Wohnraum für alle schaffen

+
Der Blick vom Balkon des Klinikums in Richtung Süden: Hinter einer Reservefläche (dunkelgrüne Wiese) entstehen Ein- und Zweifamilienhäuser (überwachsener Bereich) und große Einfamilienhäuser (hellgrüne Rasenfläche).

Landsberg – Als die Stadt nach einem Grundstück für das geplante Kinderhaus suchte, konnte sie das Areal gegenüber dem Klinikum „zu fairen Preisen“ erwerben. Dabei gab es eine Nebenabrede: Die Grundstückseigentümerin bat um die Schaffung von Baurecht auf der Grünfläche zwischen dem Krankenhaus und der Römerauterrasse. Der Stadtrat beschloss einstimmig, dieses Versprechen nun einzulösen und beauftragte die Verwaltung, einen Bebauungsplan aufzustellen sowie den Flächennutzungsplan zu berichtigen.

Was im nördlichen Teil des 1,8 Hektar großen Areals gebaut wird, steht schon fest, weil die Eigentümerin – eine auswärtige Wohnungsbaugesellschaft – bereits konkrete Pläne hat. Dort sollen acht Einfamilienhäuser mit einer Grundfläche von jeweils 100 qm und einer Grundstücksgröße zwischen 500 und 600 qm gebaut werden; hinzu kommen acht Doppelhaushälften mit einer Grundfläche von 90 qm und jeweils 250 qm Grund. Offenbar sieht die Vereinbarung vor, dass die Gesellschaft der Stadt einen kleineren Teil dieses Bereichs übereignet, so dass sie dort selbst Wertschöpfung erzielen kann; die Rede ist von vier Doppelhäusern und einem Einfamilienhaus.

Eigentümer des südlichen Teils ist ein Unternehmer, der noch keine konkreten Bauabsichten hat. Die erste Skizze der Verwaltung sieht dort sehr große Grundstücke im Bereich von 1.100 bis 1.200 qm und Grundflächen von 200 qm vor. Ob und inwieweit sie verwirklicht werden, hängt aber offenbar von weiteren Entwicklungen im betrieblichen und privaten Bereich ab. Für den Unternehmer wirkt sich der Bebauungsplan „Römer­auterrasse 5“ daher zunächst als Aufwertung seines Grundstücks aus.

Von SoBoN befreit

Eigentlich ist eine solche Aufwertung der Grundtatbestand der SoBoN-Richtlinie. Investoren müssten also die Infrastrukturkosten der Stadt ersetzen; mindestens 30 Prozent der Wohnfläche müssten zudem für soziale Nutzung reserviert werden. Der Stadtrat hat das jetzt zu überplanende Gebiet aber im Februar 2016 von der SoBoN-Richtlinie ausgenommen, weil die Absprache zur Schaffung von Baurecht in die Zeit vor Beratung und Beschlussfassung der Richtlinie fiel. Dennoch wird mit den Begünstigten ein städtebaulicher Vertrag zu schließen sein.

Allerdings steht die nördliche Bebauung noch unter dem Vorbehalt, dass der Hubschrauberbetrieb am Klinikum unvermindert fortgesetzt werden kann. Stadtrat Wolfgang Weisensee (Landsberger Mitte) berichtete, in vielen Städten sei durch heranrückende Bebauung das Problem entstanden, dass Hubschrauber nicht mehr nah am Krankenhaus landen können, weil sich Anwohner durch den Flugbetrieb gestört fühlten. Das führe dazu, dass Notfallpatienten zunächst in einen Krankenwagen umgebettet werden und die restliche Strecke gefahren werden müssten.

Vorrang für Patienten

Der Stadtrat beschloss daher, die entstehenden Immissionen bei der Aufstellung des Bebauungsplans in einem Lärmschutzgutachten zu untersuchen und gegebenenfalls Auflagen für die Bebauung zu erlassen. Oberbürgermeister Mathias Neuner erklärte im Nachgang zur Sitzung, auch er gebe dem Patiententransport klar den Vorrang vor einem Bebauungswunsch; notfalls müsse man das Start- und Landerecht von Hubschraubern im Grundbuch absichern.

Positiv wertete Weisensee hingegen, dass im Zuge der Bebauung die bestehende Hochspannungsleitung, die den An- und Abflug zum Krankenhaus erschwert, von Freileitung auf Erdkabel umgelegt werden soll. Als weitere Infrastrukturmaßnahme ist eine Stichstraße im nördlichen Bereich geplant, mit der insbesondere die Zufahrt zu den Garagen der acht Doppelhäuser gewährleistet werden soll. Sie könnte, auf Anregung von Reinhard Steuer (UBV), auch als Fußweg zum Römerhang verlängert werden.

Kein Quartiersparken

Nicht durchsetzen konnte sich Henrik Lüssmann (Grüne) mit seinem Antrag, die Bauleitplanung müsse „ISEK-konform“ erfolgen. Das Integrierte Stadt­entwicklungskonzept von Professor Hermann Knoflacher sieht eine Priorität für Quartiersparken vor. In der Jahnstraße und an der Schanzwiese ist sie bereits verwirklicht worden. Stadtbaumeisterin Birgit Weber will dieses Konzept an der Römerauterrasse aber nicht anwenden: „Da möchten die Leute ihre Garage dem Haus zugeordnet haben. Das entspricht auch der vorhandenen Struktur.“

Zu Beginn der Sitzung hatten die Vertreter der Verwaltung dargelegt, die Flächen südlich des Klinikums seien besonders deswegen geprüft worden, weil es eine „starke Nachfrage nach erschwinglichem Wohnraum“ gebe. Diese Formulierung verursachte bei einigen Stadträten Kopfschütteln. Darum gehe es in diesem Fall nun wirklich nicht. Allerdings weisen sie auch darauf hin: Eine Stadt muss Wohnraum für alle schaffen, auch für diejenigen, die hohe Anforderungen an Lage, Grundstücksgröße und Grundfläche stellen.

Werner Lauff

Auch interessant

Meistgelesen

Ex-OB Lehmann klagt gegen die Stadt Landsberg
Ex-OB Lehmann klagt gegen die Stadt Landsberg
Ex-Kämmerer Schilcher: "Es war grundlegend anders"
Ex-Kämmerer Schilcher: "Es war grundlegend anders"
Rational spendet dem BRK Landsberg 21.000 Euro
Rational spendet dem BRK Landsberg 21.000 Euro
Weltpolitik im Cord-Hüdli
Weltpolitik im Cord-Hüdli

Kommentare