Das könnte Sie auch interessieren

Etappen-Sieg für die "Bienen-Retter"

Etappen-Sieg für die "Bienen-Retter"

Etappen-Sieg für die "Bienen-Retter"
Landkreis Landsberg zum FSME-Risikogebiet erklärt

Landkreis Landsberg zum FSME-Risikogebiet erklärt

Landkreis Landsberg zum FSME-Risikogebiet erklärt
Sechs afghanische Flüchtlinge nach Landsberg geschleust

Sechs afghanische Flüchtlinge nach Landsberg geschleust

Sechs afghanische Flüchtlinge nach Landsberg geschleust

Zweifelhafte Mobilitätssteckbriefe

+
Im Detail: Die Darstellung der neuen Wohngebiete an der Ahornallee (links) und Pfettenstraße (rechts) in den Mobilitätssteckbriefen zum Flächennutzungsplan.

Landsberg – Der neue Flächennutzungsplan, der Grundlage für die nächste Dekade der Bebauungsplanung sein soll, ist ausgearbeitet und wird nach jüngstem Stadtratsbeschluss bald ausgelegt. Nun können sich Bürger und Träger öffentlicher Belange zu Wort melden; nach der zweiten Runde ist es dann Sache des Stadtrats, politische Entscheidungen zu treffen. Der Planentwurf enthält auch 33 „Mobilitätssteckbriefe“. In ihnen ist aufgeführt, welche Auswirkungen neue Bau- und Gewerbegebiete sowie Sonderbauflächen im Einzelnen auf den Verkehr haben werden. Ihre Aussagekraft ist aber begrenzt, teilweise sogar zweifelhaft.

Ein Beispiel dafür bietet die drei Hektar große „Sonderbaufläche Landratsamt“ im Landsberger Osten. Der Mobilitätssteckbrief (kleine Abbildung) geht von 300 Beschäftigten aus. Pro Tag werden nach Berechnung der Verkehrsplaner unter Einschluss der Besucher 1.600 Wege zurückgelegt, zieht man Mitfahrer ab sind es 1.400 Wege. Woher diese Annahmen stammen und von welcher Besucherzahl aus welchen Landkreisgemeinden die Planer ausgehen, bleibt im Steckbrief offen.

Aber das ist nicht das einzige Problem: Zu jedem Mobilitäts­steckbrief gibt es eine Karte des Stadtgebiets mit den voraussichtlichen Auswirkungen, die durch die Ansiedlung entstehen. Im Fall des Landratsamts nimmt vor allem der Verkehr auf der Autobahn zu. Ein geringerer Teil fließt über die Münchener Straße und zuvor oder danach durch die Innenstadt. Das klingt plausibel. Verfolgt man diesen Verkehr, stellt man allerdings fest, dass die Planer überall die Zahl der PKW erhöhen, selbst auf der Von-Kühlmann-Straße. Dort müsste aufgrund der Verlagerung der Zulassungsstelle aber eine Reduzierung eintreten.

Die Prognose der Planer berücksichtigt also offenbar noch nicht einmal Verkehrsverlagerungen, die durch die Maßnahme selbst eintreten. Die Basis scheint eine „ceteris paribus“-Betrachtung im engsten Sinne zu sein – eine Berechnung unter ansonsten gleichbleibenden Umständen. Das könnte man noch verstehen, wenn es hier um ein einziges Bauvorhaben ginge. In Landsberg aber geht es um Veränderungen an 33 Stellen. Entscheiden kann man nur, wenn man die kumulativen Auswirkungen aller Maßnahmen kennt.

Ohne Verkehrsplan

Im konkreten Fall ist die Ausgangslage sogar noch ein Stück komplizierter: Der Verkehrs­entwicklungsplan, zu dem die Steckbriefe letztlich gehören, soll nicht nur dazu führen, dass die Bau- und Gewerbegebiete verkehrsverträglich sind. Der Plan soll vielmehr auch Konzepte für die Behebung der bisherigen Defizite im Landsberger Verkehr enthalten. Die notwendige Reduzierung der Autonutzung auf kurzen Strecken funktioniert nach übereinstimmender Auffassung aller Beteiligten nur, wenn dafür Alternativen in Form von Radwegen und einem stark verbesserten Bussystem geschaffen werden.

