Besser an Einheimische? – Debatte um Ausschreibungen in Denklingen

Ausschreiben oder nicht ausschreiben? Diese Frage hat vergangene Woche zu einer angeregten Diskussion im Gemeinderat geführt. Anlass: Ein Tiefbaupaket mit insgesamt 16 Maßnahmen galt es abzusegnen. Die Verwaltung hatte einen Beschlussvorschlag vorgelegt, wonach die Projektierung des Gesamtpakets an das Ingenieur- büro Buchner aus Dießen gehen und dann eine beschränkte Ausschreibung erfolgen sollte. Diesem Weg folgte die Mehrheit der Ratsmitglieder, obgleich einige der Ansicht waren, dass man die Arbeiten doch ohne Ausschreibung an Firmen aus dem Ort vergeben sollte.

Den größten Brocken der langen Liste an Maßnahmen, die nun angepackt werden, stellt die Osterzeller Straße dar: Hier muss noch das letzte Drittel ausgebaut und zudem eine Fahrbahnmarkierung angebracht werden. Die ersten beiden Abschnitte sind bereits fertig gestellt. Zu den weiteren größeren Maßnahmen zählt auch der Tiefbau am Forchauberg. Am Vogelherd wiederum sind 40 Meter Wasserleitung auszuwechseln. Ebenso müssen die zugewachsenen Becken im Denklinger Regenrückhaltebecken ausgebaggert werden. Die Alpenstraße ist bei Geigers Kapelle sehr rissig. Außerdem hat sich in Epfach in der Wertstoffsammelstelle im Eingangsbereich eine große Senke gebildet, in der Wasser stehen bleibt und im Winter sich eine gefährliche Eisplatte bildet. Unter anderem sind im Gemeindegebiet auch noch mehrere kleinere Mängel – wie etwa kaputte Randsteine und Betonrinnsteine – zu beheben. Bürgermeisterin Viktoria Horber erklärte, dass die Lechraingemeinde billiger wegkomme, wenn sie alle nötigen Maßnahmen in einem Paket zusammenfasse und dann ausschreibe. Zudem habe man dann einen „fixen Preis“, leistete Horber Überzeugungsarbeit. Gemeinderätin Regina Wölfl sah die Sache aber anders. Sie setzte sich vehement dafür ein, dass die Aufträge an Denklinger Unternehmen gehen sollten: „Die Firmen im Dorf zahlen ja auch Gewerbesteuer“, argumentierte sie, „man sollte diese berücksichtigen, auch wenn’s dann ein bisschen teurer wird.“ Und Wolfgang Martin ergänzte, dass man sich bei einigen Punkten das Ingenieurbüro sparen könnte. Geschäftsstellenleiter Johann Hartmann erklärte, dass die Maßnahmen als Gesamtpaket mit Ausschreibung nicht nur „in jedem Fall günstiger“ kämen, sondern neben der wirtschaftlichen auch die rechtliche Seite berücksichtigt werden sollte. Eben den rechtlichen Aspekt brachte Josef Rapp ins Spiel. Er warnte davor, dass eine Gemeinde doch gleich „pauschal verdächtigt“ werde, wenn sie solche Leistungen nicht ausschreibe. "Gewaltig viel" im Ort Für die Verwaltung warf Hartmann noch in die Waagschale, dass in Denklingen ohnehin schon „gewaltig viel“ an Ortsansässige vergeben werde. Ungeachtet dessen störte sich Wölfl daran, dass – wie unter anderem in den Maßnahmen aufgelistet, zehn Betonrinnensteine ausgetauscht werden müssen, und dafür Auswärtige Firmen genommen würden. Bürgermeisterin Horber wandte ein, dass hier eine Praxis „zerredet“ werde, die in Denk- lingen schon seit langem sehr gut funktioniere. Wie Johann Hartmann auf Anfrage des KREISBOTEN weiter erläuterte, würden sich die Gesamtkosten in einem „sechsstelligen Euro- Bereich“ bewegen – und bei dieser Summe sei rechtlich gesehen eine beschränkte Ausschreibung „das Mindeste“, was eine Gemeinde machen müsse. Und dafür sollen nun drei bis acht Firmen angeschrieben werden.

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