Für die Begegnung mit Gott

„Wir brauchen jeden Tag Hoffnung“, sagt Hofbäuerin Anneliese Wernseher anlässlich der Eröffnung und Segnung der Hofkapelle in St. Georgen. Foto: Bentele

„Großer Gott wir loben dich“ und auch die Bayernhymne erschallen aus Hunderten von Kehlen über den St. Georgen: Menschen aus Nah und Fern feierten unterm weiß-blauen Bilderbuchhimmel die Eröffnung und Segnung der Kapelle „Zum Auferstandenen Heiland“ auf dem Tonihof an der Burgwaldstraße. Erzabt Jeremias Schröder aus St. Ottilien bedankte sich bei den Stiftern Anneliese und Anton Wernseher, „dass sie ein mutiges, zeitgemäßes und kraftvolles Zeichen gesetzt haben in unserer Zeit, die von Einsamkeit geprägt ist.“

Dieser Tag adelte das bairische Brauchtum: Der Gottesdienst in der Kirche St. Georg, die in Sichtweite zur Hofkapelle liegt, war „ausgebucht“, der anschließende Kirchenzug mit dem Musikverein Dießen, der Geistlichkeit, zwölf Fahnenabordnungen und den vielen Besuchern war länger als die Fron­- leichnamsprozession. Lautsprecher auf dem Tonihof sorgten dafür, dass die über 600 Besucher den feierlichen Anlass mithören konnten, den Dießens Pfarrer Manfred Mayr und der Erzabt miteinander gestalteten. Der Ottilianer-Chef sprach „von was ganz Besonderem, dass so viele Leute gekommen sind, die passen gar nicht alle in die Kapelle rein – zumindest nicht gleichzeitig.“ Besonderes freue er sich über die Fahnenabordnungen der Vereine, „weil sie die Zivilgesellschaft verkörpern, wie auch Bürgermeister Herbert Kirsch und die vielen Gemeinderäte, die alle den seltenen Anlass feiern“, bezog er sich drauf, dass die letzte Hofkapelle in der Marktgemeinde vor 54 Jahren gebaut wurde. Der Erzabt stellte die Kapelle als ein Bauwerk mit vielen Stilen vor, die alle ihre Bedeutung hätten. Der kleine Zwiebelturm zum Beispiel erinnere an die russisch-orthodoxen Kirchen, wo er als Kerzenflamme verstanden werde, und das zum Himmel und zu Gott aufsteigende Gebet symbolisiere. Er fände es schön, dass auf dem Tonihof jetzt eine stilisierte Kerzenflamme emporrage. Die Kapelle „Zum Auferstandenen Heiland“ füge sich nun ein in den Kranz von Andachtsstätten, die rund um Dießen die Landschaft schmücken und den Bezug schaffen zum prächtigen Turm des Marienmünsters. Die katholische Glaubensausrichtung sei stark sinnlich geprägt, fuhr er fort: „Weihrauch durchzieht heute den Hof, wir sehen die schönen Formen der Architektur – dazu gehört auch das Hören“, leitete er zur Glockenweihe über. Die 22 Kilo schwere Marien- und Annaglocke, stand fein mit Schleierkraut und Rosen geschmückt vor der Kapelle und wurde zum ersten Mal angeschlagen, nachdem sie mit Weihwasser, Weihrauch und Chrisam geweiht und gesalbt worden war. Auch das Mobiliar würdigte der Kirchenmann. Die meisten Kapellen besäßen das klassische Andachtsmobiliar. „Diese Kapelle hat zwei gegenüber liegende Bänke, die den Benedik- tiner an das Chorgestühl erinnerten: „Das ist ein Ort wo man sich im Gebet mit der Gemeinschaft zusammenfindet.“ Aufgefallen sei ihm auch dass die Kapelle nicht stromlinienförmig in der Architektur verschwindet, sondern sperrig in die Straße hineinragt, „sperrig in die Zeit hineinragen, das sollen unsere Kirchen, damit die Begegnung mit Gott lebendig wird.“ Sichtlich bewegt von dem großen Zuspruch war die Familie Wernseher, die sich bedankte und über ihre Intension sprachen. „Ostern ist nicht einmal im Jahr, Ostern ist jeden Tag“, sagte Anneliese Wernseher, „weil wir jeden Tag Hoffnung brauchen“, erklärt sie den Namen der Kapelle „Zum Auferstandenen Heiland.“ Der kirchlichen Feier folgte die weltliche auf dem ganzen Hof mit drei Zelten zum Sonnenschutz. Den Erlös des Festtages und aus der 32-Seiten- Festschrift, spenden die Wern­sehers dem Kinderheim St. Alban.

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