Landsberg: Erster Preis für ehret+klein

Preisgekrönt: Aus Pflugfabrik-Brache wird Papierbach-Quartier

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Wo sich aus der Pflugfabrik-Brache ein neues Stadtviertel entwickelt: Urbanes Leben am Papierbach in Landsberg.

Landsberg – Projektentwickler ehret+klein ist Gewinner des „polis Award“ in der Kategorie „Urbanes Flächenrecycling“. Der Preis wurde vor wenigen Tagen im Rahmen der digital durchgeführten Messe „polis Convention 2020“ vergeben. Die von 18 Experten gebildete Jury aus den Bereichen Politik, Immobilien und Stadtentwicklung befand, das im Bau befindliche Landsberger Papierbach-Quartier zeichne sich durch Mut und Kreativität aus; es erbringe einen Beitrag für das öffentliche Wohl der Stadt.

Nach eigenen Angaben war die Jury „begeistert davon, mit welch wegweisender Kreativität die Beteiligten eine Industriebrache in einen Schmelztiegel der Innenstadt umgewandelt haben. Hier überzeugt nicht nur die zukunftsträchtige Architektur, sondern auch die Vielfalt an Nutzungsmöglichkeiten, mit dem das neue Quartier einen großen Teil der Bürgerschaft erreicht. Die Jury ehrt darüber hinaus auch das innovative und ressourcenschonende Energiekonzept.“

Aus dem Kongressvideo: ehret + klein wird auf der digital durchgeführten Messe „polis Convention 2020“ zum Sieger in der Kategorie „Urbanes Flächenrecycling“ erklärt.

Dass Investor, Projektentwickler, Stadtrat und Verwaltung für das „Urbane Leben am Papierbach (ULP)“ so manche Auszeich­nung erhalten werden, ist nicht schwer vorauszusagen. Immerhin verwirklicht das Projekt viele städtebauliche Besonderheiten; dazu gehören die soziale Bodennutzung, die freiwilligen Gestaltungswettbewerbe, das Bemühen um umweltfreundliche Mobilität und Nachhaltigkeit, der Einsatz der Glasfaser in jeder Wohnung, die Integration von Kultur, Kitas, Einkaufen und Gastronomie, die Projektlenkung und Bürgerbeteiligung sowie eine nahezu einmütige Zusammenarbeit mit der Stadt bei der Erstellung des Bebauungsplans. Vieles davon kennt man aus anderen Projekten nicht.

Stadt der Zukunft

Freilich steht der Beweis des Gelingens noch aus; die Fertigstellung des gesamten Areals ist erst für 2024 geplant. Noch gibt es Diskussionen über den „Kulturbau“. Noch ist man sich nicht über die Stellplatzfrage einig. Und noch gibt es keine flankierenden Maßnahmen in Sachen Verkehr. Insofern überrascht es, dass ehret + klein schon jetzt mit der ersten Medaille dekoriert wird. Aber dem Auslober des Preises, dem Magazin polis aus dem Verlag Müller + Busmann, ging es vor allem um die perspektivische Planung im Hinblick auf die Stadt der Zukunft. Nur durch „engagierte und kooperative Lösungen“ auf der Basis gute Partnerschaft könne man neue Lösungswege beschreiten, lautet der Anspruch. ehret + klein habe genau das in vorbildlicher Weise getan.

Tatsächlich trug der Projektentwickler aus Starnberg maßgeblich zur Übernahme des Konzepts der Sozialen Bodennutzung (SoBoN) in Landsberg bei; ohne diesen Impuls wäre die Stadt wahrscheinlich immer noch in der rechtlichen Grauzone der „Abschöpfung“ von Planungsgewinnen unterwegs. Dieser Schritt hatte mehrere Folgewirkungen: Sozialwohnungen, Lechsteg und Kindertagesstätten wurden so zu integralen Bestandteilen des Quartiers; sie sind im städtebaulichen Vertrag verankert. ehret + klein kosteten dieses Zugeständnisse doppelt so viel wie das Areal selbst. Aber der Lohn dafür ist die Sicherheit, dass beide Seiten, Bauherr wie Stadt, an der Schaffung eines funktionierenden Quartiers dauer­haft mitwirken; niemand kann sich darauf berufen, inzwischen reiche das Geld nicht mehr.

Vor Kiel und Berlin

Ebenso beeindruckt war die Jury offenbar von der Vorgehens­weise des Projektentwicklers in der Planungsphase. Ehret + klein entschied sich, für jedes der 14 Baufelder einen eigenen Architektenwettbewerb durchzuführen; an ihnen nahmen Büros aus der ganzen Welt teil. Stadtrat und Verwaltung bezog er in Form einer Lenkungsgruppe ein. Die Stadt nominierte Bürger-­Vertreter, die an den Beratungen teilnahmen und als Mittler fungierten.

Weiterer Aspekt: ehret + klein entwickelte früh ein Mobilitätskonzept mit E-Car- und Bike-Sharing, das auch der Reduzierung des privaten PKW-Verkehrs und dem Parkraummanagement dienen soll. Diese Aspekte veranlassten die Jury, das Landsberger Projekt auf Platz 1 der Kategorie „Urbanes Flächenrecycling“ zu setzen. Der 2. Preis ging an „Wohnen und Arbeiten im Anscharpark Kiel“, der 3. Preis an „H6 Neue Platte Berlin“. Dass die Jury, darunter Essens Stadtbaurat Martin Harter, Aachens Planungsdezernentin Frauke Burgdorff und der Vorsitzende der Bundesstiftung Baukultur, Reiner Nagel, keines der Landeshauptstadt-Projekte, sondern eines aus einer oberbayerischen Mittelstadt ausgewählt hat, macht die Auszeichnung noch ein Stück bedeutender.

Die weiteren Kategorien waren Reaktivierte Zentren, Soziale Quartiersentwicklung, Lebenswerter Freiraum, Kommunikative Stadtgestaltung, Intelligente Nachverdichtung und Digitale Helden. Die Auszeichnung wird jährlich vergeben. In diesem Jahr lagen 140 Bewerbungen vor.
Werner Lauff

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