Mit Fachleuten ins Gespräch kommen

Solartag in Windach: Energiewende zum Selbermachen

Solarbetriebene Modelleisenbahn - Windach
+
Attraktion für Kinder beim Solar-Aktionstag in Windach: eiene Modelleisenbahn, die allein durch Sonnenkraft betrieben wird.
  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
    schließen

Windach – Klimawandel und Energiewende passieren nicht irgendwo, weit weg. Sie betreffen jeden Einzelnen in seiner Region und seiner Gemeinde, in seiner Wohnung und auf seinem Bankkonto. Solch klare Worte findet der Physiker Wilhelm Lüdeke aus Windach in seiner Ratgeber-Broschüre „Energiewende zum Selbermachen“. 

Der 60-Jährige will nach eigener Aussage „das Getöse herausnehmen aus dem Thema“. Er will nicht anklagen oder überfordern, sondern einfach dazu ermutigen, das Mögliche zu tun. Und das beginnt mit einer kritischen Bestandsaufnahme des energetischen Zustands der eigenen vier Wände. Wer sich unsicher ist, könne die Hilfe eines Energieberaters in Anspruch nehmen.

Tatsächlich ist es aber sehr einfach, den Energieverbrauch einer Wohnung zu ermitteln. „Es braucht zunächst nicht mehr als einen Meterstab (oder den Bauplan) und die Heizkosten- und die Stromabrechnung.“ Der Ölverbrauch in Litern oder Gasverbrauch in Kubikmetern mit 10 multipliziert ergibt die verbrauchten Kilowattstunden pro Jahr, rechnet Lüdeke vor. Dazu wird der jährliche Stromverbrauch in Kilowattstunden addiert und das Endergebnis durch die Quadratmeter des Wohnraums geteilt – schon weiß man, wie es um die Energieeffizienz der eigenen vier Wände bestellt ist und wie viel Einsparpotential besteht. Neubauten der höchsten Effizienzklasse verbrauchen nur noch 30 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.

Im nächsten Schritt rät der Physiker, die Schwachstellen im System herauszufinden – und damit die effizientesten Investitionsmöglichkeiten. Lüdeke spricht hier von „Quick-Wins“, von schnellen Gewinnen, und meint: Die ökonomisch sinnvollsten Maßnahmen bringen meist auch den ökologisch größten Nutzen.

„Gegebenenfalls können schon sehr einfache bauliche Maßnahmen am Bestand eine sehr große Wirkung erzielen“, schreibt der Windacher und zählt Schritte auf, die ohne „High-Tech oder riesige Investitionen“ eine große Wirkung erzielen: Dämmung von Dach oder Dachboden, Umstellung auf Brennwertheizung, Erneuerung von Fenstern und Türen. Amortisiert haben sich diese Maßnahmen dank der daraus folgenden Nebenkosten-Einsparungen unter Umständen schon nach wenigen Jahren. Ausführlich erläutert der Fachmann die relevanten Zusammenhänge der Bauphysik, greift Mythen auf und widerlegt sie (etwa, dass dreifach verglaste Fenster „zu dicht“ seien).

Lüdeke weiß nicht nur theoretisch, wovon er spricht. Er hat sein eigenes Haus saniert, einen über 100-jährigen Altbau mit einer zunächst „unterirdischen“ Energieeffizienz von etwa 400 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Inzwischen liegt der Wert bei 40 – dank Vollwärmeschutz, Dreifachverglasung, Zwischensparren- und Fußboden­dämmung, einer elektrisch betriebenen Wärmepumpe mit Tiefensonde und LED-Beleuchtung.

Solar-Aktionstag

Wer Interesse hat, kann am kommenden Samstag (12. Juni, 10 bis 14 Uhr) mit Wilhelm Lüdeke ins Gespräch kommen. Im Rahmen des Solar-Aktionstags vom Arbeitskreis Nachhaltiges Windach kann man sich an verschiedenen Thementischen vor dem Schlossmarkt über Eigenheimsanierung informieren und dazu beraten lassen. Auf Wunsch erstellt ein Solarplaner unverbindlich und kostenlos eine erste Kalkulation für eine PV-Anlage fürs Eigenheim. Mitzubringen sind hierfür die Stromverbräuche und Bilder des Hauses. Als Attraktion für Kinder und Jugendliche wird es eine mit Sonnenenergie betriebene Modelleisenbahn geben.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Inzidenz sinkt weiter, aber noch ein Todesfall
Inzidenz sinkt weiter, aber noch ein Todesfall
Bayern trägt Intel den Fliegerhorst Landsberg an
Bayern trägt Intel den Fliegerhorst Landsberg an
Landsbergs Grundschulen kämpfen mit den Corona-Folgen
Landsbergs Grundschulen kämpfen mit den Corona-Folgen
Hoffnung auf Sammersee-Festival im August
Hoffnung auf Sammersee-Festival im August

Kommentare