Ja zu Räuber und Banditen:

Bayerische Landesausstellung 2024 kommt nach Landsberg

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2024 wird das Neue Stadtmuseum in Landsberg die Bayerische Landesausstellung "Räuber und Banditen in Bayern" beherbergen.

Landsberg – Die Kuh ist vom Eis, würde Markus Söder wohl sagen. Im Landsberger Stadtrat hieß es am Mittwochschlicht: Ja zur Bayerischen Landesausstellung 2024 „Räuber und Banditen in Bayern“. Von 28 Ratsmitgliedern sprachen sich 18 für die Ausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte und somit auch für die zeitlich passende – also schnelle – Sanierung des Neuen Stadtmuseums aus.

Fast fühlte man sich ins alte Rom versetzt: Sitzen sonst nur wenige Besucher im Stadtrat, waren diesmal die Zuschauerränge prall gefüllt. Auch die Reihen der Stadträte wiesen fast keine Leerstellen auf: 27 der insgesamt 30 Stadträte und natürlich der Oberbürgermeister selbst waren anwe­send. „Niemand hier sagt, man brauche kein Stadtmuseum“, stimmte OB Mathias Neuner (CSU) ein. Und gab damit gleich die Marschroute vor, die manch einen erstaunen mochte: Denn der im einstimmigen Beschluss längst gewählte Standort – Spital­platzschule oder Jesuitengymnasium –, in der vergangenen Sitzung noch großes Thema, stand nicht mehr zur Debatte. Man habe die schlechte Erreichbarkeit des Jesuitengymnasium lange genug angesprochen, so der OB. „Aber wir haben abgestimmt.“ Viele Bürger hätten sich für den Standort stark gemacht,„dann soll das auch so sein“. Wobei er die öffentliche Diskussion als „ziemlich forsch“ empfunden habe. Ein „kann nicht“ heiße nicht „will nicht“.

Ein ‚aber‘ folgte jedoch: Die Landesausstellung sei zwar erstrebenswert – aber 2024 nicht realisierbar. Ulla Höß vom städtischen Hochbauamt habe Zweifel geäußert, ob der Brandschutz mit dem innenliegenden Aufzug und einem Überdruckanlage-Treppenhaus, wie von Museumsleiterin Sonia Fischer angedacht, für die zu erwartenden Besuchermassen, „30, 40, 50 Busse am Tag“, ausreiche. Zudem habe er, Neuner, mit dem Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, Dr. Richard Loibl, gesprochen. Ob es „dramatisch“ sei, die Landesausstellung nicht zu holen. Worauf dieser gesagt habe, nein, aber dann solle man lieber früher als später absagen. Insgesamt halte er es nicht für sinnvoll, sämtliche Kapazitäten des Bauamtes – die Personal arbeitete am Limit – auf das Museum zu konzentrieren. Neuner stimmte „aus logistischen Gründen gegen die Landesausstellung als Druckmittel“.

Stefan Meiser (ÖDP) wünschte die Wiedereröffnung des Neuen Stadtmuseums so schnell wie möglich. Die Landesausstellung erfordere aber zusätzliche Ausgaben und verzögere die Dauerausstellung um ein Jahr. Er könne den Oberbürgermeister verstehen. Aber die öffentliche Unruhe habe Neuner mit seinen Aussagen selbst geschürt. „Dass ich eine öffentliche Diskussion angeregt habe, nehme ich jetzt mal als Lob“, konterte der OB. Und wenn das dazu führe, dass die Stadt eine Anschubfinanzierung von 250.000 Euro von der Hans-Heinrich-Martin-Stiftung erhalte (der KREISBOTE berichtete), sei das doch gut.

Brandschutz-Keule

Kulturbürgermeister Axel Flörke (Landsberger Mitte) war offensichtlich auch von Neuners Ja zum Standort überrascht. Er wage aber zu bezweifeln, dass dieses Ja halte. Denn zum Personalmangel-Argument komme jetzt noch die „Brandschutz-Keule“. Wenn man nein zur Landesausstellung sage, glaube er nicht, dass das Museum saniert werde, betonte Flörke.

Ein Punkt, den auch Bürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) bekräftigte. Sie frage sich, warum man beim Bau der Tiefgarage unter dem neuen Jugendzentrum nicht den Personalmangel im Bauamt als Gegenargument angesprochen habe. Zudem gab die Kindergartenreferentin noch einen Überblick über die zu bauenden Kitas und Kindergärten. Deren Bau reiche jedoch bis ins Jahr 2033. Dagegen die Museumssanierung, die bis 2023 abgeschlossen sein werde, als ein ‚Entweder-Oder‘ zu setzen, sei unsinnig. Auch Hans-Jürgen Schulmeister (Landsberger Mitte), Moritz Hartmann (Grüne) sowie Hans-Dieter Völkel und per SMS auch der abwesende OB-Kandidat Felix Bredschneijder, beide SPD, sprachen sich für die Landesausstellung aus. Zu einer Personalerhöhung beim Bauamt „hätte der Stadtrat sicher nicht Nein gesagt“, betonte Völkel. Das hätte man früher angehen müssen.

Petra Ruffing (CSU) – die als einzige der Fraktion ihr Ja zur Landesausstellung gab – fragte Fischer, ob nicht ein anderes leerstehendes Gebäude für die Sonderausstellung möglich sei; zum Beispiel die Schlossbergschule. Was bei Fischer Unmut auslöste. Direktor Loibl habe in dem Ja zu Landsberg ausdrücklich dem Standort Jesuitengymnasiums zugestimmt. Repräsentative Gebäude seien gewünscht. „Wir können die Landesausstellung nicht in irgendeinem Haus machen.“

Berthold Lesch (CSU) mahnte, Sanierungen alter Gebäude verzögerten sich oftmals. Zudem werde man beim momen­tanen Bauboom schwer freie Unternehmen finden. Und um, wie geplant, Besucher über das Heilig-Geist-Spital zum Jesuitengymnasium zu leiten, müsse auch dieses saniert werden, sonst spendeten die Besucher Landsberg wohl noch aus Mitleid Geld.

Mehr Vertrauen

Christian Hettmer (CSU) kam nochmals auf die Entscheidungsfindung zum Standort Jesuitengymnasium zu sprechen. Fischer habe bei ihrer auf 15 Seiten zusammengefassten Vorstellung des Standort-Gutachtens des Büros Frankonzept, insgesamt über 180 Seiten, „diametral andere Argumente“ genannt, als die im ausführlichen Konzept, das er eineinhalb Jahre später zu lesen bekommen habe. „Wir brauchen zur Entscheidungsfindung aber alle Argumente auf dem Tisch. Und das hatten wir nicht.“ Ob die Fakten nun bewusst oder unbewusst nicht genannt worden seien, wolle er nicht entscheiden. Und er sei Demokrat genug, um einen einstimmigen Beschluss zu akzeptieren. Er wünsche sich jedoch eine vertrauensvolle „Zusammenarbeit“.

Bei der auf Antrag namentlichen durchgeführten Abstimmung stellten sich außer Ruffing alle CSU-Mitglieder sowie Reinhard Skobrinsky (BAL) und Stefan Meiser gegen die Landesausstellung. Die restlichen Stadträte (18) stimmten zu. Der Beschluss zu Fischers Konzept der Dauerausstellung und zur Sanierung des Museums fiel danach einstimmig.
Susanne Greiner

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