Schonfrist für das FuHa?

Bauvoranfrage für Fuchs-und-Has-Gelände in Dettenhofen vorerst abgelehnt

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Die Kultkneipe „Bei Fuchs u. Has“ an der Staatsstraße 2056/Ecke St. Martin Straße in Dettenhofen wird abgerissen. Auf dem Gelände sollen ein Dreispänner, ein Doppelhaus und zwei Einfamilienhäuser gebaut werden.

Dießen-Dettenhofen – Wohnraum in der Ammersee-Region ist knapp, gefragt und entsprechend teuer. Da kommt so mancher Hausbesitzer und Vermieter in Versuchung, seinen Bestand abzureißen und auf dem Grundstück „verdichtet“ neu zu bauen. So auch in Dettenhofen, wo das über 300 Jahre alte Gebäude an der Ecke Staatsstraße 2056/Kreisstraße St. Martin der Abrissbirne zum Opfer fallen soll.

Seit 24 Jahren ist hier die Kultkneipe „Bei Fuchs u. Has“ beheimatet. Gastwirt Stephan Wilkening wurde der Pachtvertrag zum 30. April 2020 aus heiterem Himmel gekündigt (der KREISBOTE berichtete). Während er dringend nach einer neuen Location sucht, sind die Planungen für die Neubauten bereits sehr konkret. Eine entsprechende Bauvoranfrage wurde jetzt im Dießener Bau- und Umweltausschuss behandelt und zunächst abgelehnt. Auf dem Grundstück, im Flächennutzungsplan als Dorfgebiet ausgewiesen, will der Bauwerber einen Dreispänner, ein Doppelhaus und zwei Einfamilienhäuser erstellen. Für die sieben Wohneinheiten wurden 14 Parkplätze mit sieben Garagen und sieben offenen Stellplätzen nachgewiesen. Ohne die Parkplätze wird die überbaute Fläche 446 Quadratmeter erreichen. Also weniger als der Bestand mit Gaststätte, Wohnhaus und Stallgebäude mit 479 Quadratmetern.

Gegen Lage der Häuser, Grundflächen, Gebäudeabmessungen und Geschosszahlen gab es keine Bedenken, wohl aber bei der geplanten Firsthöhe. Die ist mit 11,50 Metern um 1,17 Meter höher als beim „Fuchs u. Has“-Gebäude. Hier würde für nachfolgende Bauvorhaben ein neuer Maßstab geschaffen. Gemeinderat Michael Hofmann (Bayernpartei) äußerte zudem Bedenken, ob die künftigen Bewohner mit der in unmittelbarer Nachbarschaft angesiedelten Landwirtschaft zurecht kämen. Lärm und Geruchsbelästigung könnten hier schnell zu Streitigkeiten führen. Diese Befürchtungen teilte Jürgen Zirch, CSU-Fraktionsvorsitzender im Marktgemeinderat. Vize-Bürgermeister Peter Fastl beschwichtigte mit der Aussage, dass hier Baurecht bestehe und die Gemeinden angehalten seien, einer innerörtlichen Verdichtung positiver gegenüber zu stehen. Trotzdem wurde die Bauvoranfrage einstimmig abgelehnt, da ohnehin ein neuer Antrag mit korrigierten Höhenwerten eingereicht werden muss.

„FuHa“-Gastronom Stephan Wilkening, grüner Gemeinderat und Mitglied im Bau- und Umweltausschuss, musste während der Behandlung des Antrages auf die Zuschauerplätze ausweichen. Als unmittelbar Betroffener durfte er nicht mitdiskutieren.

Er hatte im letzten Herbst erstmals von den Plänen erfahren, als fremde Leute das Grundstück vermessen haben. Ein Anruf beim Besitzer bestätigte, dass ein Abriss des imposanten Gebäudes geplant ist. Auf facebook machte Wilkening sogleich seine Enttäuschung publik: „Demnächst soll der Standort unseres beliebten und vertrauten Baus einer scheinbar lukrativeren Nutzung zugeführt werden und dementsprechend zunächst dem Erdboden gleich gemacht werden.“ Nach dann 24 Jahren als Wirt werde es ihm ein bisschen eng in der Brust. Trotzdem blicke er positiv in die Zukunft: „Wir haben die besten Gäste der Welt und ein absolut fähiges Team.“ Damit wolle er eine neue „Höhle“ auf Vordermann bringen und freue sich auf Tipps über mögliche Objekte.

Das Gebäude mit der Adresse „Dettenhofen 1“ ist über 300 Jahre alt und wurde ab dem 19. Jahrhundert als Gaststätte genutzt. Aus der Bauernwirtschaft entwickelte sich Anfang der 1970er-Jahre eine Szenekneipe für die Münchner Modebranche, die hier weit weg von „dahoam“ ausgiebig abfeierte. Später kehrten Rocker ein, warum die echten Dettenhofener immer seltener kamen. Nach den Rockern zog für sieben Jahre eine Künstler-Wohngemeinschaft ein, von der heute noch einige Kunstwerke den Gastraum zieren.

Als Stephan Wilkening das Lokal 1996 übernahm, ging es richtig aufwärts. Sein Konzept einer Mischung aus Ausflugs-, Familien- und Speiselokal sowie Kneipe mit Barbetrieb, Biergarten und gelegentlicher Kleinkunstbühne kam an, schnell war das Kürzel „FuHa“ in aller Munde. Nicht nur aus der Region kamen Gäste, selbst Autos aus Kaufbeuren, Starnberg oder München parkten vor dem Haus. Wilkening gab auch jungen Musikern eine Chance, wie etwa „La Brass Banda“, die heute riesige Hallen füllen.
Dieter Roettig

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