Darf Hilti höher bauen?

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Mit dem „Standortentwicklungskonzept 2020“ will die Firma Hilti ihre Zukunft sicherstellen. Um höher bauen zu können, muss der Bebauungsplan geändert werden.

Kaufering – Die Firma Hilti ist ein wichtiger Arbeitgeber und Steuerzahler in der Marktgemeinde. Darüber waren sich die meisten Mitglieder des Marktgemeinderates in ihrer jüngsten Sitzung einig. Auf der Tagesordnung stand ein neuer Bebauungsplan für das gesamte Hiltigelände. Der bot dann reichlich Stoff zur Diskussion.

Sowohl die Baugrenzen als auch die Höhe von Gebäuden sollten neu festgeschrieben werden. Das führte schnell zu Unstimmigkeiten. Kritik kam aus den Reihen der GAL. Einige Mitglieder der Fraktion plädierten dafür, grundsätzlich erst bei konkreter Planung von Gebäuden den Bebauungsplan zu ändern. Um den Standort von Hilti langfristig zu sichern, brauche Hilti langfristig Erweiterungs- und Ersatzbauten, betonte Peer Gollnick von der von Hilti beauftragten Planungsfirma Dobler Consult. 

Dazu gehöre auch die Möglichkeit, höhere Gebäude zu errichten. „Hilti kann nur nach oben“ unterstützte Ratsmitglied Manfred Nieß das Vorhaben und warnte seine Ratskollegen davor, zusätzliche Hindernisse einzubauen. Die neu festzuschreibenden Wandhöhen von Gebäuden war Gegenstand der Diskussion. In den bisherigen Bebauungsplänen sind diese unter- schiedlich definiert und reichen zwischen 12 Meter im mittleren und im Ostbereich des Firmengeländes, bis zu 25 Meter im südlichen Bereich. In einigen Bereichen soll nach dem neuen Bebauungsplan nun zusätzlich bis zu 25 Meter Höhe eine Bebauung möglich sein. Konkrete Planungen für höhere Neubauten soll es aber derzeit nicht geben. 

Da das Gelände von der Augsburger Straße abfällt, war es für einige Ratsmitglieder ein Problem, die Wirkung größerer Gebäudehöhe im Verhältnis zur Nachbarschaftsbebauung insbesondere in der Hiltistraße abzuschätzen. Gabriele Triebel wünschte sich von den Architekten eine bessere Animation. Hohe Priorität habe bei Hilti, so Peer Gollnick von der beauftragten Dobler Consult, zunächst der Neubau eines Trainings-Centers an der Augsburger/Ecke Hiltistraße und der Bau eines Parkhauses für 550 Autos, ebenfalls im Bereich der Augsburger Straße. Das Trainings-Center solle wie „ein Schaufenster in einer Fußgängerzone“ wirken. Hier war allerdings nicht die Bauhöhe das Problem. An der Augsburger Straße würde die Höhe des vorderen Teiles des zweigeschossigen Gebäudes nur sechs Meter betragen. 

Es bedarf aber einer Ausnahmegenehmigung für den Mindestabstand von der Augsburger Straße. Die sogenannte Anbauverbotszone beträgt 15 Meter von der Bord- steinkante. Das Trainings-Center soll nach dem Willen der Planer aber bis auf 10 Meter an die Straße heranrücken. Allerdings wurde für den Neubau eines Wohnhauses genau gegenüber des Hilti-Grundstückes eine Ausnahmere- gelung getroffen. Auch für das neu entstehende Autohaus an der Tankstelle in der Viktor-Frankl-Straße haben die Behörden eine Ausnahme genehmigt. 

Der Hilti-Bebauungsplan stand nicht zum ersten Male auf der Tagesordnung des Marktgemeinderates. Bereits im März hatte die Geschäftsleitung des Unternehmens in einer Informationsveranstaltung das „Standortentwicklungskonzept 2020“ vorgestellt. Daraufhin hatte die Marktgemeinde das Planungsbüro „akfu“ eingeschaltet. Deren Entwurf war dann im April Gegenstand einer Marktgemeinderatssitzung. Die Ergebnisse dieser Sitzung wurden an Hilti übermittelt. Herausgekommen war ein Kompromiss, der die Wünsche von Hilti und die Interesse der Marktgemeinde berücksichtigt. Hans-Jörg Pilz zeigte sich enttäuscht darüber, dass Hilti darauf bestehe, massiv aufzustocken. „Die Anwohner der Hiltistraße finden dies bestimmt nicht lustig“, betonte Pilz. Sein Fraktionskollege Andreas Keller hatte die Befürchtung geäußert, eines Tages könnte ein Klotz wie bei Amazon entstehen und Alex Glaser sah die juristische Seite. 

Wenn das Gelände verkauft würde, könne man die einmal festgelegte Bauhöhe im Bebauungsplan nicht zurückdrehen. Stinksauer über die Diskussion zeigte sich Gabriele Hunger (CSU). „Alles was wir damals besprochen hatten, ist eingearbeitet“. Dr. Klaus Bühler Bühler bescheinigte einigen Ratskollegen die Note „ungenügend“. „Das macht einen schlechten Eindruck auf Hilti“, sagte der ehemalige Bürgermeister. Sein Amtsnachfolger fühlte sich sogar bemüht, ein Schlusswort zu sprechen. „Hilti habe alles berücksichtigt. Wir schätzen Hilti als Partner“. Mit 18 Ja-Stimmen und drei Gegenstimmen nahm der Marktgemeinderat die Entwürfe zur Kenntnis.

Siegfried Spörer

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