Energiepolitik im Mittelpunkt

Aiwanger kommt zur Weiterbildung ins Fuchstal

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Die Fuchstaler Energiepolitik steht im Mittelpunkt, wenn Bürgermeister Erwin Karg (Mitte) im Juli Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger empfängt

Fuchstal – Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) kommt ins Fuchstal. Der Besuch ist auf 20. Juli terminiert. Ein Montag. Das hat die Pressestelle des Ministeriums auf Nachfrage des KREISBOTEN jetzt bestätigt. Im Mittelpunkt der Fuchstal-Visite steht, wie sollte es anders sein, die Energie­politik.

Der Staatsminister möchte sich vor Ort einen Eindruck über grünen Strom und über grüne Wärme verschaffen. Politisch sind sich die beiden Protagonisten, Aiwanger und Karg, bei einem bestimmten Thema freilich nicht mehr grün. Denn der Fuchstaler Bürgermeister war im Dezember 2017 bei den Freien Wählern ausgetreten, die an vorderster Front für die Abschaffung der Strabs (Straßenausbau-­Beitragssatzung) kämpften.

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger kommt am 20. Juli ins Fuchstal.

Aiwanger war damals Chef der Freien Wähler in Bayern – und ist es heute immer noch. Wenige Wochen nach Erwin Kargs FW-Austritt trat Aiwanger in Schongau als Hauptredner bei einer „Montags-Demo“ gegen die Strabs auf. Der Fuchstaler Rathauschef bezeichnete die Forderungen nach Abschaffung der Strabs mit dem Verzicht auf die Beiträge der Anlieger – was rückwirkend seit Januar 2018 in Bayern so gehandhabt wird – gar als populistisch.

Die unterschiedliche Auffassung des Landes- und des Kommunalpolitikers dazu wird beim Informationsbesuch im Fuchstal wohl außen vor bleiben. Man kann es sich kaum vorstellen, dass Aiwanger dem Bürgermeister so nebenbei einen (Wieder-)Aufnahmeantrag der Freien Wähler in die Hand drückt. Oder etwa doch?

„Minister Aiwanger freut sich auf den Besuch in Fuchstal, das bayern- und deutschlandweit eine Pionierkommune in Sachen Klimaschutz und kommunal getragener Energiewende ist.“ Mit diesen Worten blickt Thomas Assenbrunner, der stellvertretende Pressesprecher im Bayerischen Wirtschaftsministerium, auf den Termin am 20. Juli voraus. Das genaue Programm werde in Abstimmung mit Bürgermeister Karg und der Gemeinde gerade erarbeitet, fügt Assenbrunner hinzu.

Kein Staatsempfang

„Das wird kein Staatsempfang, sondern ein informelles Treffen dazu, wie sich eine Gemeinde energietechnisch aufstellen kann, wenn Gemeinderat, Verwaltung und Bürgermeister dies wollen und alle an einem Ende des Seiles ziehen, wie es die letzten zwölf Jahre umgesetzt wurde.“ So bewertet Bürgermeister Karg den angekündigten Besuch des Staatsministers. Beim Ausbau der Windkraft sind sich die Beiden schon eher grün.

Wärmetopf anderswo?

Der Fuchstaler Rathauschef hatte die Gemeinderäte über den Besuch Aiwangers am Ende der jüngsten Sitzung informiert. Zuvor hatte Wolfram Ruoff von der Neuen Liste Fuchstal nachgefragt, ob denn für den 16 Meter hohen Wärmetopf ein anderer Standort als der bisher geplante im Osten von Leeder möglich wäre. Dazu erklärte Karg, ein weiteres Abrücken von der Ortschaft sei für einen wirtschaftlichen Betrieb im Zusammenhang mit dem Nahwärmenetz nicht darstellbar.

Der Wärmetopf, so der Rathauschef weiter, sei zentraler Bestandteil des Förderprojektes, das die Bundesrepublik Deutschland mit 3,75 Millionen Euro unterstütze – bei Gesamtkosten von gut fünf Millionen Euro. Dazu werde sich demnächst Wirtschaftsminister Aiwanger vor Ort informieren, gab Karg in einem kurzen Satz zu verstehen.

Im Strom- und Wärmespeicher, zu dem im vergangenen Jahr von den vier Windrädern im Kingholz eine neun Kilometer lange Leitung verlegt wurde, wird eine riesige Batterie eingebaut, die bis zu drei Megawatt aufnimmt; sie kann nach und nach Leistung abgeben. Zudem wird dort ein Wärmespeicher installiert, der mit einem überdimensionalen Tauchsieder zu vergleichen ist. Das warme Wasser soll in das jüngst erweiterte Fuchstaler Fernwärmenetz eingespeist.

Mit dieser Investition möchte die Gemeinde, die Hauptgesellschafter bei der Bürgerwind Fuchstal GmbH mit den vier Anlagen im Kingholz ist, bisherige unbezahlte Abnahme-„Spitzen“ vermeiden und stattdessen sinnvoll vor Ort nutzen. An einigen Tagen im Jahr war nämlich, so die Erfahrung aus den letzten drei Jahren, die Strom­erzeugung und -einspeisung über regenerative Energien sehr intensiv, andererseits der Verbrauch aber gering. Bei solchen Spitzen spricht man von „Negativstrom“, der an der Strombörse nicht bezahlt wird, wenn der Zustand mehrere Stunden anhält.
Johannes Jais

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