"Die Motivation ist hoch"

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Rund 36 Schüler werden nun an den Beruflichen Schulen in zwei speziellen Asylanten-Klassen unterrichtet.

Landsberg – Die Beruflichen Schulen Landsberg (BSL) bietet im Schuljahr 2014/15 Unterricht für Asylanten an. In einem Auswahlverfahren werden derzeit aus 70 Bewerbern 36 geeignete Schüler ermittelt, die ab dem 1. Oktober – in zwei Klassen aufgeteilt – unterrichtet werden.

Nach einem Auswahlverfahren, das zwischen dem 23. und 25. September stattfand, werden ab dem 1. Oktober rund 36 Bewerber, die aus Afghanistan, Irak, aus Syrien und Afrika stammen, die Beruflichen Schulen Landsberg besuchen. „Wir wollen, wie auch in allen anderen Klassen den jungen Menschen helfen, sich beruflich und persönlich zu entwickeln und für sich Perspektiven zu entwickeln.“, so Thomas Schlütsmeier, Studiendirektor an den Beruflichen Schulen Landsberg. 

In zwei sogenannten BAF-Klassen (Beschulung von Asylbewerbern und Flüchtlingen) werden jeweils 18 berufsschulpflichtige Migranten unterrichtet. Unter den Kandidaten sind etwa 30 Prozent Mädchen und auch bei der Auswahl der Schüler wird auf das tatsächliche Mischungsverhältnis geachtet. Das Schulprojekt soll die Integration der Asylbewerber verbessern und gegenseitige Vorurteile abbauen. Daneben ist das mittelfristige Ziel, diesen jungen Menschen eine berufliche Perspektive und damit eine Zukunft zu bieten. 

Dafür steht zunächst das Erlernen der deutschen Sprache und Kultur im Vordergrund, aber auch andere Fächer sind auf dem Stundenplan vertreten: Sozialkunde/Gesellschaftskunde, Mathematik, Sport und Fachpraxis, wie beispielsweise Hauswirtschaft oder Metalltechnik. Praxisnähe ist durch das Üben von Bewerbungen gegeben sowie das Kennenlernen von Unternehmen. Zu diesem Zweck sind in der aufsteigenden Folgeklasse (BIJ) zwei Tage für Praktika reserviert, in denen die Schüler längerfristig in einem Betrieb arbeiten dürfen. 

Lernen, der Kontakt zu anderen Schülern und die Aussicht auf eine Zukunft mit Berufsausbildung helfen den jungen Flüchtlingen, sich in ihrem durchaus schwierigen Alltag zurechtzufinden. Zur weiteren Unterstützung ist für die beiden BAF-Klassen eigens eine Sozialpädagogin abgestellt, die den Asylanten mit Rat und Tat zur Seite steht und bei möglichen Konflikten vermitteln kann. Darüber hinaus wird Kontakt zu den Betreuern gehalten. Auch die Lehrer sind gut vorbereitet: Schon im Vorjahr hatte die Schule eine Ein-Tages-Klasse für lernwillige Asylbewerber aufgebaut. 

Neben der eigenen beruflichen Erfahrung können die Lehrer von anderen eigens für diese Klassen eingestellten und erfahren Lehrern profitieren. Auch werden spezifische Fortbildungsangebote von staatlicher Seite angeboten und wahrgenommen. Die Motivation ist hoch, sowohl auf Lehrer – als auch auf Schülerseite. Offenheit, Interesse und Neugier prägen größtenteils die Stimmung in der Schule. Im vergangenen Jahr gab es zum gegenseitigen Kennenlernen gemeinsame Frühstücke oder Spielnachmittage und auch für dieses Jahr sind ähnliche Integrationsmaßnahmen geplant. 

Neben dem Unterricht an der Beruflichen Schule Landsberg gibt es im Landkreis noch andere Fördermaßnahmen, zum Beispiel von der VHS. Und auch in Bayern sind die Beruflichen Schulen mit ihrem Angebot nicht alleine. In Weilheim, Mindelheim, Garmisch, Fürstenfeldbruck und Dachau gibt es weitere Klassen. Zudem erhält die Schule auch Unterstützung von der Regierung von Oberbayern und durch das Landratsamt. Der Unterricht für Asylanten ist für dieses Schuljahr anberaumt. Inwiefern in den nächsten Jahren weitere BAF-Klassen angeboten werden, entscheidet die Regierung von Oberbayern in Abhängigkeit von den durch das Ministerium zugewiesenen Geldern.

Ruth Fries

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