Diese Entwicklungen sind in den Steckbriefen aber offenbar nicht berücksichtigt, was am geringen Drei-Prozent-Anteil der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs von und zum neuen Landratsamts-Standort deutlich wird. Dieser niedrige Wert wird mit den Sätzen begründet: „Busse halten an der nächsten Bushaltestelle nicht regelmäßig. Möglichkeiten zur Verbesserung der Bedienungshäufigkeit sind zu prüfen.“ Ja, genau das ist vorgesehen. Aber wieso rechnet man die Effekte dieser Maßnahme dann nicht ein?

An anderer Stelle könnte die äußerst enge Betrachtung hingegen durchbrochen worden sein. Dass 20 Prozent der Wege von und zur gebündelten Landrats­amt-Außenstelle nach der Prognose zu Fuß oder mit dem Fahrrad stattfinden, soll sich aus der „Nachbarschaft zu Wohngebieten“ ergeben. Aber wie viele Mitarbeiter ziehen wegen der Verlagerung ihres Arbeitsplatzes in den Landsberger Osten um? Wenn überhaupt, dann käme dafür mangels freier Wohnungen nur das geplante Wohngebiet am Reischer Talweg in Betracht. Haben die Verkehrsplaner das im Auge gehabt? Dann wäre dort die perspektivische Betrachtung eingeflossen, die beim öffentlichen Nahverkehr fehlt.

Die unberücksichtigte Verlagerung von Routen, die fehlende Kumulation der neuen Verkehrsströme und die mangelnde Berücksichtigung der Maßnahmen zur Reduzierung des Individual­verkehrs führen zu einer momen­tan noch sehr begrenzten Aussagekraft der Steckbriefe. Sie sind für die Entscheidungsfindung notwendig, aber nicht hinreichend.

Arg pointiert

Das wird besonders deutlich, wenn man die Annahmen der Verkehrsplaner zu den zusammen neun Hektar großen Bauge­bieten „Bereich W9“ und „Pfettenstraße“ untersucht (große Abbildung). In beiden Fällen sollen auf Grundstücken des Freistaats preisgünstige Wohnungen entstehen. Im Bereich W9 südlich der Iglinger Straße und westlich der Ahornallee geht es um 413, an der Pfetten­straße um 513 Bewohner.

Beispiel für einen der 33 Steckbriefe als Anlage zum Flächennutzungsplan.

Die Verkehrsströme wirken an dieser Stelle zunächst einmal arg pointiert. Beispielsweise biegen alle – wirklich alle – PKW, die aus Richtung Kaufering kommen, in die Lechwiesenstraße ab, um von dort über die Iglinger Straße, die Lindenallee und die nördliche Ahornallee zu ihren Wohnungen zu fahren; niemand nimmt die Augsburger Straße. Auch auf der östlichen Zufahrt gibt es so eine Annahme. Sämtliche Fahrzeuge, die von der Augsburger Straße in die Iglinger Straße fahren, biegen an der Lechrain-Apotheke nach links in die Ahornallee ab; keines fährt durch.

Darüber könnte man noch hinwegsehen; eine Petitesse. Aber nicht darüber, dass die Verkehrsströme nicht die übrigen Planungsziele berücksichtigen. Erklärtes Ziel der Politik ist auch, die „Nord-Süd-Nebenroute“ Ahornallee - Lindenallee - Iglinger Straße - Lechwiesenstraße sowie Augsburger Straße - Iglinger Straße - Lechwiesenstraße unattraktiver zu machen, und zwar sowohl im Interesse der Anwohner der Ahornallee wie auch der Iglinger Straße. Die Verkehrsführung, die die Planer in ihren Berechnungen unterstellen, verstärken aber den Verkehr an allen diesen Stellen, anstatt ihn zu reduzieren.

