Der "Goldene Apfel" muss schließen

Schmerzhafter Abschied

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Hört aus gesundheitlichen Gründen im „Goldenen Apfel“ auf: Pächter und Koch Bernhard Heiß (kleines Foto). Söhnchen Pius aber freut sich, dass künftig der Papa mehr Zeit hat.

Apfeldorf – Eine Ära geht zu Ende: Bernhard Heiß hört als Pächter des „Goldenen Apfel“ auf – aus gesundheitlichen Gründen. Das bekannte Lokal verliert damit seinen kreativen Pächter und Koch, der den „Apfel“ zum Dorftreff und zur Kulinarik-Adresse machte.

Mehr als sechs Jahre exzellente Bewirtung enden – da bluten vielen die Herzen. Bernhard Heiß hatte den Spagat geschafft, mit seiner Gastronomie nicht nur Feinschmecker bis aus München zu begeistern, sondern auch die Dorfleute. „Es war immer mein Ziel, dass man bei mir genauso im Arbeitsgewand sein Bier trinken kann, aber dennoch gut essen kann“, sagt Heiß. Wegen einer alten Verletzung macht sein linkes Handgelenk nicht mehr mit – fatal für einen Koch. So gibt der 46-Jährige sein Lokal auf – auch wenn es schwer fällt.

Es ist kein Geheimnis, dass sich Geschäftsleute und Vorstands­chefs aus Südbayern gern im „Goldenen Apfel“ zum Schmausen treffen. Gleichzeitig ist das kleine Lokal ein echtes Dorfwirtshaus. Gemütlich ist es drinnen, lauschig draußen im Garten. Muss ja nicht immer eine edle Rinderlende sein, manchmal reicht ein Kellerbier oder ein Glaserl Lugana zum Beisammensein. Der Apfelschnaps am Schluss war ein liebenswertes Ritual, das viel gerne mitmachten. Klar: Heiß’ Küche war nie zu Spottpreis zu bekommen. Dafür gab es echte Slowfood-Qualität.

Was es aber immer gratis gab: Die spezielle entspannte Atmos­phäre freundlicher Gastlichkeit, was auch an Heiß’ nettem Team lag. Der Apfeldorfer Gemeinderat kam gern zur „Nachsitzung“, um nach hitziger Diskussion friedlich anzustoßen. Als Ausklang des jährlichen Weihnachtsmarkt trafen sich hier immer die Besucher aus dem halben Landkreis: Glücklich, wer da einen Platz ergatterte und im fröhlichen Gedränge eine Gutenacht-Halbe lupfen konnte.

Eigentlich hatte Bernhard Heiß damals nicht mehr so recht an seinen Traum geglaubt. „Ich war 39, mein Leben plätscherte dahin“, sagt der heute 46-Jährige. Eigenes Lokal, wie jeder Koch es sich wünscht? In weiter Ferne. Eine Familie? Wird wohl nichts mehr. Auf seinem täglichen Arbeitsweg von Rott nach Lechbruck, wo er eine Klinikkantine leitete, kam er täglich durch Apfeldorf – und am „ Apfel“ vorbei. Der Mann einer Cousine fädelte ein Gespräch mit der Besitzer­familie Meilhaus ein. Am 1. Mai vor sechs Jahren war es soweit: Heiß, der seine Ausbildung in der renommierten Schweizer Hotellerie absolviert hatte, durfte in der winzigen Küche zeigen, was er konnte.

„Wir wollten stets etwas Besonderes bieten“, sagt Heiß. Und: „Ich hab mich nie als Gastro-Vollsortimenter verstanden.“ Das bedeutete: Heiß hatte immer nur drei bis vier Gerichte auf der Karte – die aber mit Pfiff. Edle Weine, Fleisch aus der Region, hochwertige Produkte, originelle Desserts, das meiste selbstgemacht. Ein versiertes, freundliches Serviceteam und drei kleine Gästezimmer rundeten das Wohlfühlprogramm ab.

Und das kam gut an: Neben der Mundpropaganda wurde das Haus bald überregional bekannt: Der Playboy und die Zeitschrift Freundin berichteten darüber. Die Süddeutsche Zeitung und der Restaurantführer DelicatEssen brachten wohlwollende Kritiken. Möglicherweise der beste Moment dieser Zeit für den Wirt: 2011 lernte Heiß im Lokal seine heutige Ehefrau Sabrina kennen. Die beiden haben sich ein Häuschen gebaut und sind inzwischen glückliche Eltern und Apfeldorfer.

Dennoch: Im ersten Jahr kriegte der Restaurantnovize die saisonalen Schwankungen voll ab. „Wie waren drei Wochen voll, dann war es in den Pfingstferien tot – und ich hatte eine Menge Ware eingekauft.“ Kollegen beruhigten ihn: Das ist immer so. Man lernt dazu: Seither machte Heiß an Pfingsten selbst Urlaub.

Doch Ostern 2017 macht die Gesundheit ihm einen Strich durch die Rechnung. Heiß hat seither dauerhaft starke Schmerzen im Handgelenk.Vor etwa 17 Jahren erlitt er eine Verletzung beim Fußball. Ein so genannter Kahnbeinbruch kam beim Arzt heraus: Schon damals zeichneten sich Spätfolgen ab. Und nun die niederschmetternde Diagnose: Im Oktober muss sein Handgelenk teilversteift werden. Und wird nicht mehr so belastbar sein. „Als Koch geht das nicht. Ein Kochtopf hat mit Inhalt schon mal 40 Kilo, und schnell muss es auch immer gehen“, bedauert der Wirt.

Zeit für die Familie

Am 22. September ist also Schluss. „Einerseits blutet mir das Herz. Andererseits werde ich wieder mehr Zeit für Freunde und meine Familie haben“, sagt der Koch. Sibel (7) und Pius (4) können sich zumindest schon mal freuen, dass der Papa künftig mehr Zeit hat. Und beruflich? Heiß blickt optimistisch nach vorne. „Wird man sehen, das wird schon. Hauptsache, es hat mit Geschmack und guten Lebensmitteln zu tun.“

Doch was wird aus dem Lokal? Keine Sorge: Den „Goldenen Apfel“ wird es weiter geben. Anna Baumgartner, die seit Jahren zum bewährten „Apfel“-Küchenteam gehört, und der Kins­auer Julian Resch, der als Koch in München und als lokaler Caterer viel Erfahrung gesammelt hat, werden ab 4. Oktober die Apfeldorfer bewirten. Bei den jungen Leuten sieht Bernhard Heiß „seinen Apfel“ in liebevollen Händen: „Ich wünsche den beiden viel Erfolg und dass sie neben den Stammgästen viele neue nette Gäste gewinnen können.“ 

Klaus Mergel

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