Durchdacht bis ins letzte Detail

Wie die Beruflichen Schulen Landsberg den Unterricht in der Krise meistern

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Die stellvertretende Schulleiterin Marion Rüller: Trotz Unterricht in offenen Zimmern herrscht geordnete Stille.

Landsberg – Leere Gänge, offene Klassenzimmer – und eine durchdringende Stille. Wer zurzeit die Türen ins Gebäude der Beruflichen Schulen Landsberg öffnet, mag sich im kompletten Shutdown wähnen. Aber weit gefehlt. In der letzten Woche wurden hier 362 Abschlussschüler der Fachoberschule (FOS) und der Berufsoberschule (BOS) sowie rund 80 Berufsschüler unterrichtet – seit Montag sind sogar noch die Berufsschüler der elften Klasse dazu gekommen. Wie man dabei Mindestabstand und Hygienevorschriften wahren kann? Zum einen zeitversetzt: halb Online-, halb Präsenzunterricht. Zum anderen mit einem ausgeklügelten Konzept, das von Anfang an alle Beteiligten mit ins Boot holt.

„Ich glaube, wir haben von Anfang an ein klares Konzept gehabt, ohne Unsicherheiten“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Marion Rüller. Geplant habe man schon in den Osterferien, die Schule ‚coronagerecht‘ hergerichtet in der Woche vor der Öffnung für die Abschlussklassen. Nicht nur die Lehrer und Hausmeister sowie die Verwaltungsangestellten wurden mit einbezogen: auch SMV und Elternbeirat wurde das Konzept vor der Wiedereröffnung vorgestellt. Und um deren Meinung und Ideen dazu gefragt. „SMV und auch Elternbeirat haben unsere eher strengen Regeln ausdrücklich begrüßt.“ Weshalb es jetzt wohl auch keine Anrufe von Eltern gebe, die Lockerungen wünschten, „keinen einzigen“, betont Rüller.

Auch die Schüler fühlen sich sicher. „Mir geht es gut hier in der Schule“, sagt eine überzeugt. Angst? Fehlanzeige. Alle Klassen werden geteilt, der online-Unterricht findet immer mit dem Fachlehrer statt – selbst wenn der, da er zu einer Risikogruppe gehört, keinen Präsenz­unterricht halten darf. „Jeder Schüler wird also von seinem Lehrer zum Abitur geführt“, sagt Rüller. Für den Präsenzunterricht der Lehrer, die zuhause bleiben müssten, habe man Ersatz finden können.

Viel Raum in den Klassenzimmern - mit ausreichend Platz zum Sitznachbarn.

In den Klassenräumen sitzen zehn bis zwölf Personen, gut verteilt. Sollten in einer ‚halben‘ Klasse mehr als 15 Schüler sein, wird in zwei Räumen parallel unterrichtet, mittels Videoübertragung. Manch Schüler übt hier auch Kritik: Der Unterricht wirke etwas zu locker, „und wir stehen doch vor unseren Prüfungen.“ Vor denen durch die Verschiebung des Abiturs jetzt auch noch die Pfingstferien liegen. Da ist auch von den Schülern eine Menge an Selbstdisziplin gefordert.

Die Maskenpflicht in den Gängen werde konsequent eingehalten. „Wenn es alle tun, ist es kein Problem“, sagt Rüller. Und wer seine vergessen hat, kann sich am Eingang eine der Einwegmasken schnappen.

Natürlich sei es in einem neuen Gebäude wie das der Beruflichen Schulen einfacher, die Hyghieneanforderungen umzusetzen, gibt Rüller zu. Waschbecken in jedem Klassenzimmer, Wasserhähne ohne Schraubgriffe und vor allem: viel Platz: „In den Gängen und in den Treppenhäusern kann man den Sicherheitsabstand ohne Probleme wahren.“ Aber das Konzept hat noch mehr Finessen:

Jeder an seinem Platz

Die Berufsschule startet um 8 Uhr, FOS und BOS um 8.45 Uhr. Die Letzteren sind dabei angehalten, bereits ab 8.15 Uhr zeitversetzt das Gebäude alleine zu betreten. Und sich gleich zu ihrem Platz zu begeben. Denn das ist das Herzstück des Konzepts: Jeder Schüler hat seinen festen Platz – für den ganzen Schultag. Eine logistische Herausforderung, gibt Rüller zu, aber es habe funktioniert. Noch ein Punkt mindert Begegnungen: „Die Pausen werden in den Zimmern verbracht, es müssen also nur die Lehrer den Raum wechseln.“ Und jeder Schüler verlässt den Raum einzeln.

Unterricht gibt es momentan natürlich nur in den vier Prüfungsfächern: Das mache 16 Stunden Präsenzunterricht pro Woche, an den ‚freien‘ Tagen finde Online-Unterricht statt, erklärt Rüller. Die elften Klassen der FOS und der BOS kämen zum Glück erst nach dem Abitur wieder an die Schule. Bis dahin haben sie nur Online-Unterricht. Allerdings habe man die Praktika streichen müssen, um so mehr Unterricht zu ermöglichen.

Sogar die Ersatzprüfungen in den Fächern, die jetzt nicht mehr unterrichtet werden, sind bestens organisiert. Will ein Schüler nicht seine bisherigen Noten in den Fächern als endgültige festlegen lassen, darf er eine Ersatzprüfung in dem jeweiligen Fach machen. Die Termine sind samstags oder nach Unterrichtsschluss. „Und auch für diese Prüfungen bleibt jeder Schüler an seinem festen Platz“, sagt Rüller. „Und 35 Lehrer kommen als Aufsichtskräfte.“
Susanne Greiner

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