"Viel Verkehr und wenig Platz"

+
Nicht nur bergauf wird es eng in der Neuen Bergstraße, wenn Auto- und Radfahrer aufeinander treffen.

Landsberg – Der offizielle Beschluss klingt erst einmal mager. Für eine „nicht nur sichere, sondern komfortable Radverkehrsverbindung“ vom Kreisverkehr am Bayertor aus sprach sich der Bauausschuss der Stadt Landsberg jetzt aus und reduzierte dabei das Ziel entgegen dem ursprünglichen Antrag der Grünen einstimmig sogar noch vom „Schongauer Dreieck“ auf den Hauptplatz. Dennoch könnte damit endgültig der Umbau der Neuen Bergstraße angestoßen sein.

OB Neuner brachte den mühsam erarbeiteten Kompromiss auf den Punkt. „Ich denke, es besteht Konsens, dass wir bessere Radwege in der Neuen Bergstraße wollen, die Details werden wir dann noch im Finanzausschuss und in den Haushaltsberatungen besprechen.“ Für ihn war nach den Vorarbeiten außerdem klar: „Eine Umgestaltung wird uns bergab wohl rund 130000 Euro, bergauf 430000 Euro kosten. Herr Huttenloher vom Bauamt hat sich viel Arbeit gemacht und uns damit auf jeden Fall schon einmal Planungskosten gespart.“ 

In der Tat hatte der Leiter des Tiefbauamts im Vorfeld auf den Antrag der Grünen hin dezidiert die Möglichkeiten ausgearbeitet, die Situation für die Radfahrer auf der östlichen Hauptverkehrsachse in Landsberg zu verbessern und dabei alle Gegebenheiten in Betracht gezogen. Dass danach keiner der Vorschläge perfekt war, dürfte vor allem der schwierigen Topologie entlang des Lechhangs geschuldet sein, wie auch Moritz Hartmann (Grüne) einräumte. „Das ist wirklich nicht einfach, hier eine hundertprozentige Lösung zu finden. Wir haben viel Verkehr und wenig Platz.“ Einig ist man sich, dass der Fußweg zwischen Maibaum und Fußgängerabgang vom Schlossberg aufgelöst wird, das Trottoir sei dort „ohnehin ohne Funktion“, wie Huttenloher analysiert hatte.

Stattdessen soll es dann im Kurvenbereich einen breiteren Fahrradstreifen geben. Darüber hinaus fand man allerdings weiterhin mehr Diskurs als Lösungsansatz. Sollen die Radler schon nach der Kurve wieder in den „Mischverkehr“ geführt werden oder doch bis zur Schlossergasse auf einem eigenen Streifen fahren? Polizei, Verwaltung und der örtliche ADFC warnten nach einer Ortsbegehung vor letzterem Modell, gab Ernst Müller (Öf- fentliche Sicherheit) zu Protokoll. „Wenn die Autofahrer künftig über einen abgetrennten Streifen nach rechts in die Tiefgarage einbiegen, schaffen wir möglicherweise einen neuen Gefahrenschwerpunkt.“ Für die CSU plädierte Berthold Lesch dennoch für diese Lösung, „aber nur, wenn dort Tempo 30 möglich ist, das müsste Herr Müller bei der Regierung klären.“ 

Dazu sieht sich dieser wiederum im Moment außerstande. „Man hat uns dort bei anderen Punkten bereits mitgeteilt, dass man derzeit wichtigere Dinge zu entscheiden hat.“ Jetzt soll von der Fachstelle beim ADFC-Landesverband eine Stellungnahme zum besten Ein- fädelpunkt eingeholt werden. Noch schwieriger ist die Problemlösung für die bergauf radelnden Bürger, vor allem im Kurvenbereich. Wer dort auf der Fahrbahn fährt, wird oft von Autofahrern an den Rand gedrängt. Die bisherige „Mittelleitplanke“ will aus Sicherheitsgründen allerdings niemand abschaffen. Auf dem Fußweg wird es aber ebenfalls eng, vor allem, wenn sich Radler (bergauf) und Fußgänger (bergab) begegnen. „Der ortskundige Fahrradfahrer weiß, dass das im Prinzip ein geteilter Fuß- und Radweg ist. Die Polizei hat uns auch versichert, dass sie niemanden verwarnen wird, der dort fährt“, so Huttenloher. „Aber damit man das offiziell so beschildern könnte, müsste der Weg etwa einen Meter breiter sein, das schaffen wir nicht. Und es geht natürlich bei Begegnungen schon eng zu, da ist man im Moment auf gegenseitige Rücksicht angewiesen.“ Dabei wird es in dieser Verkehrsrichtung wohl auch erst einmal bleiben. 

Um die Situation zu entschärfen, müsste auf der Außenseite der Kurve in Richtung „Schlucht“ angebaut werden – das wäre extrem kostspielig. Im unteren Bereich der Neuen Bergstraße können sich mehrere Ausschussmitglieder dagegen durchaus Änderungen vorstellen, um die Fuß- und Radwege zu verbreitern. Die Linksabbiegerspur zur Schlossberg-Garage aufzulösen, ist ein Vorschlag von Moritz Hartmann. „Das kann man machen, Sie schicken damit aber die Autofahrer 700 Meter zum Kreisverkehr rauf und wieder runter“, gab Huttenloher zu bedenken. „Ja, gerne“, so Moritz Hartmann, der auch bei Lesch Unterstützung fand. „Wir haben beschlossen, dass das Stadtentwicklungskonzept umgesetzt werden soll. Und das sagt klar, dass die Autofahrer aus dem Westen nicht in die Schlossberggarage fahren sollen."

Christoph Kruse

Auch interessant

Meistgelesen

Penzinger Feld gewinnt das Tauziehen
Penzinger Feld gewinnt das Tauziehen
Der zahnlose Tiger im Nahverkehr
Der zahnlose Tiger im Nahverkehr
Ziegelanger: Wohnungsbau mit Stolpersteinen
Ziegelanger: Wohnungsbau mit Stolpersteinen
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben

Kommentare