Hartes Urteil am Amtsgericht Landsberg:

Bauer muss büßen: Geldstrafe für zweifachen Kitztod beim Mähen

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Weil er vor dem Mähen keine Sicherungsvorkehrungen (Foto) traf, hat ein Landwirt auf einer Wiese am Ammersee-Westufer zwei Rehkitze getötet. Jetzt wurde er am Amtsgericht Landsberg zu 2.400 Euro Geldstrafe verurteilt.

Dießen/Landsberg – Weil er beim Mähen seiner Wiese zwei Rehkitze tödlich verletzt hat, stand ein Landwirt aus der Ammer­see-Region jetzt vor dem Amtsgericht Landsberg. Und muss büßen. Ausschlaggebend für die erfolgte Verurteilung war, dass der 35-Jährige vor dem Mähen keinerlei Sicherungsvorkehrungen getroffen hatte.

Der Landwirt beteuerte, beim ersten Schnitt des Jahres stets vorsichtig und langsam zu fahren, um den Bereich vor dem Mähwerk im Blick zu behalten. Am fraglichen Vormittag im Mai sah er jedoch nicht, dass zwei Kitze in wenigen Metern Abstand voneinander in der Wiese lagen. Auch, dass die Tiere in sein Mähwerk gerieten, wollte er nicht bemerkt haben. Einem der etwa zwei Wochen alten Tiere wurde das Hinterteil abgetrennt, dem anderen die Hinterläufe.

Ein Spaziergänger fand am nächsten Tag die toten Kitze und verständigte den zuständigen Jagdaufseher. Dieser markierte die Fundstellen, ließ die Tiere aber zunächst liegen. „Der Herr hat sie zusammengemäht, er sollte sie auch sehen“, sagte der 68-Jährige im Zeugenstand an die Adresse des Angeklagten. Der Bauer selbst trug die toten Tiere später an den Waldrand und ließ sie dort liegen.

Der Jagdpächter, ein 66-Jähriger aus Seeshaupt, erstattete Anzeige. Das habe mit dem Landwirt persönlich nichts zu tun, versicherte er. Mit dem 35-Jährigen hatte er bis dahin keine schlechten Erfahrungen gemacht. In den vergangenen Jahren hatte dieser stets vor dem Mähen den Jagdaufseher verständigt, der dann die Wiese nach Rehkitzen absuchte, sie an den Waldrand brachte und nach dem Mähen in die Wiese zurücklegte. Dass nicht einmal auf diese Weise alle Kitze gefunden und gerettet werden können, sei ihm klar, so der 66-Jährige. Was ihn jedoch zunehmend ärgert, ist offenbar die Gleichgültigkeit einiger Landwirte. „Jetzt war das Maß mal voll.“ Der Angeklagte habe Pech gehabt.

Der Bauer hatte nach eigenem Bekunden sogar versucht, den Jagdaufseher im Vorfeld zu erreichen. Er habe auf dessen Mailbox gesprochen, allerdings wohl die falsche Nummer gehabt, so der 35-Jährige. Jedenfalls kam die Nachricht nie an. Inzwischen hat der Landwirt sich sogenannte Kitzretter angeschafft – Geräte, die mit Licht- und Tonsignalen dafür sorgen, dass Rehe sich fernhalten.

Seine Reue und die Tatsache, dass er keinerlei Vorstrafen hat, sprachen für den zweifachen Familienvater. Auch sei seine Aussage glaubwürdig gewesen, betonte die Anklagevertreterin. Negativ fiel ins Gewicht, dass der Landwirt seine Sorgfaltspflicht grob verletzt und dadurch „zwei besonders schutzbedürftige Tiere“ getötet habe. Sie beantragte eine Geldstrafe von 3.000 Euro.

Ungute Situation

Verteidiger Dominik Schletter zweifelte daran, dass der Angeklagte der Schuldige sei. Es könne ihm auch jemand anders die toten Tiere in die Wiese gelegt haben. Jedenfalls könne man dem 35-Jährigen nicht unterstellen, dass er den Tod der Kitze billigend in Kauf genommen habe. Es sei ihm nicht egal gewesen, ob Tiere in der Wiese waren. „Wenn es mir egal ist, rufe ich nicht den Jäger an.“ Maximal 1.500 Euro sollten in den Augen des Verteidigers verhängt werden.

Der Vorsitzende Richter Michael Eberle verurteilte den Landwirt wegen „Tötung von Wirbeltieren ohne vernünftigen Grund“ – wie es im Tierschutzgesetz heißt – zu einer Geldstrafe von 2.400 Euro (60 Tagessätze à 40 Euro). Nur auf eine Mailbox zu sprechen, reiche als Sicherheitsvorkehrung nicht aus. „Die Landwirte sind in einer unguten Situation“, betonte Eberle. Gerade deshalb sei es erforderlich, im Vorfeld alle Anstrengungen zu unternehmen, um strafbare Tiertötungen zu vermeiden.
Ulrike Osman

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