Besser ein Pufferspeicher?

Das Bio-Heizkraftwerk ist und bleibt das Sorgenkind der Marktgemeinde Kaufering: Am 8. Februar wollen die Ratsmitglieder abschließend beraten, wie das hohe Defizit zu reduzieren ist. Foto: kb

Zu einem guten Teil aus ausgewiesenen Nahwärme-Experten müsste inzwischen der Marktgemeinderat bestehen. Nachdem vor wenigen Wochen das Ingenieurbüro Gammel (Abensberg) seine Pläne zur Verbesserung der Bilanz bei dem von ihm konzipierten Bio-Heizkraftwerk präsentiert hatte, legte nun der Landsberger Hansjörg Pfeifer eine Alternative vor. Demnach wäre ein „Pufferspeicher“ für Warmwasser die wirtschaftlichste Möglichkeit, das Defizit zu verringern.

Die Investitionskosten sollen nach Angaben des Gutachters bei rund 200000 Euro liegen, genauso viel soll der Speicher bereits im ersten Jahr wieder einsparen. Pfeifer: „Da hätte man zum einen einen geringeren Einsatz von Heizmitteln und zum anderen müsste man keine Energie mehr vernichten.“ Der Experte hält für das abgelaufene Jahr ein Defizit von 500000 Euro für möglich. Während Gammel vorwiegend „Lastkurven“ gezeigt hatte, legte Pfeifer zahlreiche Tabellen vor, die die komplexe Situation rund um das defizitäre Kraftwerk detailliert beleuchteten. „Wie das im Sommer betrieben wird, ist kein Zustand“, so der Gutachter, „da wird bei hohen Temperaturen erzeugte Energie vernichtet“. Künftig soll mit der vorhanden ORC-Turbine im Sommer unter Volllast erst einmal ein Warmwasserspeicher mit 175 Kubikme­- tern Kapazität befüllt werden. „Danach könnte die Turbine heruntergefahren werden, sie wäre dann in einem Betrieb, in dem es nur noch um Stromerzeugung geht.“ An dieser Stelle scheint allerdings noch Beratungsbedarf zu sein: Laut Gammel muss die Turbine durchgängig mit mindestens 50 Prozent ihrer Maximalleistung (4 MWh) laufen. Nach Pfeifers Modell sollte die Anlage im Sommerbetrieb aber auf 0,8 MWh zurückgefahren werden. Pfeifer: „Da gibt es zwei optimale Punkte für die beiden Betriebsarten. Die müssen mit dem Hersteller noch ermittelt werden.“ Unklar sei auch, ob dies mit dem vorhandenen Silikonöl möglich sei. Die Vorteile liegen für ihn wie auch Bürgermeister Dr. Klaus Bühler dennoch klar auf der Hand. „Bisher wird mit 90 Grad heißem Wasser Energie erzeugt, die im Sommer dann vernichtet werden muss. Mit dem Pufferspeicher würden wir dann nur noch während der reinen Stromerzeugung abkühlen müssen, und da reden wir von 25 bis 30 Grad warmem Wasser“, meinte Bühler. Der Vorteil dieser Lösung: Es würde von Anfang an wesentlich weniger fossile Energie eingesetzt. Der Platz für den Speicher, einen Stahlzylinder von rund zehn Metern Höhe, wäre im Kraftwerk vorhanden. Ähnliches Einsparpotenzial hatte Michael Gammel mit seinem Vorschlag gesehen, der allerdings Investitionen von rund einer Million Euro erfordern würde: Er plädierte dafür, ein Blockheizkraftwerk (BHKW) auf Erdgasbasis neben dem bisherigen Heizkraftwerk zu installieren, um im Winter die Spitzenlasten nicht mit Heizöl abfangen zu müssen und im Sommer die ORC-Turbine zeitweise stilllegen zu können. „Wenn wir das kombinieren, hätten wir die 400000 Euro Defizit doch praktisch erledigt?“, fragte Hans Koch (SPD) nach. Diese Hoffnung nahm ihm Pfeifer jedoch: „Wenn man im Sommer mehr in Richtung Stromerzeugung geht und einen Pufferspeicher befüllt, treten diese Verluste erst gar nicht mehr auf. Ein BHKW hätte da nur noch die Berechtigung als Reserve.“ Thomas Winkler vom Ingenieurbüro Gammel verteidigte dennoch die Kombi-Lösung (Pufferspeicher plus BHKW), auf die sich die Büros Gammel/Pfeifer am Wochenende geeinigt hatten. „Das BHKW würde jährlich 2200 Stunden unter Vollnutzung laufen, das ist für eine solche Anlage tatsächlich nicht gerade viel, von April bis Oktober wäre es abgeschaltet. Aber es besteht durchaus Hoffnung, dass das schon rentabel ist.“ Während Bürgermeister Bühler erneut betonte, dass „unser einziges Problem ist, dass unsere Preis zu niedrig sind“, setzte Gabriele Triebel genau dort an: „Wir hatten ja einen Planungsvertrag mit Ihrem Büro“, meinte sie in Richtung Winkler, „da wird doch jemand bei Ihnen das alles durchgerechnet haben. Warum kam da kein eindeutiges ,Nein‘ zu diesen Preisen von Ihnen?“, wollte die GAL-Rätin und -Bürgermeisterkandidatin wissen. Eine Frage, die Winkler „aus dem Stegreif nicht beantworten“ konnte. Dafür klärte der Ingenieur über einen zunehmenden Zeitdruck auf. „Die Lieferzeiten solcher Kraftwerke betragen zurzeit sechs Monate. Wenn man also im Oktober heizen will, muss bis Anfang Februar eine Entscheidung fallen.“ Der Marktgemeinderat wird sich voraussichtlich am 8. Februar abschließend mit dem Thema beschäftigen. Bis dahin dürften auch die endgültigen Zahlen für den Kraftwerksbetrieb im Jahr 2011 vorliegen. Laut Hansjörg Pfeifer „kann es durchaus sein, dass aus den geplanten 400000 Euro Defizit eine halbe Million wird.“

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