Saftige Preise fürs Filetstsück

Baupreise in Denklingen: 315 Euro Unter der Halde – Am Hinterberg wird’s teurer

Häusern im Baugebiet Unter der Halde in Denklingen
+
Vor den bestehenden Häusern Unter der Halde kommt noch eine weitere Reihe mit sechs Baufenstern dazu.
  • VonJohannes Jais
    schließen

Denklingen – Genau 314 Euro und 50 Cent je Quadratmeter verlangt die Gemeinde Denklingen im kleinen Baugebiet Unter der Halde. Offensichtlich ein „Filetstück“ in Premiumlage, auf das sich die meisten beworben haben, ist mit 357 Euro deutlich teurer. Zum nächsten Baugebiet, das am Hinterberg ausgewiesen wird, heißt es freilich: (Es) „ist jetzt schon abzusehen, dass diese (Preise) nicht mehr gehalten werden können“. Dort geht die Tendenz in Richtung 400 Euro.

Im Bereich Unter der Halde im Süden Denklingens sind es sechs Bauplätze, die zwischen 520 und 750 Quadratmeter groß sind. Noch ist kein Grundstück verkauft worden. „Wir haben mehr Bewerbungen bekommen als Grundstücke zur Verfügung stehen“, informiert Geschäftsleiter Johann Hartmann von der Gemeinde. Die Vergabe erfolge im September. Die nicht zum Zug kommenden Bewerber, die allerdings noch nicht feststehen, werden bei der Vergabe des Baugebiets Hinterberg wieder von uns angeschrieben, ergänzt der Geschäftsleiter.

Am Hinterberg auf der Anhöhe im Westen Denklingens sind es laut Planung 14 Grundstücke. Dort wurden im Juli die Erschließungsarbeiten vergeben (wir berichteten). Freilich gibt es dazu ein Normenkontrollverfahren vor dem Verwaltungsgerichtshof. Angestrengt haben es im vergangenen Sommer Johann und Alice Lehner, die vor dem Hinterberg wohnen und als Nachbarn direkt betroffen sind.

Im Vergleich handelt es sich um zwei kleine Baugebiete, wenn man denen die Neubauten An der Obstwiese im Norden der Ortschaft (Richtung Leeder) gegenüberstellt. Dort sind es 49 Häuser. Dort sind fast alle Grundstücke bebaut. Zum Zuge gekommen sind dort zumeist junge Bewerber – darunter auch viele, die nach Denklingen gezogen sind.

Die sechs Parzellen Unter der Halde befinden sich in exponierter Lage am Südrand der Ortschaft. In den Kaufverträgen soll ein Baugebot aufgenommen werden. Dies muss innerhalb von fünf Jahren geschehen. Man kann auch von einem Bauzwang sprechen.

Der Beschluss zum Verkauf der sechs Bauplätze und zu den Preisen wurde zunächst im Gemeinderat hinter verschlossenen Türen behandelt; jetzt im Juli 2021 ist er öffentlich gemacht worden. Zur Preisfindung war ein privates Büro eingeschaltet. Es handelt sich um einen von der Industrie- und Handelskammer öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für die Bewertung bebauter und unbebauter Grundstücke.

Auch lag eine Stellungnahme der Rechtsaufsichtsbehörde, sprich des Landratsamtes Landsberg, dazu vor. Tenor: Die Gemeinde dürfe ihre Grundstücke in der Regel nur zum vollen Wert verkaufen. Damit ist der Verkehrswert gemeint. Weiter heißt es: „Eine Toleranzgrenze nach unten gibt es nicht.“ Weil aber die Gemeinde Bauverpflichtungen in die notariellen Verträge mit aufnimmt – Stichwort Frist zur Fertigstellung – wirke sich diese auch um zehn bis 15 Prozent wertmindernd aus im Vergleich zu einem völlig „lastenfreien“ Grundstück. Das bedeutet also: Ohne Bauzwang würden die Plätze Unter der Halde noch mehr kosten als die genannten 315 Euro bzw. die 357 Euro für das „Filetstück“.

Die Erschließungskosten sind bei den Preisen immer mitgerechnet. Strom oder Gas müssen die Bewerber beim Netzbetreiber entrichten. Warum ergibt sich für einen Bauplatz ein deutlich höherer Quadratmeterpreis von 357 Euro? „Es ist das deutlich attraktivste Grundstück und wurde auch so vom Gutachter bewertet. Dass diese Annahme richtig ist, zeigt sich an der Tatsache, dass dieses Grundstück die meisten Bewerber wollen“, beantwortet Kämmerer Johann Hartmann die Anfrage der Redaktion.

Die Gemeinde entscheidet frei, wem sie ihr Grundstück veräußert – und kann so verfahren, wie eine Privatperson. Die von der Gemeinde Denklingen genutzten Richtlinien dienen lediglich dazu, die Vergabeentscheidung im Gemeinderat anhand objektiver Kriterien vorzunehmen. Diese müssen aber nicht die strengen Anforderungen der EU erfüllen, die insbesondere einen freien Zugang zum Markt verlangt.

Die Ortsansässigkeit kann im Fall von Denklingen als Kriterium herangezogen werden. Der Kämmerer erklärt es wie folgt: „Deshalb kommen bei uns grundsätzlich nur Einheimische oder in Denklingen Arbeitende zum Zug.“

Was als Kriterium nicht (mehr) greift, sind Einkommensgrenzen. Deshalb können laut Kämmerer auch Personen einen Bauplatz bekommen, die über gewissen Einkommensgrenzen liegen. Nochmals Hartmann: „Und von denen gibt es in unserer Gegend aufgrund des allgemein hohen Lohnniveaus sehr viele.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Auto brennt fast vollständig aus
Landsberg
Auto brennt fast vollständig aus
Auto brennt fast vollständig aus
Inzidenz knapp unter 200
Landsberg
Inzidenz knapp unter 200
Inzidenz knapp unter 200
Bergabradeln in der Alten Bergstraße bleibt erlaubt
Landsberg
Bergabradeln in der Alten Bergstraße bleibt erlaubt
Bergabradeln in der Alten Bergstraße bleibt erlaubt
Ein neues Eisstadion für Landsberg?
Landsberg
Ein neues Eisstadion für Landsberg?
Ein neues Eisstadion für Landsberg?

Kommentare