Rundfunkmoderator Moderator Alex Dorow las mit großer Emphase Gedichte zu den Bäumen. Nun muss man wissen, dass jeder Baum eine gewisse Charakteristik hat, die Widerspiegelung ihrer biologischen wie auch phänomenalen Eigenschaften ist. Der Apfelbaum ist der Erotiker unter den Bäumen. Er ist sinnlich, der Baum der Erkenntnis, fünfzahlig und auf die Venus, die Göttin der Liebe, hinweisend. Die Pappel etwa gilt als „beweglich, kommunikativ, genügsam, zitternd“ wie es im Programmblatt heißt. Die Esche will hoch hinaus, sie erreicht eine Höhe von bis zu 35 Metern. „Ich bin eine Esche“, gestand Schneider. Der Ahorn ist „der Trost der traurigen und schweren Köpfe“ dichtet Narhan Wegner, neben Hölderlin, Hesse, Uhland, Rilke, und Beni Müller ein Dichter des Abends. Die Zypresse symbolisiert Tod und Auferstehung. Zwischen den Gedichten trugen dann das „Gitarrenduo Gruber und Maklar“ mit dem aufregenden Klang der Quintbassgitarren, der großartige, aus Südafrika stammende, jugendliche Bassblockflötist Stefan Temmingh mit dem Consortium Arboris (Andreas Grote, Tilo Widenmeyer an der Viola, Gerhard Zank und Rupert Buchner am Violoncello und Uwe Thielemann am Kontrabass) die kleinen Stücke zu den Bäumen von Enjott Schneider vor. Jeweils auf die Baumcharakteristik bezogen war das Spiel mal würdevoll, dann schwermütig, kapriziert oder auch getragen. Wunderbar virtuos interpretierten Christian Gruber und Peter Maklar sowie Temmingh an der Bassblockflöte das Werk Schneiders. Einen kräftigen männlichen Klang hat dieses Instrument. Die Streicher unterlegten mit einem schön gewobenen Klangteppich sanft das Spiel von Flöte und Gitarre. „Das Zwischenspiel ist ein Kind der Begeisterung des Erfolges des letzten Jahres“, sagte Franz Xaver Rößle, Alt-Oberbürgermeister Landsbergs mit großer Freude in seiner Begrüßung Ein Zwischenspiel, dessen Anfang zugleich einen Höhepunkt darstelle, wie er treffend feststellte. Abschließend dankte Gruber auf bekannt unnachahmliche, sympathische und spontane Weise auch Johannes Skudlik, der den Kontakt zum Komponisten Schneider hergestellt hatte und der Malerin Gotlind Timmermanns, deren Bilder in der Säulenhalle dieses Konzert erst zu einem „synästhetischen“ Geschehen machten. Schließlich gab er das Geheimnis des Dichters Narhan Wegner preis. Hinter ihm verbirgt sich niemand anderer als Alex Dorow.

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