Der Bürger will es so:

Das Rathaus soll ins Gasthaus

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Stattliches Gebäude mit markantem Giebel im Ortskern: der Gasthof Hirsch in Denklingen, der nun Rathaus der Lechraingemeinde werden soll.

Denklingen – Als klares Signal dafür, dass die Bürger hinter einem Kauf des Gasthauses Hirsch stehen und dort das Rathaus seine Heimat bekommen soll, können die Denklinger Räte den Verlauf eines Informationsabends zu diesem Thema werten. Es gab, nachdem Bürgermeister Michael Kießling die Varianten aufgezeigt hatte sowie die Architekten Bettina und Benedikt Sunder-Plassmann (Greifenberg) die Machbarkeitsstudie erklärt hatten, nur drei Wortmeldungen aus dem Kreis der 120 Besucher. Jede davon war positiv, Kritik kam keine.

Pius Preisinger etwa fand so ein Rathaus mitten im Dorf „super“, hinterfragte nur den geringen Lichteinfall im Dachge- schoss. Und Ludwig Preisinger meinte, so ein Konzept sei nur zu begrüßen. In Leeder, Apfel­dorf und Bidingen gebe es gute Beispiele, wie aus alter Substanz sinnvolle Räume für Gemeindezwecke entstanden seien.

Auf der nächsten Sitzung am 1. Juli werden die Denklinger Gemeinderäte über den Kauf des geschichtsträchtigen Gebäudes mitten im Dorf abstimmen, das mit seinem markan- ten Giebel bis zu 16 Meter aufragt. Zurzeit gehört es einem Immobilienmakler, der es veräußern will. Ebenfalls im Juli soll der Kaufvertrag beim Notar unterschrieben werden. Und noch vor August soll der Planer beauftragt werden, wie Bürgermeister Kießling beim Infor- mationsabend vorausblickte. Der Baubeginn sei noch offen. Es gebe keinen Zeitdruck.

Zwei Architekten waren mit je einer Machbarkeitsstudie befasst. Die erste hat Peter Holzapfel aus Epfach erstellt und im Februar 2015 den Gemeinderäten präsentiert. Den Sitzungssaal hat er im ersten Oberge- schoss berücksichtigt. Im großen Dachboden des Gasthofs Hirsch hat er lediglich einen Technikraum und Abstellräume vorgesehen. Dies begründet Holzapfel auf Nachfrage des KREISBOTEN mit der Statik. Den alten Gasthof findet er absolut geeignet für eine Nutzung als Rathaus: „Das Gebäude hat was“.

Die zweite Studie haben die Architekten Bettina und Benedikt Sunder-Plassmann gefertigt. Sie sieht ebenso wie Holzapfels Entwurf vor, dass der bestehende, niedrigere Anbau im Norden abgerissen wird – womit die Experten der Denkmalspflege sowohl am Landratsamt Landsberg als auch bei der Denkmalschutzbehörde in München – einverstanden sind. Dafür soll das bestehende Gebäude mit dem Biberschwanzdach um zirka vier Meter verlängert werden, um dort den Aufzug sowie zwei Treppenhäuser (Fluchtweg im Brandfall) unterzubringen.

Unter dem Dach

Der wesentliche Unterschied ist aber, dass Bettina und Benedikt Sunder-Plassmann den Dachboden ausbauen wollen. Dort soll der Sitzungssaal Platz finden. Zudem könne der zirka 120 Quadratmeter große Raum für externe Veranstaltungen genutzt werden. Der Zugang dorthin sei möglich, ohne dass man durch den Flur des Rathauses gehen oder die Öffnungszeiten berücksichtigen müsse. Auf die Büros im Erdgeschoss und im ersten Sock entfallen 150 Quadratmeter. Das Trauzimmer ist erdgeschossig.

Bei der Sanierung schlage er eine Aufdachdämmung vor. So könnten die alten Sparren im Sitzungssaal sichtbar bleiben. Zu den akustischen Verhältnissen wurde beim Informationsabend (noch) nichts gesagt. Zu bedenken ist, dass es zwischen der Obergeschoss-Decke und dem First zirka zehn Meter Höhe sind.

Die Kosten belaufen sich auf 2,63 Millionen Euro. Davon entfallen 308000 Euro auf den Erwerb des Gasthofes. Mit zirka 380000 Euro ist der Anbau im Norden veranschlagt, der wohl viel Glasflächen erhalten wird.

Kein Neubau

Die Frage „Warum überhaupt ein neues Rathaus?“ beantwortete Bürgermeister Kießling damit, dass in den bisherigen Räumen über der Raiffeisenbank – sie gehören der Gemeinde – keine Barrierefreiheit gegeben, zu wenig Platz, der Brandschutz schwierig zu erfüllen und ein zweites Treppenhaus mit einem Aufzug erfor- derlich sei und die Fassade saniert werden müsse. Der Umbau koste auch Geld und gehe in eine „siebenstellige Summe“ (Kießling), doch der Platzbedarf sei dann nicht befriedigt. Andererseits ist – wie berichtet – der Neubau eines Rathauses gemäß dem Siegerentwurf eines Architektenwettbewerbes durch einen Bürgerentscheid zu Fall gebracht worden.

Unter Denkmalschutz

Das Gasthaus Hirsch steht unter Denkmalschutz. Im Jahr 1688 brannte der Vorgängerbau ab, dann wurde der bestehende Gasthof errichtet. 1974 zerstörte ein Brand den Dachstuhl und die Giebelwände. Mitte 2014 wird das Gebäude an einen Makler veräußert. Dieser will es seit Dezember wieder verkaufen. Die Gemeinde hat sich die Immobilie „reserviert“, wie es der Rathauschef beim Info-Abend beschrieb. Und: Denklingen müsse keine Schulden aufnehmen, um in den nächsten Jahren so ein Projekt zu realisieren. Die Gemeinde habe „so viel Spielraum, dass wir beides leisten können“, sagte Kießling auch mit Blick auf das geplante Bürger- und Vereinszentrum.

Johannes Jais

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