Abtprimas Notker Wolf beim BDS:

Angst ist ein schlechter Ratgeber

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Gelöste Stimmung bei der abschließenden Diskussion des BDS-Frühlingstreffens. Von links: Abtprimas Notker Wolf, Landrat Thomas Eichinger, CSU-Bundestagskandidat Michael Kießling, Bürgermeisterin Doris Baumgartl sowie Moderator Tobias Kurzmaier.

Landsberg – „Ich erliege ganz sicher keiner katholischen Sozialromantik“, versprach Abtprimas Notker Wolf in seiner Festrede über Werte in Zeiten globaler Umbrüche beim fünften Frühlingstreffen des Bundes der Selbständigen (BDS) in Landsberg. Wirtschaftlicher Erfolg sei ein erstrebenswertes Ziel, um Innovation zu sichern. Die schamlose Bereicherung der Topmanager hingegen zeuge von einem immensen Verlust: „Hier fehlen ethische Werte wie Bescheidenheit und Ehrlichkeit. Dass man heute noch seine Gelder nach Panama verschieben kann, verstehe ich nicht.“

„Ich war 16 Jahre Gastarbeiter in Rom.“ Noch bis letztes Jahr weilte Wolf als Abtprimas in Italien. Wolf ist Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste, sitzt aber auch im Unternehmensbeirat der Gothaer, die alle Benediktiner in Deutschland lebensversichert. Berühmt ist er für seinen Auftritt im Kloster Benediktbeuren, wo er zusammen mit Deep Purple „Smoke on the Water“ intonierte – an der E-Gitarre. Der Geistliche äußert sich bekanntlich seit jeher eindeutig zu politischen Fragen.

Bei seinem Vortrag im Rathausfestsaal stellte er vor allem die Migration in den Vordergrund: „Die Welt ist aus den Fugen geraten“. Die Parteienlandschaft in Deutschland sei zersplittert, Europa habe die Tugend der Kompromissbereitschaft verloren und China presche an Amerika vorbei. Wichtig sei nun, „die Vielfalt in einem Miteinander“ zu wahren. Europa müsse die Subsidiarität, die Selbstbestimmung in Eigenverantwortung anstreben. Und dabei das höchste Gut, die Freiheit wahren.

Selbstbestimmung müsse jedoch in Deutschland die Grenze des Grundgesetzes anerkennen. So solle sich der muslimische Glaube an die hiesige Kultur anpassen. Eine solche Forderung kratze nicht an der persönlichen Freiheit, sondern garantiere die Demokratie, indem sie die Freiheit aller berücksichtige: „Wir müssen hinterfragen, denn wir leben in einer Demokratie. Wir müssen fördern und fordern.“

Die Probleme mit Migration seien nicht durch „den Nonsens der Populisten“ zu lösen. Grenzen zu schließen sei unsinnig, und ein vorgeheucheltes Besinnen auf Werte leicht zu durchschauen: „Ich habe mir angeschaut, was der Begriff „christliches Abendland“ für die AfD bedeutet. Und da ist nichts zu finden.“ Genau in diesem Begriff sieht Wolf die Werte verankert: in den biblischen Geboten, „Regeln, um das Zusammenleben eines Volkes zu ermöglichen“. Angst hingegen produziere nur Chaos und sei somit keine Lösung. Vielmehr solle jeder Sokrates‘ Methode der Mäeutik anwenden und alles hinterfragen. Wahrheit könne nur durch Mut zum kritischen Denken gefunden werden. „Und ich bin mir sicher, miteinander schaffen wir das.“

Mehr Integration

Landrat Thomas Eichinger (CSU) setzte seinen Schwerpunkt auf die Integration der Migranten in die Arbeitswelt. Die bisherige Integration sei gelungen, was nicht der Verdienst des Landratsamtes sei, „sondern der der Menschen.“ Insgesamt sei die wirtschaftliche Lage im Landkreis gut: „Im Gegensatz zu anderen Kommunen muss sich Landsberg nicht über Wegzug oder Schulauflösungen beklagen.“

Um die Kommunikation zwischen Amt und Unternehmen noch zu verbessern, setze sich das Landratsamt das Ziel, im kommenden Jahr als „Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltung“ zertifiziert zu werden.

In der abschließenden Frage­runde des Moderators Tobias Kurzmaier auf seine Aussage im Kreisausschuss angesprochen, er werde 2020 nicht mehr zur Wahl stehen, antwortete Eichinger: „Es gab für meine Emotionalität eigentlich keinen Grund.“ Der geplante Neubau der Kreisbehörde für 30 Millionen Euro hatte nicht bei allen Zuspruch gefunden. Er sei jedoch nötig, um die zahlreichen Außenstellen in einem Gebäude zu vereinen und so „die Arbeit miteinander wieder zu ermöglichen.“

Im Rahmenprogramm stellte sich auch CSU-Bundestagskandidat Michael Kießling den zahlreich erschienenen Gästen vor. Der jetzige Bürgermeister von Denklingen verlor zwar bei seiner Kandidatur als Landrat gegen Thomas Eichinger, genießt jedoch seither seine Arbeit als Bürgermeister: „Da kann man viel gestalten und viel erreichen.“ Das wolle er als gelernter Bauingenieur und Produktmanager nun auch in Berlin versuchen. Denn „sicher ist es auch gut, wenn im Bundestag nicht nur Beamte und Lehrer sitzen.“

Die Ausführungen von Bürgermeisterin Doris Baumgartl sowie BDS-Vorsitzenden Franz Fischer rundeten den Abend ab, bevor man nach drei Stunden bei Wein oder Limo und kulinarischen Köstlichkeiten zum gemütlichen Teil überging.

Susanne Greiner

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