Der Lechpark ist nur über Umwege erreichbar

Hochwasserschutz Lechmauer: Der Uferweg wird komplett gesperrt

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Rund 4,5 Millionen kostet die Ufermauersanierung. Geld, das vom Freistaat kommt. Während der Bauarbeiten auf der Ostseite wird jedoch der Zugang in den Lechpark übers Klösterl bis März 2020 voraussichtlich komplett gesperrt sein.

Landsberg – Das Wichtigste vorweg: Eine Sperrung des Ufer­weges vom Klösterl aus in den Lechpark Pössinger Au ist nicht vermeidbar. Auch nach Einrichtung des Bauweges sei eine Öffnung nicht möglich, betonen Johannes Haas vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim und Christian Neumann von der Abteilung Tiefbau der Stadtverwaltung. Auch dann herrsche reger Baustellenverkehr. Zwar wolle man vor den Wochenenden die Situation auf eine mögliche Öffnung hin überprüfen. „Aber auch das wird logistisch kaum möglich sein“, betont Haas. Die Sperrung des Uferweges im Lechpark wird wahrscheinlich bereits ab Montag nächster Woche eingerichtet.

„Wir haben es uns wirklich nicht leicht gemacht“, berichten Haas und Forstamtsleiter Michael Siller – mehrere stundenlange Begehungen des Weges inbegriffen. Die Prüfung aller Alternativen – Zulieferung von der Altstadt, vom Krachenberg oder gar die Beschickung vom Westufer per Förderband. Auch eine Asphaltierung des Weges vom Klösterl bis zum Eingang ins Wildgehege wurde diskutiert. „Aber da hat verständlicherweise die Untere Naturschutzbehörde nicht mitgemacht“, so Siller. Die jetzige Variante sei die einzig sinnvolle, wobei die Sperrung unbedingt eingehalten werden müsse. Bei ähnlichen Arbeiten in einem Nachbarlandkreis habe es bereits einen Todesfall gegeben.

Auch in Bezug auf die Rodung für den Bauweg habe man „um jeden Baum gekämpft“, berich­tet Siller. Mit dem Resultat, dass unter anderem der ‚Heilige Ahorn‘ – der schiefstehende Baum in der Wegmitte kurz vor dem Eingang ins Wildgehege – stehenbleiben darf. Auf der Ostseite müssten jetzt nur noch zwei oder drei Bäume gefällt werden. Aber auch die laufenden Bauarbeiten würden vom Was­serwirtschaftsamt Weilheim aus den Naturschutz betreffend betreut.

Eine komplette Wegsperrung während der Baustelleneinrichtung sei absolut notwendig, betont Haas. Ob an Wochenenden geöffnet werden könne, wolle man prüfen. Das Problem: An diesen Tagen geht die Haftung von der Baufirma auf die Stadt über. Eine Haftung kann die Stadt aus Sicherheitsgründen aber nicht übernehmen. Denn die Oberfläche des Bauwegs unterscheidet sich stark von der bisherigen, so Haas: Der Weg bestehe aus einer 40 Zentimeter hohen, gröberen Kiesschicht auf 3,5 Metern Breite, plus nicht befestigter, abfallender Schüttstreifen am Rand. Zwar werde der Kies verdichtet, aber könne „nicht den Anforderungen an einen öffentlichen Radweg oder Gehweg genügen“. Auch eine Benutzung des Weges auf eigene Gefahr ist rechtlich nicht möglich, konkretisiert Oberbürgermeister Mathias Neuner.

Stadtpressesprecher Andreas Létang beschreibt die möglichen Zugangsalternativen: Variante 1 – Direkt beim Zugang am Klösterl links die Stufen zur Hangkante nach oben, danach über den steilen Eselsteig in den Wildpark. Variante 2 – Über die Villgrader Schlucht in den Wildpark. Oder Variante 3 – Über den Campingplatz. Denn dort werde man einen bisherigen Trampelpfad mit Kies aufschütten und samt Geländer so herrichten, dass auch von dort aus ein Zugang möglich ist. Die Radfahrer von Pitzling aus wolle man bewusst zuerst am Lech entlang zur Teufelsküche leiten, um ihnen zumindest einen kleinen Abschnitt am Fluss zu ermöglichen – und um auch die Teufelsküche nicht ganz vom Tourismus abzuschneiden. Die Karten für die Zugänge liegen demnächst in der Stadtverwaltung und der Touristinfo aus.

Was wann wie gemacht wird, beschreiben die Beteiligten wie folgt: Die Baustelle an der Ostseite wird vom Campingplatz aus auf dem Weg am Lech entlang beliefert. In den ersten vier bis fünf Wochen wird die Bau­straße von der Staustufe 15 bis zum Klösterlparkplatz eingerichtet, wobei der Parkplatz als Lager für Material und Maschinen dient. Dafür seien rund 300 bis 400 Lkw-Ladungen Kies notwendig. Danach wird die Kiesarbeitsplattform vom Klösterlparkplatz aus Richtung Norden direkt im Lech aufgeschüttet – nochmal rund 300 Lkw Kies. Auch in der Zeit danach werden pro Tag rund 20 Lkw die Bau­straße befahren müssen. Wenn zum Beispiel der Lech wegen Niederschlags Hochwasser hat und einen Teil der aufgeschütteten Arbeitsplattform abträgt. Die muss dann auch abgetragen werden, sozusagen eine Art „Sollbruchstelle“, sagt Neuner, damit das Hochwasser schnell genug abfließen kann.

Nach Baustelleneinrichtung starten die Mauerarbeiten auf der Ostseite: Spundwände werden eingezogen und die Stahlbetonmauer im Fluss verankert. Deren Oberfläche wird manuell behandelt. „Das wird dann ungefähr so aussehen wie die Oberfläche der Steine am Hauptplatz, nur viel gröber“, verdeutlicht Neumann. Die Oberfläche werde schnell vermoosen. Die Arbeiten an der Ostseite sollen bis März abgeschlossen sein. Jede dritte Spundwand bleibe im Lech, „wird aber auch bei Niedrigwasser nicht sichtbar sein“, versichert Haas. Auch der Kies der Arbeitsplattform wird Richtung Mitte im Lech verteilt, das sei sowohl für den Fluss, der sich hier eingegraben habe, als auch für die Fische optimal.

Die Arbeiten an der Westseite samt Deichaufschüttung im mittleren Bereich der 650 Meter langen Mauerstrecke werden durch die Straße Am Englischen Garten bedient. Hier werde man wohl bis Ende Juni abschließen können, schätzt Haas.

Susanne Greiner

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