Beruhigendes Zahlenwerk

Nach wie vor nehmen Diebstähle im Landkreis Landsberg den größten Anteil bei den Staraftaten ein. Foto: Polizei

Die wichtigste Botschaft der Kriminalstatistik schickt Alfred Geyer gleich vorweg: „Man kann in Landsberg beruhigt schlafen.“ Die erfreulichste Entwicklung kann sich der Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Landsberg allerdings nicht so recht erklären: Im Vergleich zum Vorjahr (4254) stehen 2010 mit 3832 fast zehn Prozent weniger Straftaten in der Bilanz.

Dass es soviel ruhiger im Landkreis Landsberg geworden ist, mag Geyer nicht glauben. „Es kann nur so sein, dass einfach weniger angezeigt worden ist“, rätselt der Polizeichef. Für seine Beamten bedeutet das aber immer noch, dass 50 Vorgänge pro Tag zu bewältigen sind. Eine andere positive Zahl lässt sich da schon besser einordnen. Wie in den Jahren zuvor stieg die Aufklärungsquote weiter leicht an und liegt jetzt bei 64,3 Prozent (2007 noch 59,9 Prozent) und damit praktisch im bayerischen Durchschnitt. „Das spricht natürlich für die Aus- und Fortbildung und die tolle Arbeit, die meine Kollegen hier leisten und macht uns schon ein wenig stolz“, so Geyer. Auch bei der regionalen Verteilung der Kriminalität, der sogenannten „Häufigkeitszahl“ liegt der Landkreis im Vergleich zu Starnberg, Fürstenfeldbruck und Dachau – dem Bereich der ehemaligen Polizeidirektion – weiter vorne. Das allerdings dürfte wohl auch zu einem Teil darauf zurückzuführen sein, dass sich in den genannten Kreisen die Nähe zu München negativ auswirkt. Büßen muss die Stadt Landsberg das dann wiederum in der lokalen Statistik; im Landkreis werden dort und in Kaufering am häufigsten Straftaten begangen. „Die nächsten größeren Städte München und Augsburg liegen so weit weg, dass sich Straftäter aus der Umgebung auch hierher orientieren, bevor sie in die Großstädte ausweichen“, heißt es bei der Polizei ­– fast ein Drittel der Delikte gehen auf das Konto von Tätern, die ihren Wohnsitz nicht im Landkreis haben. Den Löwenanteil bei den Straftaten nehmen mit knapp 28 Prozent wie immer die Diebstähle ein, wobei auch hier die Gesamtzahl von 1042 auf 861 Fälle gesunken ist. Auffällig ist dabei der starke Rückgang bei den Ladendiebstählen um über 27 Prozent (208/151). Ebenfalls ein gewohntes Bild ist, dass gerade in den Läden viel von Kindern geklaut wird – immerhin 45 von ihnen mussten deshalb im vergangenen Jahr zur Polizei. Jugendliche und Heranwachsende begehen nicht nur deshalb überproportional viele Straftaten: Bei sieben Prozent Bevölkerungsanteil sind sie für über 20 Prozent der Delikte verantwortlich. Ein unangenehmer Trend ist dabei, dass immer mehr junge Menschen unter Alkoholeinfluss zu Gewalttaten neigen. Von 338 Körperverletzern waren 128 alkoholisiert. „Damit ist gegen den Trend dieser Anteil von 28 auf 38 Prozent gestiegen und noch dazu werden die Täter immer jünger“, stellt Geyer fest. Ebenfalls zugenommen haben die „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ und die „häusliche Gewalt“. Das muss laut Geyer nicht zwingend darauf hinweisen, dass mehr passiert. „Die Frauen trauen sich inzwischen gottseidank eher, zur Polizei zu gehen.“ Die spricht in solchen Fällen inzwischen auch schnell ein Kontakt- oder Annährungsverbot aus. Erfreulich niedrig blieben im heimischen Landkreis auch die Zahlen der schweren Gewalttaten und die der rechtsextremistischen – Fälle von Linksextremismus oder Ausländerfeindlichkeit gab es überhaupt nicht. Sorgen macht dem Polizeichef, dass die Schwelle zu Respektlosigkeiten oder Handgreiflichkeiten gegenüber seinen Beamten weiter sinkt. 32 Mal wurde Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte registriert, einmal richtete ein ertappter Einbrecher gar seine Gaspistole gegen die Polizisten. Geyer: „Da können wir von Glück reden, dass es nicht zum Schusswaffengebrauch kam“. Wegen Verletzungen durch Widerstand fielen immerhin 73 Krankheitstage in der PI Landsberg an. Damit trotz solcher Vorfälle und der allgegenwärtigen Personalknappheit die Bilanz auch für 2011 wieder so gut ausfällt, ist Flexibilität gefragt. „Wir werden weiterhin zu bestimmten Zeiten die Streifendichte erhöhen und Prioritäten setzen“, so Geyer. „Die höheren Einstellungszahlen in Bayern wirken sich erst in ein oder zwei Jahren aus. Ich hoffe, dass die jungen Kollegen dann auch zu uns kommen und nicht an anderer Stelle gebunden werden.“ Kurs Zivilcourage Schon jetzt setzt man auch auf ein anderes Mittel. „Die Prävention steht an erster Stelle, deshalb veranstalten wir auch wieder unser kostenloses Verhaltenstraining Zivilcourage“, wirbt Geyer für den Termin am 9. Mai im Sportzentrum.

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