"Doktor Zweirads" Meisterstück

Bayerns bester Zweiradmechaniker-Meister kommt aus Utting

+
Stolz zeigt Bayerns „Bestmeister“ Timon Bartsch sein unverkäufliches Meisterstück, ein verbessertes Brompton-Faltrad. Seine Urkunden hängen in der Ladenwerkstatt „PedalGlück“.

Utting – Da staunten die Herren der IHK-Prüfungskommission die sprichwörtlichen Bauklötze, als ihnen Meister-Aspirant Timon Bartsch vor dem praktischen Teil ein 200 Seiten starkes Buch vorlegte. Mit vielen Fotos, Skizzen, Diagrammen, Arbeitsanweisungen, Berechnungen und Kalkulationen hatte der Uttinger sein Meisterprojekt akribisch dokumentiert und drucken lassen. Was besser und professioneller als manche Doktorarbeit aussieht, beschreibt „Aufbau eines individuellen Brompton-Faltrades nach Kundenwunsch“ – so das Thema seiner Arbeit.

Die Mühe hat sich gelohnt. Nachdem Bartsch auch die praktische Prüfung mit Bravour absolviert hatte, wurde er von der Handwerkskammer für München und Oberbayern zum „Besten Meister der Zweiradmechaniker Bayerns 2018“ gekürt und mit der Goldmedaille für „herausragende Leistungen in der Meisterprüfung“ ausgezeichnet. Nicht genug der Ehre: Bayerns neuer Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger verlieh ihm jetzt noch den „Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung“ für seine „hervorragenden Leistungen bei der Prüfung“.

„Sie sind jetzt Leitfigur ihres Berufsstandes“ hatte IHK-Präsident Franz Xaver Peteranderl bei der Meisterfeier im ICM der Messe München zu Timon Bartsch gesagt. Entsprechend stolz hat der 33-jährige „Jahresbestmeister“ Meisterbrief, Urkunden und die Goldmedaille in seiner Uttinger Ladenwerkstatt „Pedal-

Glück“ aufgehängt. Und gleich daneben sein unverkäufliches Einzelstück von der Meisterprüfung.

Normalerweise wird bei der Meisterprüfung der Aufbau eines neuen Fahrrades gewählt. Als Faltrad-Spezialist aber steckte sich der ehrgeizige Timon Bartsch ein höheres Ziel. Er entwickelte quasi eine Machbarkeitsstudie. So sollte ein einzigartiges Faltrad auf Brompton-Basis entstehen. Allerdings mit verstellbarem und gekröpftem Lenker, einer 11-Gang-Nabenschaltung von Shimano, Zahnriemenantrieb, Scheibenbremsen, einer optimalen Lichtanlage und einer besonderen Optik.

Exklusives Einzelstück

Es ging also darum, aus einem Brompton-Faltrad eine nicht auf dem Markt erhältliche Sonderanfertigung zu erstellen. Brompton-Räder sind für ihre kompakte Bauweise, Robustheit und den dreistufigen Klappvorgang berühmt. Der imaginäre Kunde von Timon Bartsch war damit nicht zufrieden und wollte eine Modifizierung. Die Umsetzung war jedoch erheblich aufwendiger, als es im ersten Moment erschien. „Es erforderte einen hohen Aufwand, die Faltbarkeit bei jeder Änderung in der gewohnten Brompton-Qualität zu behalten“, so Timon Bartsch. Zur Umsetzung hat er nicht nur Komponenten im Computer mit 3-D geplant und dann gefräst, sondern auch zahlreiche Teile in Eigenregie entwickelt und angefertigt. Letztlich ist so ein exklusives Einzelstück entstanden, das die Prüfungskommission vollends überzeugte.

Dass Timon Bartsch nach seinem Abschluss in der Schondorfer Realschule den Beruf des Zweiradmechanikers wählte, war kein Zufall. Seine Eltern Edmund und Brigitte Bartsch betreiben in Utting mit dem „Rad-Häusl“ ein Fahrradfachgeschäft, bei dem der Junior immer schon gerne mitgeholfen hat. Also machte er bei der Firma Zweirad-Welscher in Oderding eine Lehre und führte dann als Geselle die Werkstatt der Eltern. Und nebenher bereitete er sich auch noch auf die Meisterprüfung vor, die er jetzt so erfolgreich absolvierte.

Die stolzen Eltern teilten daraufhin ihr Geschäft und konzentrieren sich auf Trikes bzw. Liegedreiräder, während sich Timon unter der Firmierung „Pedal-

Glück“ auf Falträder sowie große und kleine E-Bikes konzentriert. Wobei er aber für seine Eltern weiter alle Service-Arbeiten, Reparaturen und Garantie-Abwicklungen übernimmt.

Da Radfahren immer beliebter wird und der Trend dabei eindeutig zu E-Bikes geht, sieht Timon Bartsch mehr als optimistisch in seine berufliche Zukunft. Mit der Spezialisierung auf faltbare Räder und E-Bikes, die in jeden Kofferraum passen, hat er sich zudem in einer Marktlücke angesiedelt, die in der Fünf-See-Region kaum zu finden ist.

Auch privat läuft es bei dem 33-jährigen. Er baut sich mit seiner Freundin gerade ein eigenes Nest. In seiner wenigen Freizeit pflegt er dazu drei sehr unterschiedliche Hobbies: Er geht gerne tanzen, spielt Schlag-zeug und ist ein begabter Holzschnitzer.

Dieter Roettig

Auch interessant

Meistgelesen

Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Wenn Oma den Temposünder ausbremst
Wenn Oma den Temposünder ausbremst
Der Gewinner des ultimativen Schneemann-Cups steht fest
Der Gewinner des ultimativen Schneemann-Cups steht fest
Der KREISBOTE prämiert den schönsten Schneemann 
Der KREISBOTE prämiert den schönsten Schneemann 

Kommentare