Windkraftgegner machen mobil

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Das Interesse am geplanten Windpark war riesengroß. Die Mehrzweckhalle der Gemeinde Denklingen war bis auf den letzten Platz gefüllt. Wer nicht rechtzeitig kam, musste mit einem Stehplatz vorlieb nehmen.

Denklingen – Die Diskussion um den geplanten Windpark im Sachsenrieder Forst nimmt Fahrt auf. Die kürzlich neugegründete Bürgerinitiative „Wald Wind Wahnsinn“ hatte zu einer Infoveranstaltung eingeladen, um die Resonanz der Bevölkerung zu diesem Projekt auszuloten.

Deren Organisatoren Martin Steger und Christian Unsin waren zufrieden. Schätzungsweise 400 Besucher waren gekommen. Steger und Unsin stufen diese Besucher als Kritiker und Gegner des Projektes ein. Doch bereits im Vorfeld hatte es Unstimmigkeiten gegeben. Die Gemeinde Denklingen wollte zunächst keine Halle zur Verfügung stellen (wir berichteten). Dann wollte Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg als Mitinitiator des Windparks mit auf dem Podium sitzen. Das lehnten die Windkraftgegner ab. Darüber hinaus gab es heftigen Mail-Verkehr. Ein Flyer der Windkraftgegner habe Aggressionen geschürt, schreibt Karg in einer E-Mail, die dem KREISBOTEN vorliegt, an seine Gegner. „Gemeinderatsmitglieder, deren Familien und auch Kinder seien persönlich massiv angegangen worden“.

Die Gemeinden Fuchstal und Denklingen als Initiatoren des geplanten Windparks sahen sich veranlasst, kurzfristig ebenfalls einen Flyer mit den wichtigsten Fakten an jeden Haushalt zu verteilen, um ihre Argumente darzulegen. Damit reagierten die Gemeindechefs auf den Vorwurf ihrer Kritiker, nicht genügend Transparenz geschaffen zu haben.

„Es geht uns um die Heimat, um die Natur, den Artenschutz und um den Erhalt der Grünen Lunge“, erklärte Martin Steger, der selbst Gemeinderatsmitglied in Denklingen ist. Wenn erst die Bagger anrollen, sei es zu spät. Steger drückte seine Besorgnis darüber aus, dass die Maßnahmen schon beschlossen seien. Martin Steger und Christian Unsin zeigten den Besuchern eine Diapräsentation, in der sie alle Argumente gegen das Projekt visualisiert hatten. Negative Auswirkungen auf Natur, Mensch und Tier waren ebenso Themen wie die Wirtschaftlichkeit von Windkraftanlagen, die Baustellenproble-matik im Wald, Finanzierungsfragen, Wertminderung der Häuser oder die Schaffung von Ausgleichsflächen. Auch Horst Seehofers Argumentationen kamen nicht zu kurz. Der hatte erklärt, dass die Energiewende nur im Konsens mit der Bevölkerung machbar sei. Man solle anderen nicht zumuten, was man selbst nicht vor der Terrasse haben will.

„Windstrom ist Zufallsstrom, nicht grundlastfähig und hinter jedem Windkraftwerk steht deshalb ein Schattenkraftwerk“, argumentierte Christian Unsin. „Wir haben zu viel Strom und sollten deshalb zuerst die Speichertechnik und den Netzausbau vorantreiben“, meinte Martin Steger. Weiter führte er aus, dass der Strom teilweise nicht verwendet werden könne, nichts passe zusammen. Steger warnte vor dem gigantischen Baustellenverkehr, der auf die Gemeinden zurolle. Allein für das Fundament einer Anlage würden bis zu 130 Betonmischer durch den Ort und den Wald fahren. Weiter führten die Windkraftkritiker ins Feld, dass Anlagen in Bayern schon deswegen nicht wirtschaftlich zu betreiben seien, weil das Land „windarm“ sei. Kostendeckend seien Windanlagen, wenn mindestens eine Windgeschwindigkeit von sechs Meter pro Sekunde vorhanden sei. In der Region seien aber nur 3,9 bis 4,6 Meter pro Sekunde durchschnittlich zu erwarten. Christian Unsin zog als Fazit: „Wenn es nicht wirtschaftlich ist, soll man es ganz lassen“. 

