Begehrter Blick aufs Festgeschehen

Stolz zeigen Gernot Weisensee (links) und Georg Braml (rechts), dass die Mädchen auf dem neuen Jungfernsprungturmwagen ganz sicher den höchsten Platz beim Ruethenfest einnehmen werden. Foto: Weh

Es steckt viel Herzblut und jede Menge Arbeit darin. Dennoch werden nur wenige Ruethenfestbesucher im Juli bemerken, dass der Turm des Jungfernsprungwagens nicht mehr der Alte ist. Denn bis auf wenige, aber dennoch nicht unerhebliche Details gleicht das neue „Bauwerk“ auf den ersten Blick seinem Vorgängermodell. Wer jedoch genauer hinsieht, stellt fest, dass der neue Turm wie das Original am Landsberger Schlossberg nun endlich halbrund und nicht mehr vollrund ist.

„Ich habe mich immer schon gefragt, was denn der Jungfernsprungwagen mit dem original Jungfernsprungturm zu tun hat“, sagt Gernot Weisensee. Er ist seit gut zehn Jahren Betreuer des Jungfernsprungwagens. Zum einen stimmten die Proportionen nicht, zum anderen ist das Original eben nicht voll-, sondern halbrund. Ein weiterer Punkt, der Weisensee dazu veranlasste über einen Neubau nachzudenken, war das komplizierte Aufstellen des Turmes mithilfe eines Krans. Deshalb wandte er sich auch vor zwei Jahren an den 1. Vorstand des Ruethenfestvereins, Tobias Wohlfahrt, und erkundigte sich, ob ein Neubau des Turms neben der erbrachten Eigenleistung auch mit finanzieller Unterstützung von Seiten des Vereins möglich sei. Als Weisensee schließlich grünes Licht erhielt, machte er sich auf die Suche nach Originalplänen des Jungfernsprungturmes, um den Wagen möglichst getreu dem Vorbild zu konstruieren. „Das war erst gar nicht so einfach, aber beim Landesamt für Denkmalschutz wurde ich fündig. Da gibt es alles über die Stadt Landsberg und sogar der Jungfernsprungturm wurde irgendwann mal komplett vermaßt“, erzählt Weisensee. Turm mit Scharnier Zusammen mit Architekt Anton Arnold skizzierte er zunächst unter Beibehaltung der Größen- und Breitenverhältnisse den Turm und zeichnete ihn anschließend mit einem CAD-Programm. „Bei der Gelegenheit wollten wir natürlich auch gleich das leidige Problem mit dem Aufstellen lösen“, so Weisensee. Deshalb sollte der neue Turm nun so konstruiert sein, dass er einfach mittels Scharnieren umgelegt werden und auf dem Wagen liegend verbleiben kann. Zudem war es der Wunsch Weisensees, zur Sicherheit der Kinder eine höhere Brüstung und ein Schutzgitter einzubauen. Diesen ausgeklügelten Plan galt es nun in die Tat umzusetzen. Zusammen mit seinem Schwager Georg Braml und dem Maler Jürgen Weisser machte sich Weisensee im vergangenen Sommer ans Werk. Zuerst ließen sie die Innenkonstruktion schweißen, dann wurde dieses mit einem Biege-Sperrholz beplankt. Um auch rein äußerlich wieder zum bestehenden alten Wagen zu passen, wurde der Turm mit Rupfen beklebt, gespachtelt und gleich seinem Vorgängermodell bemalt. „Wie viele Stunden Arbeit darin stecken, kann ich gar nicht sagen“, sagt Weisensee. Aber bis auf ein paar Kleinigkeiten, die im Winter aufgrund fehlender Heizung und mangelnden elektrischen Lichts in der Festwagenhalle im Landsberger Frauenwald nicht gemacht werden können, ist er sich sicher, dass der Wagen bis zum Start des Ruethenfestes am 15. Juli „locker fertig ist.“ Und mit Stolz bemerkt er noch, dass die Mädchen, die dann oben auf dem Turm in rund fünf Meter Höhe stehen werden, den höchsten Platz beim Festumzug einnehmen werden. „Der Bayertorwagen ist zwar etwas höher, aber da steht ja niemand oben.“

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