Denkmalpflegepreis:

Mutig und herausragend!

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Der Präsident der „Europäische Holocaust Gedenkstätte Stiftung“, Manfred Deiler (links), und der Präsident der „Bayerische Ingenieurekammer-Bau“, Heinrich Schroeter, mit der Ehrentafel des Bayerischen Denkmalpflegepreis.

Landsberg – Der Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Heinrich Schroeter, hat zusammen mit dem Präsidenten der Europäischen Holocaust Gedenkstätte Stiftung, Manfred Deiler, in einem Tonröhrenbau des KZ-Außenlagers Kaufering VII die Ehrentafel enthüllt, die dokumentiert, dass die Landsberger Stiftung am 15. September 2016 den Bayerischen Denkmalpflegepreis in Gold erhalten hat.

Anlass der Ehrung in der Kategorie „Private Bauwerke“ ist die inzwischen abgeschlossene 900.000 Euro teure Konservierung der Lagerunterkünfte. Ohne diese Maßnahme wären die unter Denkmalschutz stehenden Konstrukte, die jeweils aus mehreren Tausend Tonröhren in zwei Lagen errichtet wurden, über kurz oder lang zusammengebrochen.

An der Enthüllung der Tafel nahmen auch die stellvertretende Landrätin Ulla Kurz, Oberbürgermeister Mathias Neuner, Bürgermeisterin Doris Baumgartl sowie viele haupt- und ehrenamtlich Tätige teil, die das Projekt über Monate gemeinsam vorangetrieben haben. Mit dabei waren auch vier Schülerinnen der Landsberger Mittelschule, die Schülergruppen ehrenamtlich durch die Tonröhrenbauten führen.

Das südwestlich von Landsberg auf halber Strecke nach Erpfting gelegene, etwa 20.000 Quadratmeter große KZ-Lager Kaufering VII wurde im Sommer 1944 von der Organisation Todt als Teil eines Außenlager-Komplexes des KZ Dachau errichtet. Es bestand aus 55 Erdhütten, sechs Tonröhrenunterkünften und acht Holzbaracken. Das Material für die Tonröhrenbauten hatte die Organisation Todt in Südfrankreich beschafft, wo die „Fusée Ceramique“ genannten Tonröhren auf Basis eines Patents des französischen Architekten Jacques Couëlle hergestellt wurden. Die sechs Meter breiten und 13 Meter langen Tonröhrenbauwerke sind etwa 75 Zentimeter in den Boden eingetieft. Über einem Sockel von einem Meter Höhe erhebt sich das tonnenförmige Gewölbe mit 5,30 Metern Spannweite.

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau vergab den Preis dieses Jahr zum fünften Mal gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Der Jury lagen 41 Bewerbungen zur Prüfung vor. Sechs Bauwerke wurden prämiert. Adressaten der Ehrung sind nicht die ausführenden Ingenieure, sondern die Bauherren, die Maßnahme beauftragt haben.

Die Preiswürdigkeit der Konservierung der Bauten liege besonders in den Bemühungen, einem bedeutenden Dokument eines KZ-Außenlagers möglichst unverändert eine Zukunft zu geben. Die gefundene Lösung, die schadhaften Tonröhren nur von außen zu sichern und auf eine Stützkonstruktion im Innenraum zu verzichten, sei dabei hervorzuheben.

„Die mutige Vorgehensweise bei der nur konservierenden Behandlung der Tonröhren und die Abstimmung aller Maßnahmen zwischen den Planern und dem Restaurator stellen eine herausragende Leistung dar“, heißt es in der Begründung der Jury.

Werner Lauff

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