Dabei fällt auch auf, dass keine Anbindung des „Bereichs W9“ von der Iglinger Straße eingeplant ist, obwohl man von dort die Autobahnanschlüsse Landsberg-West und Landsberg-Nord besonders einfach erreichen könnte – genau über die Wege, die dafür vorgesehen sind. Auch gibt es offenbar noch keine Berechnung, welche Auswirkungen die vorgeschlagene Tangente vom Klinikum zu Rational haben würde. Dass an der Pfettenstraße sämtlicher Anwohner- und Besucherverkehr offenbar an den dort vorhandenen Einfamilienhäusern vorbeiführen soll (die Zeichnung enthält dort die dickste Verkehrsstromlinie aller 33 Steckbriefe), bekräftigt, dass die derzeitige Vorlage eher Probleme als Lösungen aufzeigt.

Modelle simulieren

Wie sollen Bürger und Stadtpolitik mit diesen Daten arbeiten? Schon im Hinblick auf den Flächennutzungsplan und die 33 Gebiete kann es nur einen Weg geben: Die Stadt muss im Dialog mit den Verkehrsplanern unterschiedliche Modelle simulieren. Wer ein Wohngebiet errichten kann, der kann auch einen Verkehrsweg schaffen, mindestens Anbindungen an vorhandene Verkehrswege. Aber im Flächennutzungsplan dürfen auch Tangenten, Schrägaufzüge, Lechbrücken und Bundestraßen-Überquerungen keine Tabus sein.

In diese Modelle müssen die viel weiter reichenden Annah­men des Verkehrsentwicklungs­plans einfließen. Dessen konkreter Inhalt ist noch komplett unbekannt. Der „Mobilitätssteckbrief Pfettenstraße“ könnte beispielsweise keine 1.030 Fahrbewegungen pro Tag an den bestehenden Häusern vorbei ausweisen, wenn klar wäre, dass dort im Zehn-Minuten-Takt ein Stadtbus hält, der auch den Bahnhof Kaufering bedient. Genauer gesagt würde der Begriff „Mobilitätssteckbrief“ überhaupt erst dann eine Berechtigung erhalten.

Fazit: Die Stadt macht es sich zu einfach, wenn sie den Flächen­nutzungsplan-Entwurf ohne einen ausgearbeiteten Verkehrsplan und mit unkommen­tierten Mobilitätssteckbriefen auf „ceteris-paribus“-Basis auslegt. Damit suggeriert sie den Bürgern: „Wir wollen das so machen, wie es da steht.“ In Wirklichkeit wollen wir es nicht so machen; das geht aus der städtischen Gesamtstrategie hervor. Die Stadt spricht von Visionen, legt aber ein in verkehrlicher Hinsicht visionsfreies Papier vor? Das ist ein Fehler.

Werner Lauff

Das könnte Sie auch interessieren

Besser Biergarteln am Lech:

Der Lechgarten-Anbau ist genehmigt

Der Lechgarten-Anbau ist genehmigt

Aktuell auf Rang 2 im Bayernranking

Rettet die Bienen: Utting ist bayernweit spitze!

Rettet die Bienen: Utting ist bayernweit spitze!

Vielleicht klappt es ja im zweiten Anlauf mit dem Chefsessel:

Gabriele Uitz sagt "Servus, Kaufering!" und  "Grüß Gott, Dießen!" 

Gabriele Uitz sagt "Servus, Kaufering!" und  "Grüß Gott, Dießen!" 

Auch interessant

Meistgelesen

Standing Ovations für die Drum-Stars
Standing Ovations für die Drum-Stars
Plakate überklebt: Fasching kontra Volksbegehren
Plakate überklebt: Fasching kontra Volksbegehren
Konzepte gegen Parkplatznot - Stadtentwicklungsausschuss plant
Konzepte gegen Parkplatznot - Stadtentwicklungsausschuss plant
Petitionsausschuss des Landtags besichtigt Baugebiet "Am Lech"
Petitionsausschuss des Landtags besichtigt Baugebiet "Am Lech"

Kommentare