Mit der "Bell" im Rettungseinsatz – 50 Jahre SAR-Dienst

Ein SAR-Hubschrauber ist kein gewöhnlicher Hubschrauber, sondern einer, mit dem man Leben retten kann. Die „search and rescue“-Besatzungen haben durch ihren Einsatz schon über 190000 Menschen aus lebensbedrohlichen Situationen befreit. Seit 50 Jahren gibt es diese Einsatzkommandos der Bundeswehr: Ein Jubiläum, das am Donnerstag in Penzing gefeiert worden ist. Denn dort, auf dem Gelände des Fliegerhorstes, befindet sich einer der zehn Standorte der SAR-Kommandos in Deutschland.

Mit einem militärischen Appell begann die Jubiläumsfeier des Such- und Rettungsdienstes von Luftwaffe und Marine beim Lufttransportgeschwader 61 in Penzig. Soldaten der Luftwaffe gestalten die Parade. Später empfing Generalleutnant Manfred Lange die rund 200 Gäste im Gebäude der Offiziersheimgemeinschaft. Er hatte erst einen Tag zuvor das Amt des stellvertretenden Inspekteurs der Luftwaffe im Berliner Bundesministerium der Verteidigung angetreten. Lange würdigte die „anspruchsvolle Aufgabe“ des SAR-Dienstes und bezeichnete dessen Arbeit bei Luftwaffe und Marine als gelungenes Beispiel für gemeinsames Denken und Handeln. Aber auch den Rückzug der Bundeswehr aus der zivilen Rettung gab der Generalleutnant zu bedenken, denn der Rettungsauftrag werde mehr und mehr an zivile Einsatzkräfte übergeben. Hubschrauber und Besatzungen der SAR-Kommandos der Luftwaffe in Penzing stellt das Lufttransportgeschwader 61, das auch für den Standort in Ingolstadt verantwortlich ist. Koordiniert werden die SAR-Einsätze (Luftwaffe) durch das Luftransportkommando von der Leitstelle in Münster, die rund um die Uhr bereitsteht. Der SAR-Dienst rührt von der Seenotrettung mit Flugzeugen her. Die erste Luftrettungsstaffel wurde am 1. April 1959 in Fassberg/ Niedersachsen aufgestellt – damit nahm der Such- und Rettungsdienst seinen Anfang. Im Oktober 1966 begann die Arbeit des SAR-Kommando auf dem Fliegerhorst Penzing. Das dortige SAR-Kommando „rückte“ seitdem mit unterschiedlichen Hubschraubern, rund 11000 Mal aus und leistete etwa 11800 Menschen Hilfe. Vorrangig sind die SAR-Kräfte für die Rettung der Zivilbevölkerung bei schweren Unglücksfällen und zur Hilfeleistung bei Katastrophen im Einsatz. 30 Prozent der SAR-Dienste werden momentan zu militärischen Zwecken verrichtet. „Für die SAR-Kommandos werden in Zukunft aber mehr Auslandseinsätze zu militärischen Zwecken auf dem Programm stehen“, mutmaßte Generalmajor Hans-Werner Ahrens, der Kommandeur des Lufttransportkommandos in Münster, beim Pressegespräch nach der Jubiläumsfeier. Die Bundeswehr ist mit ihren Streitkräften im Ausland vertreten und der SAR-Dienst tut es ihm bereits nach: Seit Januar dieses Jahres ist das Lufttransportgeschwader 61 mit einem SAR-Kommando in Sarajevo/Bosnien prä- sent. Besonders am SAR-Dienst vor Ort bei den Penzingern ist die Bergrettung: Dafür brauchen die SAR-Piloten als Zusatzausbildung die Gebirgsflugbefähigung. „Wir machen einiges, was andere nicht machen“, erklärte Generalmajor Ahrens und hob die Nachteinsätze hervor, die vom SAR-Kommando geflogen werden. Seit 1969 kommt der leichte Transporthubschrauber Bell UH-1D in Penzing zum Einsatz, der eine Reichweite von etwa 500 Kilometer hat und 1400 PS stark ist. Bei einem Rettungseinsatz sind ein Pilot, ein Bordtechniker und ein Luftrettungsmeister an Bord. Ausgestattet ist der Hubschrauber unter anderem mit einem Zusatztank und medizinischer Ausrüstung auf dem Niveau eines Rettungswagens. Die Bell UH-1D, die an allen acht SAR-Kommandos der Luftwaffe eingesetzt wird, soll bald durch ein anderes Modell, den NH 90, ersetzt werden. Wann genau der „Neue“, der eine höhere Geschwindigkeit und größere Reichweite verspricht, eingeführt wird, ist noch unklar. Die Verantwortlichen für das SAR-Kommando beschäftigen sich bereits mit diesem neuen Typ, der, weil er auch größer und schwerer als die Bell UH-1D ist, sich weniger für die Gebirgsrettung eignet. „Gebirgsflugfähig“ aber soll er sein – daher muss dieser spezielle Einsatz baldmöglichst mit dem neuen Hubschrauber geübt werden. Wie lange der SAR-Dienst und das LTG 61 noch in Penzing seine Arbeit verrichten, bleibt aber ungewiss: Auch die Bundeswehr „reorganisiert sich“. Bei diesen Umstrukturierungsmaßnahmen müssen Standorte aufgegeben werden müssen. Nach Meinung von Generalmajor Ahrens mache es aber Sinn, die Kräfte in Penzing noch länger zu halten. Ahrens plädierte dafür, dass das SAR-Kommando zumindest so lang in Penzing bleibt wie das Geschwader dort besteht. Penzings Bürgermeister Johannes Erhard gratulierte dem Such- und Rettungsdienst zu seinem Dienstjubiläum und sprach ebenfalls dessen Zukunft in der Region an: „Ich hoffe und wünsche mir, dass das SAR-Kommando Landsberg als eine grundsätzliche, weil notwendige Einrichtung bleiben könnte.“

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