Altbewährtes oder Neustart?

Bettina Hölzle will Schondorfs erste Bürgermeisterin werden

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Keine Angst vor einem Wachwechsel im Rathaus hat Bettina Hölzle, Bürgermeister-Kandidatin der CSU in Schondorf. Der grüne Amtsinhaber Alexander Herrmann (links) baut auf seine Erfahrung und hofft auf seine Wiederwahl. Rechts BDS-Ortsvorstand Johann Springer, der die Podiumsdiskussion souverän leitete.

Schondorf – Im zweiten Anlauf hat es geklappt. Nachdem Schondorfs grüner Bürgermeister Alexander Herrmann (55) den ersten Termin krankheitsbedingt absagen musste, fand jetzt im Gasthof Drexl die lang erwartete Podiumsdiskussion mit Bettina Hölzle (36) statt, seiner CSU-Gegenkandidatin um dem Chefsessel im Rathaus. Eingeladen hatte der Ortsverband Ammersee Nordwest im Bund der Selbständigen. Hier sind 70 Gewerbetreibende und Freiberufler aus Schondorf, Utting und Greifenberg vernetzt und natürlich neugierig, wie sich die Gemeinde auf den Strukturwandel in der Region wappnen wird. Johann Springer, der BDS-Ortsvorsitzende, moderierte die Veranstaltung im bis auf den letzten Platz besetzten Saal. Wie üblich, gab es zunächst eine Vorstellungsrunde der Kandidaten.

Bettina Hölzle ist in Schondorf aufgewachsen und lebt hier bereits in fünfter Generation. Nach ihrem Abitur in Sankt Ottilien ging sie zunächst zum Studium nach München und landete als Betriebswirtin bei Audi am Flughafen, wo sie im Bereich „Handelstraining und Marke“ arbeitet. Die Kandidatin ist mit einem Richter am Landgericht München verheiratet, hat einen vierjährigen Sohn und liebt „ihr Schöndorf“, wie sie zu Schondorf sagt. Seit 15 Jahren ist sie politisch aktiv, unter anderem im Ortsvorstand der CSU, in der Frauenunion Ammersee-West und im Elternbeirat des Kinderhauses Schondorf.

Alexander Herrmann hat Kindheit und Schulzeit in München verbracht und zog vor über zwanzig Jahren mit seiner Familie – mittlerweile drei erwachsene Kinder – nach Schondorf. Als Architekt betreute er im Landkreis zahlreiche Bauprojekt und hat sich 2009 mit einem IT-Systemhaus selbständig gemacht. Er ist seit fünfzehn Jahren aktives Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr und seit 2014 hauptamtlicher Bürgermeister sowie im Kreisrat tätig.

In Bezug auf ihre beruflichen Erfahrungen und Stärken verriet Bettina Hölzle, dass sie Projekte sehr strukturiert abarbeiten und umsetzen kann. Sie schätzt Teamarbeit und bei juristischen Fragen baut sie auf ihren Ehemann. Alexander Herrmann beruft sich auf seine frühere Tätigkeit als Architekt, Planer und IT-Fachmann. Das erleichtere ihm seine Arbeit im Rathaus, wo es viel um Bauen und Planen geht.

Auf den durch Online-Shopping bedingten Strukturwandel im Ort und das Angebot der Geschäfte könne Herrmann kaum Einfluss nehmen. Aber er wolle das Gewerbe auf der Gemeinde-Webseite deutlicher herausstellen und zeigen, dass man auch in Schondorf attraktiv einkaufen kann. Bettina Hölzle meinte, es gebe in Schondorf eine gute Infrastruktur bei Handel, Gewerbe und Gastronomie. Für das nachhaltige Einkaufen vor Ort könne eine eigene App mit Rabatten, Gutscheinen et cetera hilfreich sein. Mit einer weiteren App könnte man schadhafte Straßenbeläge, kaputte Laternen oder defekte Spielgeräte direkt bei der Gemeindeverwaltung melden.

Größere oder neue Gewerbegebiete seien in Schondorf mit nur 6,5 Quadratkilometern Fläche nicht leicht zu realisieren, bedauerte Alexander Herrmann. Aber er könne sich Gewerbehöfe oder eine Lösung durch Coworking Space gut vorstellen. Beim Thema Tourismus zeigte er sich froh, dass die Seeanlagen „klein und verschlafen“ sind. Sonst würden noch mehr Tagesgäste kommen und die Straßen verstopfen. Bettina Hölzle plädierte für einen sanften Tourismus, wünschte sich ein Hotel und E-Bike-Ladesäulen am See. Für ein modernes Parkraum-Management möchte sie als Bürgermeisterin einen Verkehrsplaner ansetzen. Die Idee eines privaten Parkplatzes mit Shuttle-Service zum See fand Alexander Herrmann gut und sagte seine Unterstützung zu, falls sich ein privater Unternehmer diesbezüglich meldet. Beim von Bettina Hölzle bemängelten katastrophalen Öffentlichen Personennahverkehr verwies Herrmann auf den zuständigen Landkreis. Durch den geplanten Anschluß an den MVV sei hier langfristig eine Besserung in Sicht. Bis dahin will Bettina Hölzle die ÖPNV-Lücken mit Sammel-Taxen schließen.

Beim Thema erschwinglicher Wohnraum würde Bettina Hölzle keine Gemeindegrundstücke mehr an private Investoren verkaufen, Äcker zu Bauerwartungsland machen und statt Einfamilienhäuser auch Doppelhäuser und Geschosswohnungen bauen. Alternative Wohnformen wie das Tiny House sollte man prüfen. Bei der vom Publikum angesprochenen „behutsamen Sanierung“ der ortsprägenden Seeberg-Siedlung und anderer Gemeindewohnungen will Bürgermeister Herrmann prüfen, ob das überhaupt sinnvoll ist. Teilweise sei der Bauzustand „unter aller Sau“.

Nach vielen weiteren Diskussionspunkten betonte Herrmann, er wolle die nächsten sechs Jahre bei den Themen weitermachen, die er auf den Weg gebracht hat wie den sozialen Wohnungsbau. Hölzle wiederum fühlte durch ihre „tausend Hausbesuche“ bestärkt, frischen Wind in die Gemeindepolitik zu bringen.
Dieter Roettig

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