Über das "RA" gestolpert

Ex-Rechtsanwalt steht mit einem Bein im Gefängnis

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Weil er zum wiederholten Mal die Berufsbezeichnung missbraucht hat, wurde ein ehemaliger Rechtsanwalt am Amtsgericht Landsberg zu einer hohen Geldstrafe verurteilt.

Landsberg – Eine E-Mail-Adresse hätte einen 69-Jährigen um ein Haar ins Gefängnis gebracht. Sie enthielt nämlich die Abkürzung „RA“ für Rechtsanwalt, und als solcher darf der Mann sich nicht mehr bezeichnen. Nun stand er wegen Missbrauchs von Berufsbezeichnungen vor dem Amtsgericht – und das nicht zum ersten Mal.

2012 hatte der Angeklagte nach 34 Jahren seine Zulassung als Rechtsanwalt verloren – warum, das blieb in der Verhandlung vor Strafrichter Michael Eberle unerwähnt. Auf jeden Fall schien der Angeklagte zunächst nicht sonderlich beeindruckt davon, dass er sich nicht mehr Anwalt nennen durfte. Er verwendete weiterhin seinen ursprünglichen Briefkopf und unterschrieb seine Korrespondenz mit dem Zusatz „Rechtsanwalt“. 2014 wurde er deswegen schon einmal verurteilt – wegen 95 Fällen des Missbrauchs der Berufsbezeichnung kassierte er eine Bewährungsstrafe.

Daraufhin entfernte der 69- Jäh­rige das Wort „Rechtsanwalt“ vom Türschild seiner Kanzlei in Landsberg und aus seinem Briefkopf. Doch als er einem 56-jährigen Lechstädter handschriftlich seine E-Mail-Adresse gab, tauchte darin die Abkürzung „RA“ auf. Der Betreffende war bereits Jahre zuvor Mandant der Kanzlei gewesen. Nun wurde bei ihm der Eindruck erweckt, dass der Angeklagte nach wie vor als Rechtsanwalt praktiziere, wie der 56-Jährige im Zeugenstand aussagte.

Der Angeklagte wiederum beteuerte, mit E-Mails eigentlich nichts am Hut zu haben. Zwar habe seine Kanzlei „als eine der ersten in Landsberg“ mit EDV gearbeitet, doch dafür sei ausschließlich die Sekretärin zuständig gewesen. „Als ich nach meiner E-Mail-Adresse gefragt wurde, musste ich sie erst nachschauen“, so der 69-Jährige, der in einem Dorf bei Landsberg lebt.

Anklagevertreterin Janine Häring hätte den Mann gerne für ein halbes Jahr hinter Gitter geschickt. Er brachte nämlich auch noch eine Vorstrafe wegen Beihilfe zu Betrug und Steuerhinterziehung mit. Außerdem stand er nach dem Urteil von 2014 noch unter Bewährung.

Verteidiger Joachim Feller bewertete den Vorfall dagegen als einmaligen Ausrutscher und plädierte für eine Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen. Richter Eberle sah die Sache ähnlich. Es handele sich um einen Grenzfall. „Der Zeuge ging davon aus, dass Sie Anwalt sind, und Sie haben diesen Eindruck nicht gerade zerstreut“, so der Vorsitzende an die Adresse des Angeklagten. Die E-Mail-Adresse sei der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Eberle beließ es bei einer Geldstrafe. 1.800 Euro (90 Tagessätze à 20 Euro) muss der Angeklagte an die Staatskasse zahlen. Die geringe Höhe der Tagessätze verdankt er der Tatsache, dass er nach eigener Aussage über kein Einkommen verfügt und von der Unterstützung seiner Frau und seiner Kinder lebt.

Der Vorsitzende gab dem Verurteilten eine deutlichen Warnung mit auf den Weg. „Nächstes Mal wird es nicht mehr so ausgehen.“ Damit in Zukunft kein falscher Eindruck mehr entsteht, solle der 69-Jährige möglichst auch alle alten Einträge seiner Kanzlei im Internet löschen lassen.

Ulrike Osman

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