Der Lockdown jährt sich

Bericht im Kreistag: ein Jahr Pandemie im Landkreis Landsberg

Leerer Hauptplatz in Landsberg Lockdown
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So sah der Hauptplatz vor rund einem Jahr während des ersten Lockdowns aus. Damals rechneten wohl die meisten noch mit eher kurzfristigen Änderungen des Alltags.
  • Susanne Greiner
    vonSusanne Greiner
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Landkreis – 8.760 Stunden oder 525.600 Minuten sind vergangen, seit es am 21. März vergangenen Jahres in Bayern zum ersten Mal in den Lockdown ging. Anlässlich des ‚Jahrestages‘ gab es im Kreistag am Dienstagabend einen Rückblick auf das Corona-Jahr: Entwicklungen, Ereignisse und Maßnahmen, die im Landkreis umgesetzt wurden.

Die Grafiken für die Inzidenzzahl und die Fallzahlen im Verlauf des Jahres, die die Leiterin der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) im Landratsamt Maria Matheis und Dr. Manuel Müller Hahl, der Leiter des Contact Tracing Teams, zeigen, veranschaulichen den Pandemie-Verlauf: Nach der ersten Welle im März stiegen die Zahlen seit September wieder. Müller-Hahl macht hierfür die Reiserückkehrer verantwortlich. Die habe man per Kontaktnachverfolgung noch einfangen können. Der erneute Anstieg im November, die zweite Welle, habe leider weitaus mehr Todesfälle gefordert: Zählte man in der ersten Welle im Landkreis zehn Personen, die infolge einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben waren, „liegen wir jetzt bei 57“, so der Amtsarzt am Dienstag.

Das Ausbruchsgeschehen im Klinikum sei soweit unter Kontrolle, sagt FüGK-Leiterin Matheis. Man hoffe, ab April dort zum Normalbetrieb zurückkehren zu können. Den Cluster der Mutationen habe man aktuell abfangen können. Allerdings könnte ein gerade leichter Fallzahlen-Anstieg auf den „Beginn einer weiteren Kurve“ hindeuten, was auf die Mutationen zurückzuführen sei. Zwar höre sich die Situation momentan entspannt an – die Inzidenz lag letzte Woche stabil bei einem Wert um 35 –, „aber alle Experten erwarten eine dritte Welle“, warnt Matheis. Dazu komme, dass die Bevölkerung keine Lust mehr auf die Maßnahmen gegen die Pandemie habe. Das bekomme man im Landrats­amt deutlich durch Forderungen und Widerstände gegen die Anordnungen zu spüren.

Schwierigkeiten gebe es aufgrund der sich ständig ändernden Rechtslage, zum Beispiel in Bezug auf eine Quarantäne-Pflicht bei Einreisenden, führt Matheis fort. Auch die Einarbeitung neuen Personals sei deshalb nicht einfach – zudem fehle meist die Zeit. „Es herrscht eine allgemeine Erschöpfung. Wir werden am Telefon auch angefeindet, da braucht man schon ein dickes Fell.“

Die Impfsituation

„Wir verwalten einen Notstand“, fasst der Leiter des Impfzentrums Peter Rasch die Lage zusammen. Die gute Nachricht: Immerhin gebe es im Landkreis bisher rund 60.000 Impfwillige. Das seien mehr als zwei Drittel der Bevölkerung, wenn man die rund 20.000 Personen unter 18 Jahren abziehe, für die es noch keinen Impfstoff gebe (Kinder und Jugendliche wurden bisher nicht in die Studien für die Impfstoffe mit einbezogen. Allerdings startet das US-Unternehmen Moderna gerade eine Impfstudie für seinen Impfstoff mit Kindern unter zwölf Jahren).

In dieser Woche habe man eigentlich 2.540 Impfdosen erwartet, so Rasch. Durch den Wegfall von AstraZeneca seien es aber nur 1.840. „Das reicht also, um 900 Menschen zu impfen – eingerechnet der Zweitimpfung.“ Hausärzte in den Impfprozess einzubinden hält Rasch momentan für wenig zielführend: „Das Problem ist der fehlende Impfstoff, nicht die Verimpfung.“ Für die kommende Zeit sei eigentlich geplant, 3.300 Impfungen pro Woche im Fliegerhorst zu ermöglichen. „Alle Impfstofflieferungen, die darüber hinausgehen, sollen die Hausärzte erhalten.“ Aber davon sei man momentan noch weit entfernt: „Und daran wird sich auch in allernächster Zukunft nichts ändern“.

Ein Lichtblick ist für Rasch, dass der Großteil der Landkreisbewohner über 80 geimpft sei, „die Lücken arbeiten wir ab“. Man habe gerade mit AstraZeneca zur zweiten Priorisierungsgruppe übergehen wollen.

Dr. Peter Friedl (Grüne) hakte im Auftrag von MdL Gabriele Triebel nach, wann die Grundschullehrer geimpft werden könnten. „Mit AstraZeneca hätten wir sie im März impfen können“, antwortete Landrat Thomas Eichinger (CSU). Momentan sei die Situation aber unklar. Rasch verdeutlichte auch, dass pro Grundschule weitaus mehr Personen als nur die Lehrer zu impfen seien: auch Reinigungskräfte, Hausmeister, „der Bäcker, der in der Pause Semmeln verkauft“. Das seien pro Schule gerne mal 70 Personen. Da die Impfeinladungen durch das System BayIMCO geregelt würden, werde momentan die 65-jährige Reinigungskraft früher geimpft, als die 35-jährige Lehrerin. Rasch sieht die Impfung für Lehrer deshalb erst Ende April, „das wird unlustig.“ Vorher erwarte er keine höheren Liefermengen der vorhandenen Impfstoffe.

Auch die Impfung der Menschen in Behinderteneinrichtung habe man mit AstraZeneca gestartet und bereits rund 200 Personen versorgt. Aber damit sei nur ein Fünftel abgedeckt. Ebenso für die rund 300 älteren Menschen im Landkreis, die immobil sind, ergebe der Wegfall von AstraZeneca ein Problem. Denn die Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer seien zu empfindlich, um sie als Einzeldosis transportieren zu können. „Der nächste Impfstoff wäre der von Johnson & Johnson. Aber den sehe ich nicht vor Mai“, bedauert Impfzentrumsleiter Rasch.

Die Testsituation

Momentan habe man die Testungen im Pandemiezentrum Penzing gut im Griff, informierte Rasch. Die Nachfrage nach Schnelltests werde allerdings immer größer. Eventuell werde man eine weitere Teststrecke speziell für die Schnelltests ausbauen.

Schnelltests werden im Landkreis in nahezu allen Apotheken angeboten und dort auch von geschultem Personal ausgeführt. Selbsttests sollen strategisch die Schul­öffnungen in Bayern unterstützen und Schülern und Lehrern regelmäßige Selbsttestungen ermöglichen. Den Selbsttests gegenüber zeigte Eichinger sich allerdings eher skeptisch: „Werden die von einem Laien richtig abgenommen? Und gelangt ein positives Ergebnis auch wirklich zum Gesundheitsamt?“

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