Niemand muss allein sein

Begegnungsstätte Kathi 38 öffnet am 24. Dezember seine Türen

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Dieter Lang wird mit rund ein Dutzend Menschen in der Caritas Begegnungsstätte Kathi 38 Weihnachten feiern.

Landsberg – Weihnachten verbringt man im Kreise seiner Lieben. Doch nicht jeder hat eine Familie, mit der er den Heiligen Abend verbringen kann. Bei der Caritas Begegnungsstätte Kathi 38 werden die Türen am 24. offen stehen – damit niemand alleine feiern muss. Einer der Besucher erzählt von diesem besonderen Angebot.

Es ist bald Mittagszeit. Als sich die Türe zur Kathi 38 öffnet, kommt einem schon der Duft von Geschnetzeltem entgegen. Im Gemeinschaftsraum sitzen eine Hand voll Menschen. Sie spielen Brettspiele. Unterhalten sich. Nebenan ist das Wohnzimmer. Als erstes fällt der hübsch geschmückte Christbaum am Fenster auf. Der lodernde Kamin macht die Weihnachtsstimmung endgültig perfekt. Im Wohnzimmer wartet auch schon ein Besucher der Begegnungsstätte. Er will mehr über Kathi 38 und das anstehende Weihnachtsfest erzählen. Sicherlich will er anonym bleiben. „Ach was! Ich bin der Lang Dieter!“ Der 61-Jährige lächelt und es braucht nicht mal einen Eisbrecher. Er fängt sofort zum Erzählen an.

Ursprünglich kommt er aus Kaufbeuren. Dort hatte er ein eigenes Lokal. „Das lief auch ganz gut.“ Doch dann machte ihm seine Gesundheit einen Strich durch die Rechnung. „Ich bin Diabetiker“, erzählt Lang. Gesundheitlich ging es ihm immer schlechter. Mittlerweile geht er auch regelmäßig zur Dialyse. Sein Lokal musste er aufgeben. Das war 2007. „Ich hatte dann auch finanzielle Probleme und wurde wohnungs- und obdachlos. Glücklicherweise ist Lang an die Herzogsägmühle geraten. „Die haben mich wieder hochgepeppelt.“ In Landsberg hat er schließlich einen Platz in einer der Außenwohngruppen erhalten. Mittlerweile wohnt er jedoch alleine, immer noch in Landsberg. Von einem Mitarbeiter der Herzogsägmühle habe er dann auch von Kathi 38 erfahren. Gezögert hat Lang offensichtlich nicht lange, bis er das erste mal zu der Begegnungsstätte gegangen ist. „Manche trauen sich nicht. Die haben Angst, dass man schief angeschaut wird oder so.“ Den 61-Jährigen selbst habe es keine Überwindung gekostet. Er fühlt sich offenbar sehr wohl hier. „Mir tut das schon sehr gut. Man weiß einfach wo man hingehört und hat eine Gemeinschaft.“ Hier habe man einen Ort, um sich auszutauschen, über persönliche Dinge zu sprechen.

Die Besucher, die bei Kathi 38 ein und aus gehen, unternehmen auch mehrmals die Woche etwas gemeinsam. Spielenachmittage, zusammen musizieren oder auch alle zwei Wochen ein Ausflug. Lang ist eigentlich immer dabei. Insgesamt seien es rund 50 Menschen, die mehr oder weniger regelmäßig bei der Begegnungsstätte vorbei schauen. „An Weihnachten werden wir so rund 12 Personen sein.“ Alles alt bekannte Gesichter für ihn. „Aber es haben sich tatsächlich auch zwei angemeldet, die noch nie hier waren.“

Von 16 bis 20 Uhr hat Kathi 38 am Heiligabend geöffnet. Es wird gemeinsam gegessen und „ein oder zwei Liedchen werden wir bestimmt auch singen.“ Das Essen ist kostenlos, dank einiger Sponsoren. „Da gibt‘s dann eine Haupt- und Nachspeise. Man kann sich einfach mal richtig verwöhnen lassen“, freut sich Lang. Doch noch viel wichtiger sei es, nicht allein zu sein. „Viele Menschen hier haben Alkoholprobleme. Weihnachten ist eine schwierige Zeit. Da geht der Griff zur Flasche ganz schnell.“ Auch am zweiten Weihnachtstag trifft man sich nochmals zum gemeinsamen Essen.

Wer sich am 24. Dezember anschließen möchte, kann sich noch bis Freitag, 20. Dezember, bei Einrichtungsleiterin Claudia Mühlendyck unter Telefon 08191/4018891 melden. Schließlich heißt es doch, je mehr, desto geselliger. Und wenn man sich mit Lang unterhält wird einem auch schnell klar, dass es hier nicht schwer sein dürfte, sich in die Gruppe einzufinden. Außerdem, so Lang, bekomme man hier wieder einen Stellenwert. „Man fühlt sich nicht wie ein Mensch zweiter Klasse.“
Stephanie Novy

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