Bauwagen ja – aber nicht in Rott

Geht es nach dem Willen der Gemeinde Rott, ist dieser Bauwage auf dem Grundstück von Landwirt Nikolaus Ertl bald Geschichte. Foto: Peters

Die Bauwagen im Landkreis Landsberg dürfen bleiben – wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen. So lautet der Beschluss, den der Jugend­hilfeausschuss Mitte Oktober des vergangenen Jahres verabschiedete. Eine der Auflagen ist, dass die Gemeinden Bauwagen bis Ende 2010 an das Landratsamt melden mussten. Alles andere habe „keinen Anspruch auf Duldung und muss weg“, machte Landrat Walter Eichner (CSU) damals unmissverständlich klar. In Rott sorgt diese Regelung nun für gehörigen Ärger. Denn dort wirft Landwirt Nikolaus Ertl Bürgermeister Quirin Krötz vor, einen auf seinem Privatgrund stehenden Bauwagen absichtlich nicht gemeldet zu haben, um so einen Abriss des selbigen zu erzwingen.

Tatsächlich habe nicht er allein, sondern der gesamte Gemeinderat beschlossen, jenen Bauwagen nicht für eine Duldung durch die Baubehörde beim Landratsamt zu empfehlen, stellt Krötz klar. Dies habe er Ertl Mitte Dezember schriftlich mitgeteilt, nachdem dieser ihn zuvor ebenfalls schriftlich aufgefordert hatte, den Bauwagen beim Landratsamt zu melden. Die Gründe für die Entscheidung liegen für den Bür­- germeister auf de Hand. Immer wieder sei es in 2010 zu Problemen mit dem Jugendtreff gekommen, mehrfach habe die Polizei ausrücken müssen. Nicht gewachsen Krötz berichtet von sexuellen Übergriffen, von Alkoholmissbrauch durch Minderjährige, von umgekehrt in der Erde steckenden Bierflaschen, die den Weg zum Bauwagen weisen. „Mal ehrlich, würden Sie dafür die Verantwortung übernehmen wollen? Ich nicht!“ Zumal es sich bei der Einrichtung um keine „gewachsene Struktur“ wie in anderen Kreisgemeinden handle. „Da gibt es Bauwagen schon seit zehn und nicht erst seit eineinhalb Jahren wie hier.“ Tatsächlich ist es noch nicht all zu lange her, dass Ertl den Jugendlichen den Platz auf dem Grundstück seiner Mutter für ihren Bauwagen einräumte. Doch für den Landwirt, Sohn des ehemaligen Landwirtschaftsministers Josef Ertl und Bruder von FDP-Kreisrat Christoph Ertl, sind die Gründe des Bürgermeisters und des Gemeinderats nur vorgeschoben. Die Ablehnung beruhe eher auf persönlichen Animositäten denn dem Schutz der Jugendlichen, vermutet Ertl. Er wehrte sich übrigens vor Jahren erfolgreich gegen eine Klage der Gemeinde auf Verlegung seines Hauptwohnsitzes von Bad Wiessee nach Rott. Ertl räumt ein, dass es zwar zu mehreren Polizeieinsätzen gekommen sei, doch seien diese allesamt harmlos verlaufen. „Dass die Jugendlichen dort, wenn sie feiern, auch Alkohol trinken, ist klar. Aber das würden sie auch woanders tun.“ Überhaupt sieht Ertl eine positive Entwicklung, seit es den Bauwagen auf seinem Grund und Boden gibt. „Die Jugendlichen sind autarke Betreiber und lernen dadurch, Verantwortung zu tragen.“ Vorfälle wie früher, als Jugendliche aus Langeweile Reifen im Dorf anzündeten, habe es seitdem nicht mehr gegeben, führt der Vater von zwei kleinen Kindern an. Krötz will derlei Argumente freilich nicht gelten lassen. Eine Aktion wie diese sei genau ein Mal vorgekommen, erwidert er. Zudem gebe es genug alternative Plätze für die Jugendlichen wie etwa das Sport- und Schützenheim, wo sie ihre Freizeit ver­bringen können. Thema im Landratsamt Mittlerweile ist der Streit auch im Landratsamt angekommen. Dort werden sich Landrat Walter Eichner und dessen Stellvertreter Peter Ditsch demnächst gemeinsam mit Mitarbeitern des Jugend- und Bauamtes über das weitere Vorgehen beraten, teilte Pressesprecher Wolfgang Müller mit, der bei dieser Gelegenheit bekannt gab, dass neben Rott noch in einer weiteren Gemeinde ein Bauwagen von einer Privatperson gemeldet worden sei. Ertl, der sich auch einen alternativen Standort für den Bauwagen vorstellen kann, will nun erst einmal das Ergebnis der Beratung abwarten. Um den Fortbestand des Rotter Bauwagens für die Jugendlichen zu sichern, wäre der Landwirt sogar bereit, die Rolle der Gemeinde zu übernehmen, was die Verantwortung für Statik und Feuerschutz betrifft. „Wenn sie unbedingt eine Person bräuchten, würde ich das machen.“ Juristisches Nachspiel? Auch eine juristisches Vorgehen will Ludwig Ertl nicht ausschließen, sollte sich das Bauamt gegen eine Duldung aus­sprechen. Im schlimmsten Fall könnte dies dazu führen, dass das Gericht die Duldung von Bauwagen grundsätzlich für widrig erkläre, sagt der 50-Jährige. „Das jedoch wäre für alle Jugendlichen im Landkreis sehr schade.“

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