Die Betonkunst muss weichen

Ein Kapitel Uttinger Kunstgeschichte geht zu Ende: die bunten Betonskulpturen des umstrittenen Künstlers Bernd Dudek werden dem­nächst entfernt. Beim Bürgerentscheid über Herz, Stelenlabyrinth und Ei am Sonntag sprach sich eine deutliche Mehrheit für die Beseitigung aus. 1175, das sind 61 Prozent der Wahlbeteiligten, stimmten auf die Frage, ob die drei Kunstwerke erhalten werden sollen, mit Nein – und besiegelten damit deren Rückbau.

Das Bürgerbegehren für den Erhalt hatte zwar den Entscheid durchgesetzt, bekam nun allerdings nur 744 Stimmen und damit 39 Prozent. Die Wahlbeteiligung betrug beachtliche 58 Prozent. Bürgermeister Josef Lutzenberger (GAL) zeigte sich in einer ersten Stellungnahme zufrieden mit dem Ergebnis: Die Bevölkerung habe ebenso abgestimmt, wie der Gemein­de­rat zuvor entschieden hatte, was er als Beweis für die gute Vertretung der Uttinger Meinung im Ratsgremium wertete. Beide Seiten seien von Anfang an fair miteinander umgegangen, lobte das Gemeindeoberhaupt. Angesichts der Tatsache, dass die Kunstwerke eigentlich schon vor zehn Jahren abgebaut werden sollten, plane man nun keine „Hau-Ruck-Aktion“. Unterstützung haben die Uttinger Künstler angekündigt. Sie wollen sich an der Beseitigungs­aktion in Form eines Happe­nings beteiligen, um die Abriss­kosten in Höhe von 13500 Euro zu senken. Die drei Plastiken aus armiertem Beton hatte Bernd Dudek 1996 im ehemaligen Dyckerhoff-Firmengelände gegossen und farbenfroh bemalt. Erst sollten sie zwei Monate den Uttinger Summerpark zieren, daraus wurde eine zweijährige Ausstellung, die der Gemeinderat bis 2000 verlängerte. Vor dem Abriss der Fabrik musste Dudek zwangsgeräumt werden. Kurzerhand benannte er seine Werkstatt nach Solly Ganor, einem jüdischen KZ-Häftling, der in der Dyckerhoff-Betonfabrik Zwangsarbeit leisten musste. Ganor hatte zwar in Dudeks Werkstatt gearbeitet, distanzierte sich aber von jeder Instru­mentalisierung durch den Künstler. Nach seinem plötzlichen Verschwinden ignorierte Dudek alle Forderungen der Gemeinde, seine tonnenschweren Hinterlassenschaften abzuholen. Erst 2008 erhielt die Kommune Utting die Eigentumsrechte. Seitdem entschied der Gemeinderat zweimal mehrheitlich, das bunte Trio zu schleifen. Doch im Januar 2010 formierte sich die Bürgerinitiative für den Erhalt der Betonkörper. Mit Unterstützung der örtlichen CSU sammelte Initiator Joachim Pahlke etwa 400 Unterschriften und erreichte so den Bürgerentscheid. Am Tag vor dem Bürgerentscheid hatte Martin Grubers Musik- und Kulturfest „Die Mauer muss weg“ etwa 200 Besucher in den Summerpark ge­lockt. Anton Gruber würdigte die Dudek-Kunstwerke als einen Versuch, inhaltliche Leere mit massivem Materialeinsatz zu überdecken. Sein Bruder Martin entließ das Publikum mit seiner Band „Gruba“ in eine laue Uttinger Sommernacht.

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