Der Windkraftgegner warnte auch die Bürger davor, als Kommanditist sich an Windkraftanlagen zu beteiligen. „Die Stimmung im Land fängt an zu kippen“, betonte Steger. Er kritisierte, dass man bei dem geplanten Windkraftprojekt die Akzeptanz der Bevölkerung vorher nicht abgefragt habe. „Viele Bürgermeister konnten der finanziellen Verlockung nicht widerstehen“, sagte Steger und Unsin ergänzte, dass es nicht Aufgabe von Bürgermeistern sei, Betreiberfirmen von Windkraftanlagen zu gründen.

In der anschließenden Diskussion kochten dann schon einmal die Emotionen hoch. Ein Fuchstaler Bürger hatte sich zu Wort gemeldet und seinen Gefühl Ausdruck verliehen, dass die Infoveranstaltung nicht seinen Erwartungen entsprochen habe. Dafür erntete er Pfiffe und Buhrufe. Ludwig Kees, Windkraftgegner aus Ingenried, griff frontal Bürgermeister Erwin Karg an und betätigte sich als Volksredner, bis ihn „Aufhören-Rufe“ stoppten. CSU-Landratskandidat Thomas Eichinger betonte, dass keiner eine Landschaftsverschandelung wolle. Bei Windrädern sei es so wie bei Mobilfunkmasten. Keiner wolle sie vor der Haustüre haben. Er wies aber auch darauf hin, dass „keiner gesagt habe, dass 50 Windräder errichtet werden“.

„Warum hat eigentlich niemand nachgefragt, wie wirtschaftlich die beiden bereits in Denklingen stehend Windräder sind“, wurde aus dem Publikum gefragt. Christian Unsin gab seine persönliche Einschätzung wieder, die er aus dem Internet recherchiert habe. Demnach sei die Wirtschaftlichkeit grenzwertig, sagte Unsinn.

Es entbehrte nicht einer gewissen Ironie, dass Wolfgang Michalke im Publikum saß. Er ist Geschäftsführer der Windstrom Süd GmbH, die die beiden Denklinger Windräder betreibt. „Man sollte sich anständig informieren“, konterte er und kritisierte, dass ihn keiner gefragt habe, weder damals bei der ersten Informationsveranstaltung der Gemeinden im Dezember 2012 noch bei der jetzigen Veranstaltung der Windkraftgegner. Michalke gab sich auskunftsfreudig und erklärte, dass seine Windräder rentabel seien. Zwar habe er nicht die Rendite von großen Energiekonzernen, aber seine Rendite liege zwischen drei und fünf Prozent. Er sagte, dass er bisher 25 Millionen Kilowattstunden sauberen Strom produziert habe. Auch das Argument, dass Herstellung der Windräder mehr Energie verschlinge als jemals produziert würde, ließ er nicht gelten. Das habe sich schon nach einem Jahr amortisiert, betonte er.

Denklingens Rathauschefin Viktoria Horber wies die Windkraftgegner darauf hin, dass die Energiewende keine Erfindung der Gemeinde Denklingen sei. „Wir machen das nicht leichtfertig“, sagte Horber und nahm ihre verantwortungsbewussten Gemeinderäte in Schutz. Gegen den Vorwurf der mangelnden Transparenz wehrte sich Horber mit Hinweis auf die eigene Informationsveranstaltung im Jahr 2012, die öffentlichen Gemeinderatssitzungen und Veröffentlichungen im Gemeindeblatt und in der Presse. „Wir sind im Prüfungsverfahren. Es sei noch überhaupt nichts entschieden“, resümierte die Rathauschefin.

C. Spörer

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